AfD: Warum tut sie sich beim Thema Rente so schwer?

Mein folgender Beitrag beinhaltet einige Gedanken, die ich mir im Rahmen einer Diskussion auf der Facebook Seite der Partei „AfD“, gemacht habe. Bevor ich allerdings zum Inhalt meiner Überlegungen voranschreite, möchte ich ausdrücklich erwähnen dass es sich dabei lediglich um grundsätzliche Ideen handelt, die ausschließlich auf logischen Schlussfolgerungen meines unvoreingenommenen Verstandes beruhen. Wobei „unvoreingenommen“ in diesem Kontext vor Allem bedeuten soll, dass sie unabhängig von jeglicher empirischen bzw. statistischen Evidenzgrundlage entstanden sind.

 

Die Frage, um die es geht dürfte eine Frage sein, die sich wahrscheinlich viele Beobachter der Deutschen Politik stellen. Insbesondere wohl diejenigen, die bei der letzten Bundestagswahl der AfD mit ihrer Stimme einen Vertrauensvorschuss gegeben haben – in der Hoffnung damit einen Paradigmenwechsel in der Bundestagspolitik zu unterstützen. Weg von der kraftlosen Einheitslethargie. Hin zur volksnahen Interessenvertretung des Deutschen Volkes.

 

Warum hat die AfD noch keine Antwort auf die Renten-Problematik, deren mögliche Konsequenzen uns in Form von drohender Altersarmut bis hin zum Zusammenbruch unseres Gesellschaftssystems des Sozialstaates, zunehmend beunruhigen?

 


Ich glaube es gibt einen ganz einfachen Grund dafür, weshalb die AfD insbesondere für diese Problematik keine Lösung anzubieten hat.

Dieser Grund besteht darin, dass eine Einwanderung junger leistungsfähiger Männer mit geringem Lohnniveau notwendig ist um die Folgen des Demographischen Strukturwandels in unserer Bevölkerung abzufangen.

Wenn Du die Frage nach der Rente stellst, dann musst Du im selben Zuge auch fragen: Woher kommt das Geld für die Renten?

Es dürfte für die wenigsten etwas Neues sein, wenn ich Euch sage dass das Gleichgewicht der Altersverteilung (Jung/Alt) in der deutschen Bevölkerung stark Richtung „alt“ umgekippt ist. Ergo reicht die Produktivität bzw. Erwerbskraft der jüngeren Generationen nicht mehr aus um die Lebenshaltungskosten (bzw. die Rentenansprüche) der älteren Generationen zu decken.

Und da wir in Deutschland die technologischen Entwicklungen der letzten 20 Jahre (Stichwort: Digitalisierung) verpennt haben, können wir aus eigener Kraft jetzt auch nicht das Know-How vorweisen, das man bräuchte um die Tätigkeiten in der industriellen Fertigung von Robotern bzw. Künstlicher Intelligenz ausführen zu lassen. Das liegt schlicht und ergreifend daran, dass unsere Unternehmen nicht die erforderliche Innovationskraft haben (das gilt im Übrigen ebenso auch für die von den AfD-Abgeordneten angepriesenen deutschen Automobilhersteller).

In diesem Zusammenhang erkläre ich mir auch die Tatsache, dass die Einwanderer in unsere Wirtschaft zu weiten Teilen aus jungen Männern bestehen (möglichst hohe körperliche Leistungsfähigkeit → maximale Produktivität).

Ich möchte an dieser Stelle keinesfalls Anspruch auf absolute Wahrheit dieser Zusammenhänge erheben.

In meinen Augen lassen sich die unterschiedlichen Beobachtungen, die wir alle vermutlich gemacht haben, allerdings durchaus mit einer gewissen Logik zu einem Gesamtbild zusammensetzen.

