Feminismus? Fetischismus? Faschismus! – Der Tragödie zweiter Teil

Basierend auf dem vorangegangenen Artikel mit dem Titel „Feminismus? Fetischismus? Faschismus!“ möchte ich in diesem Beitrag auf die Fragen eingehen, die bislang noch unbeantwortet geblieben waren.

In dem Beitrag hatte ich über eine feministische – so zumindest bezeichnet sie sich selbst – Bloggerin berichtet, die ganz augenscheinlich wenig davon hält bei der Formulierung ihrer – hirnrissigen – gesellschaftsphilosophischen Thesen die Kapazitäten ihres Gehirns vollumfänglich auszuschöpfen.

Um Ihnen noch einmal einen Überblick über die – bis dato – behandelten Inhalte zu geben, hat unsere Medienredaktion eine Zusammenfassung in Form eines Videos zusammengestellt, in der Sie sich die ganze Dramatik, die mit diesem Thema vergesellschaftet ist, zu Gemüte führen können.

Um nun aber zum Wesentlichen zu kommen, greife ich noch einmal die Fragen auf, deren Beantwortung ich Ihnen – werter Leser – zuletzt noch schuldig geblieben war.

  1. Gibt es diese Verbindung zwischen Feminismus und radikalen/extremen ideologischen Konzepten (z.B. Rassismus, Sozialdarwinismus, Misandrie) tatsächlich?
  2. Und wenn ja: welche Ursachen stecken dahinter?

Ich gebe zu: so ein tumblr Blog ist nun für sich genommen eigentlich noch kein Anlass um wirklich ernsthafte Bedenken hinsichtlich einer menschenverachtenden Radikalisierung des Feminismus zu entwickeln. Normalerweise würde ich einem solchen Produkt fehlgeschalteter Synapsen – wie es der pseudo-wissenschaftlich eugenische Denkansatz der zitierten Bloggerin darstellt – auch keinerlei Bedeutung zukommen lassen. Hätte es da nicht den Fall Aurora Rodríguez gegeben.

Konkret handelt es sich dabei um einen längst in Vergessenheit geratenen Mordprozess gegen eben jene Auroa Rodríguez. Ich werde auf die wesentlichen Kernaspekte, die im Zusammenhang mit diesem Prozess von Bedeutung sind, noch genauer eingehen. Was ich vorweg allerdings erwähnen will: Aurora Rodríguez ermordete nicht irgendwen. Sondern ihre eigene Tochter, Hildegart Rodríguez. Nun wird sich der geneigte Leser aber natürlich noch immer die Frage stellen, was das alles jetzt mit Feminismus zu tun haben soll.

Ich möchte Ihnen zur Einführung in die tiefergehende Auseinandersetzung mit diesem Thema daher zunächst den – in meinen Augen – überaus interessanten Trailer eines relativ unbekannten Filmprojektes mit dem Titel „Hildegart oder Projekt: Superwoman“ aus dem Jahre 2016 ans Herz legen.

So. Nun habe ich Ihnen – werter Leser – allerdings genug diffuse, bisweilen gar zusammenhanglos anmutende Informationen dargeboten. Um an dieser Stelle einmal eine gewisse Zäsur zu machen, komme ich jetzt zum konkreten Punkt.

Und zwar handelt es sich bei dem Fall, auf den ich bereits zuvor hingewiesen hatte, um ein historisches Fallbeispiel – datiert auf das Jahr 1933 – für eine spezielle Art der weiblichen Perversion, auf das ich erstmals im Rahmen meiner Studien auf dem Feld der Sexualmedizin, aufmerksam wurde. Dieses behandelt die Geschichte der Spanierin Aurora Rodríguez.

