Letting the cat out of the bag

So, meine lieben. Das ist ein Thema ganz nach meinem Geschmack!

Und es gibt wirklich nicht viele zuverlässige Quellen, die sich mit diesem Thema seriös auseinander setzen. Das sogenannte Pozzing bzw. Bugchasing (so scheint man das im angloamerikanischen Sprachraum zu nennen; Quelle: wikipedia) beschreibt ja den Prozess bei dem sich HIV-negative absichtlich mit HIV infizieren. Ich würde in dem hier beschriebenen Fall eher von Bareback sex sprechen.

Gangbang-Partys, bei denen kein Kondom angewandt wird, gibt es bei heterosexuellen Menschen jedoch auch. Die Partys werden meist AO-Sex-Partys (AO = alles ohne) genannt und ab und zu wird ein Schnelltest vor dem Gangbang angewandt, der aber keine sichere Aussage über eine Infektion erbringen kann. Bareback-Portale für heterosexuelle Männer, die Bareback-Sex (oder auch AO-Sex genannt) mit Prostituierten suchen, gibt es viele in Deutschland. Mittlerweile gibt es in vielen Erotikportalen auch die Funktion, nach AO-Sex zu suchen. [1]

Nachdem ich jetzt 2 Stunden nach einer möglichen Erklärung für dieses Phänomen gesucht habe, bin ich endlich auf ein ausgesprochen aufschlussreiches Werk getroffen. Francisco Fernandez, Pedro Ruiz – Psychiatric Aspects of HIV/AIDS

Das Buch gibts leider nur in Englisch, aber hier werden interessante Erklärungsansätze dargeboten, die ich hier nicht vorenthalten will, da ich es für eine absolut geniale Herleitung halte.

Es wäre jetzt zu umfangreich hier alle Textabschnitte, die sich mit der Psychopathologie der HIV-Infektion auseinandersetzen, hier zu posten. Allerdings ist besonders das Folgende ausgesprochen paradox und faszinierend. Es geht dabei primär um die Motivation von Frauen, die heterosexuellen Verkehr mit HIV-Positiven Männern haben. Und besonders verwirrend mag es für einen Laien dann noch erscheinen, dass die Triebfeder für dieses Handeln eine narzisstische Befriedigung sein soll, die diese Frauen daraus ziehen.

The highest transmission category for women does not relate to intravenous drug use or same-sex sexual activity, but to heterosexual sexual activity. Women with narcissistic spectrum pathology who have low self-esteem sometimes try to bolster this low sense of self by adopting a rescuing role with drug-abusing HIV-positive males, which gives them a sense of narcissistic gratification (by feeling like heroic martyrs) and is a response to an extremely rigid and self- deprecating ego ideal. These factors are proposed to make sense of those seronegative women who sustain relationships with HIV-infected partners, placing themselves at high risk. [2]

Und noch ein weiterer von Fernandez und Ruiz gelieferter Aspekt ist in meinen Augen eine überaus scharfsinnige Analyse der Psychologie der „Bugchaser“ (also diejenigen die sich dem Risiko einer Infektion aussetzen obwohl sie selbst noch nicht infiziert sind):

The HIV infected patient can play out the persecutor-victim object-relational dyads common to patients with borderline personality organization and those with histories of severe trauma. HIV-positive patients can also experience themselves as persecutor because they can infect others and subsequently feel guilty. The potential stigma around HIV is one more element in a persecutory environment perceived by patients with the object-relations of borderline personality organization. [2]

Das bedeutet also, dass durch diese Infektion eine gewisse Kontrolle erlangt wird, der bei der narzisstischen Persönlichkeit eine große Bedeutung zukommt. Denn mit einer HIV-Infektion hat man Macht über andere Menschen. Man kann anderen Menschen schaden, indem man sie mit HIV infiziert. Auf der anderen Seite hat man aber auch die Kontrolle über sein eigenes Wohl oder Unwohl. Also auch hier spielen dann wieder die narzisstischen Kontrollzwänge eine entscheidende Rolle.

Viel Spaß beim Nachdenken.


Quellen

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Barebacking#Bareback-Partys

[2] Francisco Fernandez, Pedro Ruiz. “Psychiatric Aspects of HIV/AIDS, 1st Edition.”

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