Über Feedback und gegensätzliche Standpunkte würde ich mich sehr freuen. 🙂

Mit freundlichen Grüßen,
Alexander Körbel

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Reise in d(e)i(n)e Vergangenheit

Eine der zentralen Fragen, die die Menschheit seit jeher beschäftigt ist die nach der (Un)möglichkeit von Zeitreisen. Ist es realistisch, in der Zeit vor oder zurück zu reisen? Wird es bald die Möglichkeit geben, ins Jahr 1933 zurück zu reisen und Adolf Hitler nachträglich umzubringen? Kann ich den unangenehmen Besuch bei den Schwiegereltern am Wochenende umgehen, indem ich einfach die Zeit um 3 Tage vor drehe?

Natürlich nicht.

So wie es sich verschiedene Drehbuchautoren in diversen Filmen vorstellen (z.B. Zurück in die Zukunft, Looper etc.) wird es natürlich niemals möglich sein. Hierzu möchte ich auf das von Stephen Hawking durchgeführte Experiment zum Thema Zeitreisen hinweisen, das der eindeutige Gegenbeweis für Zeitreisen, wie ich sie gerade beschrieben habe, ist und das auf gar keinen Fall hanebüchen ist.
Bei dem im Jahr 2009 durchgeführten Versuch lud Stephen Hawking zu einer Party ein, nachdem diese Party stattgefunden hatte. Er organisierte also einen Raum, stellte Getränke und ein Buffet bereit, wartete auf Gäste – die natürlich nicht kamen – und lud erst hinterher mit einer öffentlichen Einladung zu der besagten Party ein. Das Ausbleiben der Gäste war für Hawking der eindeutige Gegenbeweis für Zeitreisen, denn wäre es irgendwann in ferner Zukunft möglich, in die Vergangenheit zu reisen, so hätten die Menschen in dieser fernen Zukunft seine auf Papier für die Ewigkeit verfasste Einladung finden, in der Zeit zurück reisen und seine Party stürmen müssen.
Was Hawking bei seinem kleinen Experiment natürlich nicht bedacht hatte, war, dass natürlich niemand, der in Zukunft die Möglichkeit haben wird in die Vergangenheit zu reisen, zu einer Party mit Stephen Hawking reisen würde. Ich wäre wahrscheinlich nicht einmal hin gegangen, wenn ich die Einladung vor der Party erhalten hätte.

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Stephen Hawking – traurig, weil niemand auf seine Parties kommt
Quelle: media.news.de

Wenn über Zeitreisen gesprochen wird, ist es oftmals eine Definitionssache des Begriffes Zeitreise, ob man zu dem Entschluss kommt, dass diese einmal möglich sein werden oder vielleicht sogar bereits sind:

Zeitreisen sind nicht nur möglich, sie haben sogar schon stattgefunden […]. Den bisherigen Rekord hält der Raumfahrer Sergei Konstantinowitsch Krikaljow. Im Verlauf seiner Karriere hat der russische Kosmonaut 803 Tage im Weltraum verbracht. Wie Einstein bewies, vergeht die Zeit für Objekte in Ruhe schneller als für solche, die sich relativ dazu in Bewegung befinden. An Bord der Raumstation Mir raste Krikaljow mit 27 000 Kilometern pro Stunde um die Erde. Insgesamt ist der Kosmonaut dadurch weniger gealtert als seine am Boden gebliebenen Mitmenschen – und zwar den 48. Teil einer Sekunde. Anders ausgedrückt ist Krikaljow also eine 48stel Sekunde in die Zukunft gereist.

Quelle: Spektrum.de

Also muss man, um den Besuch bei den Schwiegereltern am Wochenende zu umgehen, einfach 27.371.520 Jahre im Weltall verbringen. Perfekt!

Es ist wohl offensichtlich, dass Zeitreisen „möglich“ sind, jedoch möchte ich nicht auf solche Haarspaltereien eingehen, sondern mich mit einer etwas realistischeren Möglichkeit von Zeitreisen befassen (zumindest kommt es einer tatsächlichen Zeitreise in die Vergangenheit sehr nahe).