Diese beginnt mit dem Tode ihrer Mutter, welcher sich zutrug als Aurora gerade in der Pubertät ist. Tatsächlich empfindet sie das Ableben ihrer Mutter weniger als Trauma, sondern – so zumindest wird es im Werk „Sexualmedizin – Beier, Bosinski, Loewit“ geschildert – vielmehr als Befreiung. Als Aurora 18 Jahre alt ist verstirbt auch der Vater. Aurora – nun auf sich alleine gestellt – geht ihren Weg, und bewerkstelligt es bis zu ihrem 23. Lebensjahr finanziell stabil auf eigenen Beinen zu stehen. Neben ihrer finanziellen Unabhängigkeit strebt Aurora auch nach ideologischer Entwicklung, und arbeitet sich durch den intellektuellen Dschungel zeitgenössischen Materials mit Hauptaugenmerk auf feministische Gesellschaftstheorien. Im Zuge dieser gesellschaftswissenschaftlichen Horizonterweiterung entwickelt sie auch ihr eigenes Weltbild und wird unterdessen zu einer überzeugten Feministin. Zu analysieren ist diese Entwicklung vor dem kulturhistorischen Hintergrund der spanischen Gesellschaft und der Rolle der Frau innerhalb derselben, während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Um dieses in aller Kürze auf einige wenige Worte herunter zu brechen: Von Gleichberechtigung – keine Spur. Geprägt von den erzkonservativen Paradigmen der katholischen Kirche, beschränkte sich der gesellschaftliche Radius, welcher der einfachen Frau zugewiesen war, auf die Erledigung häuslicher Arbeiten und wurde bestenfalls durch den alltäglichen Kirchengang für einen begrenzten Zeitraum durchbrochen. Insbesondere in den niedrigeren sozialen Schichten konnten viele Familien ihren Unterhalt des weiteren nur dadurch bestreiten, dass die Hausfrauen neben ihrer Arbeit in den heimischen vier Wänden sich zusätzlich in Manufakturen (z.B. der Textilindustrie) oder als Dienstmädchen wohlhabenderer Haushalte betätigten, um ihr Einkommen aufzubessern. Natürlich nicht weil sie daran Spaß hatten, sondern vielmehr weil die Not dazu zwang.

Als dann 1936 ein Militärputsch, unter der Führung des autoritär geprägten Agitators Francisco Franco das Ende der sogenannten 2. Republik – so bezeichnet man jene politische Epoche, in der die, im vorangegangenen Absatz skizzierten, sozialen Zustände das Bild der spanischen Gesellschaft prägten – einleitete, lag eine, alle ideologische und gesellschaftliche Lager durchziehende, Hoffnung auf politischen Umbruch in der Luft. Zwar erlangte in der Folge des Militärputsches mit Franco ein autoritär-konservativ veranlagter Diktator, die alleinige politische Macht in Spanien. Doch innerhalb der spanischen Bevölkerung kristallisierten sich im gleichen Zug auch antagonistische, antifaschistische bzw. sozialistische Interessensgemeinschaften heraus, die gegen die Franco-Diktatur kämpften. Nicht zuletzt war es ja auch dieser Konflikt, der letztlich in den Ausbruch des spanischen Bürgerkrieges mündete.

Die Ideologien, die sich im Zusammenhand dieses Bürgerkrieges entwickelten waren es dann auch, die einen militanten, sozialistischen Feminismus hervorbrachten. Aus den sozialistischen Gruppierungen gingen zahlreiche Frauenorganisationen hervor. In den spanischen Großstädten beteiligten sich junge feministische Sozialistinnen – die sogenannten „milicianas“ – aktiv an bewaffneten Straßenkämpfen.

Vor dem Hintergrund dieser politischen Zeitumstände, ist auch – um wieder zum Leitgedanken des Artikels zurück zu kehren – der ideologische Selbstfindungsprozess der jungen Aurora Rodríguez zu betrachten. Denn auch sie entwickelte sich – wenn auch schon gut 20 Jahre vor der Machtergreifung Francos – zu einer radikalen Feministin.

Getrieben von dem Wunsch, das weibliche Rollenverständnis von einer unmündigen Haushaltshilfe, Gebärmaschine oder des sexuellen „Gebrauchsgegenstandes“, zu revolutionieren, propagierte Aurora Rodréguez die Vision von einer Gesellschaft, in der der Frau eine Bedeutung als – sowohl intellektuell als auch hierarchisch – privilegiertem, herrschenden Überwesen zukommen sollte, während sich die Funktion des Mannes auf diejenige des physiologischen Samenspenders beschränken sollte. Frauen sollten – ihren Überlegungen entsprechend – aus dem Pool dieser „Samenspender“ dann diejenigen, die das beste Erbmaterial bereitstellten, für die Zucht ihrer Nachkommen heraus selektieren. Man kann ihre Vorstellungen also zusammenfassend folgendermaßen beschreiben: Während männliche Nachkommen zu unterwürfigen, unmündigen Samenspendern erzogen werden, sollte den weiblichen von Anfang an eine elitäre kulturelle sowie intellektuelle Förderung zukommen, um ein matriachal organisiertes System, welches durch eine weibliche Herrschaftselite angeführt wird, aufrecht zu erhalten.

