Reise in d(e)i(n)e Vergangenheit

Eine der zentralen Fragen, die die Menschheit seit jeher beschäftigt ist die nach der (Un)möglichkeit von Zeitreisen. Ist es realistisch, in der Zeit vor oder zurück zu reisen? Wird es bald die Möglichkeit geben, ins Jahr 1933 zurück zu reisen und Adolf Hitler nachträglich umzubringen? Kann ich den unangenehmen Besuch bei den Schwiegereltern am Wochenende umgehen, indem ich einfach die Zeit um 3 Tage vor drehe?

Natürlich nicht.

So wie es sich verschiedene Drehbuchautoren in diversen Filmen vorstellen (z.B. Zurück in die Zukunft, Looper etc.) wird es natürlich niemals möglich sein. Hierzu möchte ich auf das von Stephen Hawking durchgeführte Experiment zum Thema Zeitreisen hinweisen, das der eindeutige Gegenbeweis für Zeitreisen, wie ich sie gerade beschrieben habe, ist und das auf gar keinen Fall hanebüchen ist.
Bei dem im Jahr 2009 durchgeführten Versuch lud Stephen Hawking zu einer Party ein, nachdem diese Party stattgefunden hatte. Er organisierte also einen Raum, stellte Getränke und ein Buffet bereit, wartete auf Gäste – die natürlich nicht kamen – und lud erst hinterher mit einer öffentlichen Einladung zu der besagten Party ein. Das Ausbleiben der Gäste war für Hawking der eindeutige Gegenbeweis für Zeitreisen, denn wäre es irgendwann in ferner Zukunft möglich, in die Vergangenheit zu reisen, so hätten die Menschen in dieser fernen Zukunft seine auf Papier für die Ewigkeit verfasste Einladung finden, in der Zeit zurück reisen und seine Party stürmen müssen.
Was Hawking bei seinem kleinen Experiment natürlich nicht bedacht hatte, war, dass natürlich niemand, der in Zukunft die Möglichkeit haben wird in die Vergangenheit zu reisen, zu einer Party mit Stephen Hawking reisen würde. Ich wäre wahrscheinlich nicht einmal hin gegangen, wenn ich die Einladung vor der Party erhalten hätte.

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Stephen Hawking – traurig, weil niemand auf seine Parties kommt
Quelle: media.news.de

Wenn über Zeitreisen gesprochen wird, ist es oftmals eine Definitionssache des Begriffes Zeitreise, ob man zu dem Entschluss kommt, dass diese einmal möglich sein werden oder vielleicht sogar bereits sind:

Zeitreisen sind nicht nur möglich, sie haben sogar schon stattgefunden […]. Den bisherigen Rekord hält der Raumfahrer Sergei Konstantinowitsch Krikaljow. Im Verlauf seiner Karriere hat der russische Kosmonaut 803 Tage im Weltraum verbracht. Wie Einstein bewies, vergeht die Zeit für Objekte in Ruhe schneller als für solche, die sich relativ dazu in Bewegung befinden. An Bord der Raumstation Mir raste Krikaljow mit 27 000 Kilometern pro Stunde um die Erde. Insgesamt ist der Kosmonaut dadurch weniger gealtert als seine am Boden gebliebenen Mitmenschen – und zwar den 48. Teil einer Sekunde. Anders ausgedrückt ist Krikaljow also eine 48stel Sekunde in die Zukunft gereist.

Quelle: Spektrum.de

Also muss man, um den Besuch bei den Schwiegereltern am Wochenende zu umgehen, einfach 27.371.520 Jahre im Weltall verbringen. Perfekt!

Es ist wohl offensichtlich, dass Zeitreisen „möglich“ sind, jedoch möchte ich nicht auf solche Haarspaltereien eingehen, sondern mich mit einer etwas realistischeren Möglichkeit von Zeitreisen befassen (zumindest kommt es einer tatsächlichen Zeitreise in die Vergangenheit sehr nahe).

In Zeiten von Virtual Reality ist es durchaus jetzt schon möglich, an andere Orte zu reisen und sich zumindest ein wenig so zu fühlen, als wäre man dort. Zwar beschränkt sich dieses Erlebnis derzeit noch auf rein visuelle und auditive Erfahrungen, allerdings ist diese Technologie auch noch sehr jung und das Potenzial ist gigantisch. Für eine solche „Reise durch den Raum“ (sagen wir mal jemand möchte auf dem Empire State Building stehen) muss man nur mit einer Kamera an eben jenem Ort eine 360°-Fotografie machen und die Datei dem Empfänger (der sich irgendwo auf der Welt befinden kann) zur Verfügung stellen. Dieser setzt sich seine Brille auf, öffnet die Datei und schon denkt sein visuelles System, dass er jetzt im Moment auf dem Empire State Building steht. Zwar kann man sich bewusst machen, dass man natürlich immer noch in seinem Sessel im Wohnzimmer sitzt, eine überwältigende Erfahrung ist es aber allemal.