In Zeiten von Virtual Reality ist es durchaus jetzt schon möglich, an andere Orte zu reisen und sich zumindest ein wenig so zu fühlen, als wäre man dort. Zwar beschränkt sich dieses Erlebnis derzeit noch auf rein visuelle und auditive Erfahrungen, allerdings ist diese Technologie auch noch sehr jung und das Potenzial ist gigantisch. Für eine solche „Reise durch den Raum“ (sagen wir mal jemand möchte auf dem Empire State Building stehen) muss man nur mit einer Kamera an eben jenem Ort eine 360°-Fotografie machen und die Datei dem Empfänger (der sich irgendwo auf der Welt befinden kann) zur Verfügung stellen. Dieser setzt sich seine Brille auf, öffnet die Datei und schon denkt sein visuelles System, dass er jetzt im Moment auf dem Empire State Building steht. Zwar kann man sich bewusst machen, dass man natürlich immer noch in seinem Sessel im Wohnzimmer sitzt, eine überwältigende Erfahrung ist es aber allemal.

Das alles ist heute schon möglich und dürfte den meisten schon mal in Form eines in einen Pappkarton eingespannten Smartphones vorgeführt worden sein. Wer aber schon mal eine „richtige“ VR-Brille von einem namhaften Hersteller auf dem Kopf hatte, vielleicht sogar in Verbindung mit Dolby-Surround Kopfhörern und einem hochauflösenden virtuellen Raum, der eigens für die Brille programmiert wurde, weiß wovon ich spreche, wenn ich sage, dass man sich in dieser virtuellen Welt verlieren kann – und das in dieser jungen Phase der Technologie. Weiterhin ist anzumerken, dass die Forschung im Virtual-Reality Bereich in vollem Gange ist. Theoretisch ist es heute schon möglich, den Geschmacks-, Geruchs- und Tastsinn virtuell anzusprechen, jedoch sind diese Erfahrungen noch weit von einem realitätsnahen Erlebnis entfernt.

Wenn man bedenkt, wie schnell sich aktuell Technologien weiterentwickeln und an wie vielen Standorten gleichzeitig geforscht wird, ist es nicht unrealistisch, dass bald eine sehr realitätsnahe virtuelle Erfahrung möglich sein wird. Zwar kann man sich aktuell noch schwer vorstellen, wie genau das aussehen wird, jedoch hätte man es vor 50 Jahren wahrscheinlich auch nicht für möglich gehalten, mit Hilfe eines Zigarettenschachtel-großen Gerätes in wenigen Sekunden Nachrichten, Bilder und sogar Videoaufnahmen um die Welt zu schicken.

Doch wie soll nun in Zukunft die vorhin erwähnte Zeitreise vonstatten gehen?

Dazu muss erst einmal gegeben sein, dass alles was passiert in Form von Video- und Tonaufnahmen (bzw. weiteren Erfassungen von Bewegung, Geruch etc., die heute noch nicht möglich sind) dokumentiert wird. Das könnte beispielsweise mit Hilfe einer 360°-Kamera auf dem Kopf eines jeden Menschen stattfinden. Diese Kamera steht als Sinnbild für eine viel weiter entwickelte Technologie zur Erfassung der Realität und soll dem Leser lediglich die grundsätzliche Idee näher bringen.

