Marxismus und die Realität

Ich war ehrlich gesagt lange ebenfalls angetan von den Ideen Marx‚. Marx geht davon aus, dass sich die gesellschaftlichen Missstände immer weiter zuspitzen würden, die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander klafft, bis eines Tages das Proletariat die Waffen gegen die Minderheit erhebt, welche einen Großteil des Kapitals besitzt. Das würde dann in einer Art Bürgerkrieg in einer marxistisch idealisierten Revolution gipfeln, deren Folge der Umsturz des Systems wäre. So weit die Theorie.

Doch nun beobachte man die Praxis. In Deutschland bahnen sich durchaus bürgerkriegsähnliche Zustände an. Doch wer sind die Beteiligten? Religiöse Fanatisten und Nationalistisch gesinnte Kräfte (wie beispielsweise die HoGeSa), die einander aufs Schärfste zu bekämpfen bereit sind. Und offensichtlich beides Gruppen, deren ideologische Basis ihre Wurzeln im Proletariat hat.

Die Realität lehrt uns aktuell also: Marx lag ziemlich daneben, denn das Proletariat wird sich nicht etwa gegen die Burgeoisie auflehnen, sondern vielmehr gegen sich selbst. Und die Burgeoisie kann völlig beruhigt dabei zusehen wie sich Hooligans und Salafisten die Schädel einschlagen.

Vor Allem hat er den Menschen falsch eingeschätzt. Denn der Proletarier ist offensichtlich ein Wesen, das völlig zufrieden damit wenn seine grundlegendsten Bedürfnisse befriedigt werden, auch wenn er in einem ungerechten Gesundheitssystem beispielsweise niemals die vorzügliche Behandlung genießen wird wie ein Mitglied der Oberschicht. Oder dass ihm weitaus weniger Möglichkeiten im Hinblick auf die Bildung offen stehen, etc. pp. Mit all diesen Nachteilen scheint die breite Masse des Proletariats keinerlei Probleme zu haben. Im Gegenteil: der Proletarier lässt sich doch sogar dadurch unterhalten, dass er auf RTL dabei zusehen darf wie luxuriös die wohlhabenden Menschen ihr Leben gestalten. Er schaut dabei zu wie Fußballspieler mit Millionenverträgen spielen und gibt sogar freiwillig noch den letzten Rest seines zur Verfügung stehenden Gehaltes aus um auf diesen Vorzug nicht verzichten zu müssen. Und nach dem Spiel treffen sich dann die Proletarier, die gerade noch tatkräftig die millionenschweren Fußballvereine unterstützt haben mit anderen Proletariern um diese gewaltsam aus dem Land zu vertreiben.

Das ist die Realität und eigentlich so ziemlich das exakte Gegenteil von dem was ein Karl Marx sich vorgestellt hat. Und bei aller Liebe, aber wenn der klassische Marxismus schon so weit neben der Realität gelegen hat, dann kann ich auf den Neomarxismus auch verzichten.

Man mag als Gegenargument anbringen, dass auch Karl Marx nur ein Kind seiner Zeit war. Und dass im geschichtlichen Kontext der politischen Umstände, die die damalige Zeit prägten seine Theorien Grundstein für eine geniale Ideologie war. Die Gesellschaft war zu diesem Zeitpunkt zersplittert.

Aber Marx‚ Ideenkonstrukt basiert ja darauf, dass er den Fortgang der menschlichen Gesellschaft voraussagen wollte. Das was gerade passiert ist nicht nur nicht Teil seiner Prophezeiungen, sondern wie ich bereits dargelegt habe das exakte Gegenteil. Und wenn man einem Philosophen, dessen Theoriegebilde nicht unwesentlich darauf basiert dass er über den Fortgang der menschlichen Historie mutmaßt, attestieren muss dass er nicht wissen konnte wie die menschliche Gesellschaft sich entwickelt, dann kann man das doch getrost in die Tonne kloppen.

Ich weiß noch wie super es die Marx-Sympathisanten fanden als man feststellte, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinanderklafft, und wie weise ein Marx doch gewesen ist, da er all das vorausgeahnt hatte. Jetzt wo er hammerhart daneben liegt, heißt es er konnte es doch damals noch nicht wissen.

Ich bleibe dabei. Marx hat den Fehler gemacht den Menschen für ein rationales Wesen zu halten und hat darüber hinaus seine Rechnung ohne die Religionen und extremen Ideologien gemacht, bzw. den Menschen insofern falsch eingeschätzt als dass er davon ausging, dass der Mensch nicht so dumm ist sich durch offensichtliche Mittel (sprich Medien, Werbung) manipulieren zu lassen.

Ein Gedanke zu „Marxismus und die Realität

  1. Vorweg möchte ich um Entschuldigung bitten, daß mir eine (krude?!) Anmerkung zu Deinem Artikel, der mich angerührt hat, erst so spät aus der Feder fließt. Speziell meine ich den Satz: »Die Realität lehrt uns aktuell also: Marx lag ziemlich daneben, denn das Proletariat wird sich nicht etwa gegen die Burgeoisie auflehnen, sondern vielmehr gegen sich selbst.«

    Ich werde den Gedanken nicht loß, daß Marx – zu seiner (sicher doch) Zeit! – durchaus eine rationale Schlußfolgerung herausgearbeitet hat. Doch nicht nur die Proletarier lasen ihn (wahrscheinlich sogar selbst das viel zu wenig), sondern auch die Bourgeois. Haben sie die potentielle Gefahr (auch) gesehen und alles darangesetzt, sie abzuwenden, indem sie die gewissermaßen gesellschaftlichen Randbedingungen änderten, indem sie den Menschen zum Wolf des Menschen Proletarier (bzw. dessen modernen gesellschaftlichen Nachfolger) zum Wolf des Proletariers machten?

    Ist denn die Gesellschaft nicht viel dynamischer, als es sich Marx vorstellte, vorstellen konnte? Unterstellen seine Axiome nicht irgendwie „quasistationäre” Verhältnisse, bis dann mal (als absolute Ausnahme!) etwas Revolutionäres geschieht?
    Nein, ich will keine Lanze für Marx brechen, bin aber nicht überzeugt, daß das heute Anachrone in Marx‘ Ansichten vorrangig ihm, einem Kind seiner Zeit, anzulasten sei, sondern vielleicht doch der weitgehend unterbliebenen Adaption an die dynamische Gesellschaftsentwicklung…

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