Das Lucidum intervallum des Oliver Welke

Oliver Welke, das Multitalent des ZDF, der nicht nur im Rahmen seiner qualitativ hochwertigen Arbeit als Gesicht der heute-show glänzte, sondern gegenwärtig außerdem als ausgewiesener Fußballexperte die Europameisterschaft im ZDF journalistisch begleitet, hatte ja zuletzt vor allem als Moderator des politischen Kasperletheater auf sich aufmerksam gemacht. Zwischen den zahlreichen Beiträgen, bei denen Welke und seine Clowns ausschließlich mit witzloser Dreistigkeit und stereotypem, völlig unreflektiertem Parteien-Bashing die Massen begeisterten, schlichen sich hin und wieder auch lichte Momente ein.

Einen dieser rar gesäten lichten Momente möchte ich an dieser Stelle hervorheben:

Als kleine Anmerkung: Das Lucidum intervallum des Oliver Welke beginnt bei 1:35 und endet bei 1:47 auch schon wieder.

Übrigens – und das ist jetzt kein Spaß: Sexuelle Belästigung ist in Deutschland nach wie vor kein eigener Straftatbestand. Regt aber kaum einen auf, denn: diesmal sind ja keine notgeilen Ausländer beteiligt.

Ich weise darauf hin, dass dieser Ausschnitt aus der Sendung vom 01.04.2016 stammt.

Es klingt sarkastisch, und man könnte vermuten dass das in einem Deutschland, in dem sich parteienübergreifend Politiker an Menschenketten gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit beteiligen, ein kleiner Scherz am Rande sein müsse. Man hat doch auch weiterhin  inzwischen gelernt, wer die Guten und wer die Bösen sind wenn es um das Thema Rassismus und Ausländerhass geht. Die Bösen, das sind diese Rechtspopulisten, die sich als Alternative für Deutschland sehen, und offenkundig darauf stehen die Urangst des Deutschen von einer anderen Kultur überrannt zu werden, zu instrumentalisieren um sich immer wieder ins Gespräch zu bringen. Auf der anderen Seite haben wir die Guten, die manchmal auch etwas verächtlich als Gutmenschen verschrien werden (nicht zu verwechseln mit Gutsherren), die sich in den Dienst der Menschlichkeit, des Humanismus und gerne auch des Feminismus stellen.

Eben jene Gutmenschen – für deren Existenz insbesondere die Rassisten und Sexisten dankbar sein dürften, da sie in einer Welt, in der die Menschen ein Mindestmaß an gesundem Menschenverstand besitzen, wohl niemanden hätten, der mit ihnen im Sandkasten spielt – waren es paradoxerweise, die die Worte Welkes nun als geniale Prophezeiung wirken lassen. Die vielbeachtete Komponente des Medienspektakels um das Model Gina-Lisa Lohfink ist ja primär die Tatsache, dass unser Rechtssystem nach der Ansicht zahlreicher Frauenrechtler*innen sexistisch und relativierend gegenüber sexueller Gewalt gegen Frauen ist – auch das haben wir ja dank der umfassenden Berichterstattung im Bezug auf dieses Thema nun gelernt.

Und tatsächlich: Es gibt viele Beispiele, bei denen es nicht gelang Täter, die sich der sexuellen Belästigung und/oder des sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht haben, für ihre Taten auch zu verurteilen. Wer das selbst gerne nachvollziehen möchte, dem lege ich die Seite 2sneakers.de ans Herz, auf der man dank eines Echtzeit-Counters sogar verfolgen kann, wann es (statistisch gesehen) mal wieder zu einer Vergewaltigung kommt. Und es ist darüber hinaus sogar davon auszugehen, dass die meisten dieser dort gemeldeten Vergewaltigungen auch Fälle sind, bei denen sich das Opfer nicht im Vorfeld des Missbrauches gemeinsam mit dem Täter die Kante in einem einem Club gegeben hat, geschweige denn dass es einen Tag vor der Tat bereits einvernehmlichen Verkehr mit dem späteren Täter hatte.

Aber um es in den Worten Oliver Welkes zu sagen: Wen interessieren schon 08/15 Vergewaltigungen?

Tatsächlich wurde die Debatte über „Nein heißt nein“ nicht durch einen der zahlreich vorhandenen Fälle von sexueller Gewalt angefeuert, bei denen die Opfer nach dem Erlebnis schwer traumatisiert sind. Was zeigt uns die Debatte über den Gerichtsprozess bzgl der Vergewaltigung Gina-Lisas?

Antwort: Um das Thema tatsächlich in das Bewusstsein der Menschen zu holen war genau das notwendig, was Oliver Welke richtigerweise erkannt hatte: Notgeile Ausländer.

Notgeile Ausländer, die man schon schuldig sprechen kann, bevor man überhaupt die Gelegenheit hatte über die Unschuld nachzudenken. Den Rechtspopulisten könnte man eine solche Vorgehensweise vorwerfen, da ihre Motive klar wären. Fremdenhass. Rassismus. Völkisches Denken.

Die Tatsache, dass es tatsächlich Feminist*innen (sprich Gutmenschen) sind, die das Urteil über die beiden Männer (mit Migrationshintergrund) aussprechen, mit denen Lohfink in dieser einen Nacht im April 2012 Geschlechtsverkehr hatte, noch bevor sie Zugang zu den notwendigen Fakten haben, die es ihnen erlauben würden die Unschuld der Angeklagten seriös zu widerlegen, lässt auf eine ganz eigenartige, beinahe perverse Binnenlogik im Denken dieser Frauenrechtler, schließen.

Wir sind uns nun also einig, dass es nicht haltbar wäre das Gerichtsurteil, bei dem Pardis F. und sein Mitstreiter von dem Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen wurden, aus der Position eines Rechtspopulisten, anzufechten. Ausgehend von den selben Umständen scheint es allerdings kein großes Problem zu sein, dasselbe aus der Position einer Feministin heraus zu tun?

Abschließen möchte ich mit der Erkenntnis, die uns der Fall Lohfink gelehrt hat.

Wir haben also gelernt: Man darf Ausländer pauschal verurteilen. Aber nur dann, wenn man es auf dem Boden eines feministischen Fundaments tut.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s