Also angenommen alles was passiert (und wo ein Mensch anwesend ist), wird z.B. in Form eines 360°-Videos festgehalten und auf einem riesigen Server bereitgestellt. Dann ist es auch möglich, an jeden beliebigen Zeitpunkt in der Vergangenheit zu reisen und in der VR-Brille alles Geschehene aus jeder möglichen Perspektive zu erleben. Man könnte die aufgezeichneten Momente nicht nur aus seiner eigenen Perspektive, sondern aus vielen verschiedenen Blickwinkeln betrachten und hätte eine immer abrufbare, unverfälschte Erinnerung. Natürlich kann man die Vergangenheit nicht beeinflussen und auch nicht interagieren aber zumindest wäre das eine realistische Möglichkeit, die Vergangenheit als stiller Beobachter zu erleben. Mir würde spontan eine Vielzahl an Situationen aus meinem Privatleben einfallen, die ich gerne noch einmal erleben würde. Aber auch andere geschichtsträchtige Momente würde ich gerne in der virtuellen Realität einmal selbst erfahren. Diese Form der „Zeitreise“ wird – mit einigen Einschränkungen und wahrscheinlich auch nicht in der hier beschriebenen Form – in wenigen Jahren zumindest theoretisch möglich sein und bietet meiner Meinung nach eine zufriedenstellende Möglichkeit, Vergangenes in die Gegenwart zu holen.

Die praktische Umsetzung wird aus verschiedensten Gründen – zumindest bei der heutigen Gesetzgebung – natürlich nicht uneingeschränkt möglich sein, da ein solches System ein nicht hinnehmbarer Einschnitt in die Privatsphäre der Menschheit wäre, jedoch gibt es bereits eine Vielzahl an dystopischer Literatur, die ähnliche Szenarien schildern, in denen dies durchaus möglich wäre.

In dem Zusammenhang möchte ich auf eine meiner Lieblingsserien hinweisen, die verschiedene dystopische (und durchaus realistische) Zukunftsszenarien auf unglaublich spannende Weise darstellt: Black Mirror
Passend zu dem hier vorgestellten Thema ist hierbei die Folge The Entire History of You zu empfehlen.

Letting the cat out of the bag

So, meine lieben. Das ist ein Thema ganz nach meinem Geschmack!

Und es gibt wirklich nicht viele zuverlässige Quellen, die sich mit diesem Thema seriös auseinander setzen. Das sogenannte Pozzing bzw. Bugchasing (so scheint man das im angloamerikanischen Sprachraum zu nennen; Quelle: wikipedia) beschreibt ja den Prozess bei dem sich HIV-negative absichtlich mit HIV infizieren. Ich würde in dem hier beschriebenen Fall eher von Bareback sex sprechen.

Gangbang-Partys, bei denen kein Kondom angewandt wird, gibt es bei heterosexuellen Menschen jedoch auch. Die Partys werden meist AO-Sex-Partys (AO = alles ohne) genannt und ab und zu wird ein Schnelltest vor dem Gangbang angewandt, der aber keine sichere Aussage über eine Infektion erbringen kann. Bareback-Portale für heterosexuelle Männer, die Bareback-Sex (oder auch AO-Sex genannt) mit Prostituierten suchen, gibt es viele in Deutschland. Mittlerweile gibt es in vielen Erotikportalen auch die Funktion, nach AO-Sex zu suchen. [1]

Nachdem ich jetzt 2 Stunden nach einer möglichen Erklärung für dieses Phänomen gesucht habe, bin ich endlich auf ein ausgesprochen aufschlussreiches Werk getroffen. Francisco Fernandez, Pedro Ruiz – Psychiatric Aspects of HIV/AIDS

Das Buch gibts leider nur in Englisch, aber hier werden interessante Erklärungsansätze dargeboten, die ich hier nicht vorenthalten will, da ich es für eine absolut geniale Herleitung halte.

Es wäre jetzt zu umfangreich hier alle Textabschnitte, die sich mit der Psychopathologie der HIV-Infektion auseinandersetzen, hier zu posten. Allerdings ist besonders das Folgende ausgesprochen paradox und faszinierend. Es geht dabei primär um die Motivation von Frauen, die heterosexuellen Verkehr mit HIV-Positiven Männern haben. Und besonders verwirrend mag es für einen Laien dann noch erscheinen, dass die Triebfeder für dieses Handeln eine narzisstische Befriedigung sein soll, die diese Frauen daraus ziehen.