Das alles ist heute schon möglich und dürfte den meisten schon mal in Form eines in einen Pappkarton eingespannten Smartphones vorgeführt worden sein. Wer aber schon mal eine „richtige“ VR-Brille von einem namhaften Hersteller auf dem Kopf hatte, vielleicht sogar in Verbindung mit Dolby-Surround Kopfhörern und einem hochauflösenden virtuellen Raum, der eigens für die Brille programmiert wurde, weiß wovon ich spreche, wenn ich sage, dass man sich in dieser virtuellen Welt verlieren kann – und das in dieser jungen Phase der Technologie. Weiterhin ist anzumerken, dass die Forschung im Virtual-Reality Bereich in vollem Gange ist. Theoretisch ist es heute schon möglich, den Geschmacks-, Geruchs- und Tastsinn virtuell anzusprechen, jedoch sind diese Erfahrungen noch weit von einem realitätsnahen Erlebnis entfernt.

Wenn man bedenkt, wie schnell sich aktuell Technologien weiterentwickeln und an wie vielen Standorten gleichzeitig geforscht wird, ist es nicht unrealistisch, dass bald eine sehr realitätsnahe virtuelle Erfahrung möglich sein wird. Zwar kann man sich aktuell noch schwer vorstellen, wie genau das aussehen wird, jedoch hätte man es vor 50 Jahren wahrscheinlich auch nicht für möglich gehalten, mit Hilfe eines Zigarettenschachtel-großen Gerätes in wenigen Sekunden Nachrichten, Bilder und sogar Videoaufnahmen um die Welt zu schicken.

Doch wie soll nun in Zukunft die vorhin erwähnte Zeitreise vonstatten gehen?

Dazu muss erst einmal gegeben sein, dass alles was passiert in Form von Video- und Tonaufnahmen (bzw. weiteren Erfassungen von Bewegung, Geruch etc., die heute noch nicht möglich sind) dokumentiert wird. Das könnte beispielsweise mit Hilfe einer 360°-Kamera auf dem Kopf eines jeden Menschen stattfinden. Diese Kamera steht als Sinnbild für eine viel weiter entwickelte Technologie zur Erfassung der Realität und soll dem Leser lediglich die grundsätzliche Idee näher bringen.

Also angenommen alles was passiert (und wo ein Mensch anwesend ist), wird z.B. in Form eines 360°-Videos festgehalten und auf einem riesigen Server bereitgestellt. Dann ist es auch möglich, an jeden beliebigen Zeitpunkt in der Vergangenheit zu reisen und in der VR-Brille alles Geschehene aus jeder möglichen Perspektive zu erleben. Man könnte die aufgezeichneten Momente nicht nur aus seiner eigenen Perspektive, sondern aus vielen verschiedenen Blickwinkeln betrachten und hätte eine immer abrufbare, unverfälschte Erinnerung. Natürlich kann man die Vergangenheit nicht beeinflussen und auch nicht interagieren aber zumindest wäre das eine realistische Möglichkeit, die Vergangenheit als stiller Beobachter zu erleben. Mir würde spontan eine Vielzahl an Situationen aus meinem Privatleben einfallen, die ich gerne noch einmal erleben würde. Aber auch andere geschichtsträchtige Momente würde ich gerne in der virtuellen Realität einmal selbst erfahren. Diese Form der „Zeitreise“ wird – mit einigen Einschränkungen und wahrscheinlich auch nicht in der hier beschriebenen Form – in wenigen Jahren zumindest theoretisch möglich sein und bietet meiner Meinung nach eine zufriedenstellende Möglichkeit, Vergangenes in die Gegenwart zu holen.

Die praktische Umsetzung wird aus verschiedensten Gründen – zumindest bei der heutigen Gesetzgebung – natürlich nicht uneingeschränkt möglich sein, da ein solches System ein nicht hinnehmbarer Einschnitt in die Privatsphäre der Menschheit wäre, jedoch gibt es bereits eine Vielzahl an dystopischer Literatur, die ähnliche Szenarien schildern, in denen dies durchaus möglich wäre.

In dem Zusammenhang möchte ich auf eine meiner Lieblingsserien hinweisen, die verschiedene dystopische (und durchaus realistische) Zukunftsszenarien auf unglaublich spannende Weise darstellt: Black Mirror
Passend zu dem hier vorgestellten Thema ist hierbei die Folge The Entire History of You zu empfehlen.

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