Genau diese Theorie setzte Aurora dann auch in die Praxis um. In einer Zeitung inserierte sie die Suche nach einem „physiologischen Mitarbeiter“ – so nannte sie den Mann, der als Zeuger ihrer Tochter fungieren sollte – für ihr „Projekt“. Und sie wurde fündig. Und schwanger.

Ihre Tochter – Hildegart Rodríguez – wurde zu ihrem „Meisterwerk“. Aurora ignorierte alles das, was gemeinhin über die Erziehung eines Kindes als „richtig“ angesehen wurde. Vom ersten Tag ihres Lebens an wurde Hildegart zu einer „Überfrau“ erzogen. Als Hildegart drei Jahre alt ist erwirbt sie ein Zertifikat über Maschinenschreibkenntnisse. Sie wird eingeschult bevor sie das fünfte Lebensjahr vollendet. Überspringt einige Klassen. Mit acht Jahren beherrscht Aurora 6 Sprachen. Mit 13 Jahren beginnt sie ein Jurastudium und fängt an politische Artikel für sozialistische Zeitungen zu verfassen. Als Teenager wird sie die Anführerin der Sozialistischen Arbeiterpartei. Noch bevor sie volljährig ist, doziert sie Philosophie an Universitäten, verfasst bedeutende politische Schriften, in denen sie sich mit Themen wie Marxismus, Feminismus und der sexuellen Revolution auseinandersetzt.

Insbesondere ihre Überlegungen bezüglich der sexuellen Reformierung führten dazu, dass sie mit dem angesehnen, britischen Sexualforscher Havelock Ellis in Kontakt tritt, mit dem sie ebenso im Schriftverkehr stand wie auch vielen weiteren bekannten Persönlichkeiten der europäischen Bildungselite. Unter diesen befand sich auch der britische Autor, Herbert George Wells, welcher Hildegart während eines Besuches in Madrid, wo sie gemeinsam mit ihrer Mutter lebte, das Angebot unterbreitete ihn nach London zu begleiten um dort als seine Sekretärin zu arbeiten. Sie lehnte ab.

Diese Offerte Wells‘, Hildegart nach London zu holen, basierte auf seiner Intention, der jungen Frau die Möglichkeit zu verschaffen, ihren eigenen, unabhängigen Weg einzuschlagen. Denn in der Folge des Schrifverkehrs, den er mit Hildegart gepflegt hatte, hatte er erkannt, dass das heranwachsende Mädchen unter dem massivem Einfluss der Mutter, in seiner individuellen Entwicklung erheblich eingeschränkt wurde.

Mit zunehmendem Alter wurde dieser Umstand letztlich auch Hildegart immer mehr bewusst. Auf der Grundlage dieser Erkenntnis erwächst schließlich in ihr der Wunsch, sich von der Macht, über die ihre Mutter seit ihrer Kindheit, verfügt hatte, allmählich los zu lösen. Sie beginnt, ihre Kleidung und ihren Schmuck selbst auszusuchen. Sie schließt eigene Freundschaften, fängt an immer mehr Zeit mit Menschen zu verbringen, die ihr sympathisch sind und findet zuletzt auch ihre erste große Liebe.

Vor Gericht wird Aurora Rodríguez später aussagen: „Fremde nahmen Besitz von meiner Tochter“.  Der zunehmende Kontroll- und damit einhergehende Machtverlust, der aus den Unabhängigkeitsbemühungen ihrer Tochter resultierte, entwickelt sich immer mehr zu einem Konflikt. Aurora, deren gesamtes Leben seit der Geburt ihrer Tochter ausschließlich der Schöpfung ihres „großen Werkes“, wie sie Hildegart im Rahmen des Prozesses bezeichnen wird, widmete, litt zusehends unter der paranoiden Wahnvorstellung, man würde ihr ihre Tochter wegnehmen wollen.

In der Nacht vor der geplanten Abreise Hildegarts, die sich inzwischen dazu entschlossen hatte, in London bei dem bekannten Sexualwissenschaftler Havelock Ellis zu studieren, wird sie im Schlaf von ihrer Mutter ermordet. Vier Kugeln beenden das Leben der jungen Frau. Drei in den Kopf. Eine ins Herz.

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