The highest transmission category for women does not relate to intravenous drug use or same-sex sexual activity, but to heterosexual sexual activity. Women with narcissistic spectrum pathology who have low self-esteem sometimes try to bolster this low sense of self by adopting a rescuing role with drug-abusing HIV-positive males, which gives them a sense of narcissistic gratification (by feeling like heroic martyrs) and is a response to an extremely rigid and self- deprecating ego ideal. These factors are proposed to make sense of those seronegative women who sustain relationships with HIV-infected partners, placing themselves at high risk. [2]

Und noch ein weiterer von Fernandez und Ruiz gelieferter Aspekt ist in meinen Augen eine überaus scharfsinnige Analyse der Psychologie der „Bugchaser“ (also diejenigen die sich dem Risiko einer Infektion aussetzen obwohl sie selbst noch nicht infiziert sind):

The HIV infected patient can play out the persecutor-victim object-relational dyads common to patients with borderline personality organization and those with histories of severe trauma. HIV-positive patients can also experience themselves as persecutor because they can infect others and subsequently feel guilty. The potential stigma around HIV is one more element in a persecutory environment perceived by patients with the object-relations of borderline personality organization. [2]

Das bedeutet also, dass durch diese Infektion eine gewisse Kontrolle erlangt wird, der bei der narzisstischen Persönlichkeit eine große Bedeutung zukommt. Denn mit einer HIV-Infektion hat man Macht über andere Menschen. Man kann anderen Menschen schaden, indem man sie mit HIV infiziert. Auf der anderen Seite hat man aber auch die Kontrolle über sein eigenes Wohl oder Unwohl. Also auch hier spielen dann wieder die narzisstischen Kontrollzwänge eine entscheidende Rolle.

Viel Spaß beim Nachdenken.


Quellen

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Barebacking#Bareback-Partys

[2] Francisco Fernandez, Pedro Ruiz. “Psychiatric Aspects of HIV/AIDS, 1st Edition.”

Frage nicht was dein Land für dich tun kann…

….sondern was du für dein Land tun kannst!

Dies waren die Worte, mit denen am 20. Januar 1961 John Fitzgerald Kennedy seine erste und letzte Amtszeit als der 35. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, der – wie sich später herausstellen sollte – nur 1.036 Tage später durch einen Kopfschuss ein jähes und in seiner politischen Tragik für viele Amerikaner überaus traumatisierendes Ende gesetzt werden sollte, feierlich antrat. Der Wahlsieg Kennedys war der Beginn einer politischen Periode, in der die gesellschaftliche und nationale Einheit der USA ebenso wie die globale Sicherheit oft auf den Prüfstand gestellt wurde und nicht selten sogar zu zerbrechen drohte. In der Amtsperiode Kennedys, die sich über den Zeitraum von 1961 bis 1963 erstreckte, fielen sowohl innenpolitische als auch außenpolitische Entscheidungen historischen Ausmaßes. Nicht nur dass der Amtsantritt mitten in die wohl sensibelste Phase des Kalten Krieges fiel. Auch im Herzen Kontinentaleuropas, wo der wirtschaftstheoretische Dissens zwischen Marx und Smith bzw. deren Anhänger, über dessen Diskurs bis dahin nur ein akademischer Zirkel der geisteswissenschaftlichen Bildungselite   unterrichtet gewesen war, von seinem metaphysischen, theoretischen Aggregatzustand in eine für den ungebildeten, in seiner geistigen Auffassungsgabe limitierten Bauarbeiter gut erfassbare Form aus Stacheldraht und Zement transformiert wurde, spitzte sich die kritische Dynamik des Ost-West-Konfliktes mit dem Beginn des Baus der Berliner Mauer im August 1961 weiter zu. Ein Jahr darauf folgte dann die Kuba-Krise, die den Konflikt der Supermächte bis an den Rand eines möglichen Atomkrieges trieb. Ein weiterer der zahlreichen außenpolitischen Kriegsschauplätze, die die Außen- und Verteidigungspolitik des “Land of Liberty” forderten, lag an der östlichen Festlandküste Südostasiens. Zwischen Reisfeldern, Bambuszweigen und tropischen Wäldern kämpften Tausende und Abertausende junge US-Amerikaner gegen die kommunistische Bedrohung.

Um den polit-historischen Exkurs an dieser Stelle jedoch nicht ausufern zu lassen, möchte ich nun den Weg zurück zu den zentralen Worten Kennedys einschlagen. Denn was er mit diesem Satz wohl beabsichtigte war nichts anderes, als eine patriotisch motivierte Denkweise von seinem Volk zu fordern, nicht oder zumindest nicht alleine den Staat als Motor der gesellschaftlichen Entwicklung zu betrachten sondern vielmehr sich selbst als ein Teil der Gemeinschaft zu fragen, wie man als Individuum seinen eigenen Beitrag zum Wohl der Gesellschaft leisten kann.

Möglicherweise unter anderen Vorzeichen als Kennedy seinerzeit, aber dennoch im Hinblick auf die Kernaussage, entsprechend, könnte man diese Worte des Präsidenten auch mit einiger Berechtigung an das deutsche Volk adressieren. Denn was ich in unserer demokratischen Gesellschaft beobachte ist eine Art irrationales Paradoxon, dessen Existenz überhaupt nur dadurch erklärbar gemacht werden kann wenn man dem einstigen Volk der Dichter und Denker unterstellt, jedweden Hauch von gesundem Menschenverstand verloren zu haben. Denn in einem Punkt sind wir Deutsche uns alle einig: Der Politik kann man nicht mehr trauen. Und nein – dieser Satz ist nicht ironisch gemeint. Die Erklärung für diesen Standpunkt zu liefern fällt bei genauerer Überlegung auch überhaupt nicht schwer. Warum denken wir denn, dass Politiker uns nur verarschen? Richtig, weil wir in leidvoller Erfahrung gelernt haben, dass die Versprechungen, die uns während der Wahlkämpfe gemacht werden, nach der Wahl häufig ihre Gültigkeit verlieren. Bedeutet im Umkehrschluss aber auch: die Unverbindlichkeit der Wahlprogramme, die uns als Wähler doch in aller erster Linie bei der Stimmvergabe beeinflussen, führt daher zu Unzufriedenheit mit den gewählten politischen Verantwortlichen und fördert Politikverdrossenheit. Das alles gipfelt dann in vielen Fällen in einer Art  selbstzufriedener Resignation, versinnbildlicht durch solche Stammtischweisheiten wie “Wir einfache Leute können doch sowieso nichts ändern”. Im Grunde ist das eine alarmierende Feststellung, die innerhalb unserer Gesellschaft zumindest im Kreise der Mittel- und Unterschicht zum allgemeinen Konsens geworden zu sein scheint. Ein nicht unerheblicher Teil der Deutschen ist also der festen Überzeugung, dass Gegenwart sowie Zukunft unseres Landes mit allem was damit einhergeht schutzlos der Willkür einiger  weniger profitgieriger und vollkommen gewissenloser Raubtierkapitalisten ausgeliefert ist. Aber da man natürlich an dieser Tatsache nichts ändern kann, muss man auch nicht beunruhigt sein. Man hat also als Deutscher (folgt man diesem Konsens) mangels politischen Einflusses überhaupt keine eigene Verantwortung für die Entwicklung Deutschlands. Man hat aber natürlich als freier Bürger einer Demokratie das Recht Politiker zu kritisieren, die das wofür sie gewählt wurden, nicht umsetzen. Und um den Bogen zu Kennedy erneut zu schlagen: Was genau sind Wahlversprechen überhaupt? Wahlversprechen sind Versprechungen von Dingen, die der Staat für uns (das Volk) tut. Nun stellt sich die Frage: Was tun wir (das Volk) für den Staat? Viele sagen jetzt berechtigterweise: Wir zahlen doch Steuern. In gewisser Weise scheint das Argument auch eine Daseinsberechtigung zu haben. Doch schon einen Schritt weiter gedacht ist dieses Argument hinfällig weil man mit den Steuern, die man an den Staat abgibt eigentlich nur das unterstützt womit man unzufrieden ist. Und wenn man der Auffassung ist, dass die Politik der Gesellschaft schadet, wie kann man dann davon reden, dass man etwas für sein Land tut, indem man genau das, was man als Missstand empfindet durch finanzielle Transaktionen unterstützt?

Da es unserem Land allerdings noch mehr schaden würde, wenn alle Bürger plötzlich aufhörten Steuern zu zahlen, ist natürlich ebenfalls zu erwähnen, dass die Implikation der gerade erwähnten Ausführung keineswegs diejenige sein soll, dass es eine Lösung wäre von nun an doch lieber sein Geld für sich zu behalten anstatt es dem Finanzamt zu überlassen. Nein, vielmehr muss man aus dieser Herleitung schlussfolgern, dass es nicht ausreicht seinen Beitrag in der Gesellschaft als rein finanziellen zu verstehen. Aus dieser Überlegung ergibt sich ein ganz großes Problem, das so gut wie jede politisch-gesellschaftliche Diskussion durchdringt. Nämlich die Koppelung jeder gesellschaftlichen Problematik, die – sei sie auch noch so gerechtfertigt – debattiert wird, mit finanziellen oder wirtschaftlichen Aspekten. Dabei gerät vollkommen in Vergessenheit, dass Werte und gesellschaftliche Konventionen nicht vom Bankkonto stammen, sondern von einem im menschlichen Schädel befindlichen Organ, das – wie das erfolgreiche Bestehen von medialen Ausgeburten der intellektuellen Verwaisung wie RTL 2 belegt – weitaus seltener benutzt wird als das Girokonto. Das Gros der gesellschaftlichen Veränderungen kann man nicht mit Geld erkaufen. Das mag für einige ein Schock sein. Für unseren Stammtisch hingegen ist es allerdings sowohl Fluch als auch Segen. Fluch insofern, als dass diese Erkenntnis der lang etablierten Tradition der selbstgerechten Resignation, über die es sich bei einem kühlen Bier zu beklagen, Abende mit Gesprächsstoff füllte. Segen auf der anderen Seite deswegen, weil damit auch die Erkenntnis einhergeht, dass es eben doch möglich ist etwas für sein Land zu tun, die Gesellschaft mit der man unzufrieden ist zu verändern, obwohl man nicht zu den oberen 10.000 gehört. Denn erst wenn man begriffen hat dass es die unteren 79.990.000 sind, die die Gesellschaft formen, wird auch klar, warum man sich als ein Teil dieser Menge nicht mehr seiner gesellschaftlichen Verantwortung entziehen kann. Es gibt also Probleme in unserem Land, auf die unsere Regierung überhaupt keinen Einfluss haben kann, da es sich um Ideen und metaphysische Konzepte handelt, und eben nicht um Transferzahlungen oder subventionierte Staatsprojekte. Diese Probleme löst man nicht mit der Geldbörse sondern mit der Benutzung des eigenen Gehirns, des eigenen Verstandes. Ihnen, werter Leser, hoffe ich mit meinen Anregungen im Hinblick auf gesellschaftliche Missstände (bei denen es sich zumindest nach meiner Auffassung um eben solche handelt) eine Hilfestellung dafür zu geben, als einer von diesen 79.990.000, ihre Mündigkeit und damit auch ihre Macht als Individuum die Zukunft unseres Landes aktiv mit zu gestalten, zurück zu geben. Denn genau das ist UNSERE (das schließt Sie als Leser ebenso ein wie mich als sein Autor ein) Antwort auf die Frage was wir für unser Land tun können.