Teil 1 – Question Authorities beim Japantag 2017 in Düsseldorf – Kulturmesse oder Freiluft-Psychiatrie?

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Um 13:00 Uhr – Offizielle Begrüßung und Eröffnung

Die Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens war – wie bereits in den 15 vorangegangenen – auch in diesem Jahr wieder  Ausrichtungsort des Japantages. Etwa 750.000 Besucher waren dort im Vorfeld erwartet worden. Laut RP ONLINE wurden es dann letztlich 650.000. Immer noch eine beachtliche Hausmarke. Vor allem wenn man dazu die 6.500 Japaner, die in der „Düsseldorfer Japantown“ leben, ins Verhältnis setzt. Dabei handelt es sich vor allem um Mitarbeiter der über 400 japanischen Unternehmen, die in dieser Region ca. 25.000 Arbeitsplätze bereitstellen. Das erklärt im Übrigen auch, warum ein Japan- aber nicht etwa ein Polentag in Düsseldorf stattfindet. In der Stadt gibt es – ausgehend von den 6.500 Japanern – etwa sechs mal so viele Polen, fünf mal so viele Türken und mehr als doppelt so viele Marokkaner. Warum gibt’s diese Tage nicht? Ganz einfach: Polen schaffen keine Arbeitsplätze, sondern nehmen sie der biodeutschen Bevölkerung weg. Auch die Deutsch-Polnische Vergangenheit ist nicht immer ganz so auf gleicher Wellenlänge gewesen, wie die Deutsch-Japanische. Marokkaner und Türken sind zwar fast genau so unfähig wie Japaner, wenn es darum geht sich  in die rheinländischen Hochkultur zu integrieren. Da es sich bei diesen beiden allerdings um islamisch geprägte Herkunftsländer handelt, in deren Kulturkreisen Kopftücher bzw. Gesichts- oder Ganzkörperschleier aus Gründen der religiösen Überzeugung getragen werden, und nicht etwa im Dienste der westlich-aufklärerischen Mission, als Anime-Charakter stundenlang auf dem selben Fleck zu stehen und darauf zu warten, dass man von wildfremden Passanten fotografiert oder umarmt wird, ließen sich diese beiden fremden Kulturen allerdings auch kaum gegenüber einem kulturell derart anspruchsvollen Publikum, vermarkten.

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links nach rechts: Person 1, Person 2,  Kaonashi (Chihiros Reise ins Zauberland), Muslima


Der Umgang mit fremden Kulturen ist für uns Deutsche nicht immer so einfach. Die Einen haben Angst vor ihnen. Angst davor, dass die eigene, die vertraute, die deutsche kulturelle Identität durch die gesellschaftlichen Wertevorstellungen zugewanderter Bevölkerungsgruppen verwaschen oder gar verdrängt werden könnte. Während Andere, jegliche National-Identität als Deutsche entweder verloren zu haben scheinen, oder sogar als Bedrohung ansehen, die es mit allen Mitteln zu bekämpfen gilt. Und tatsächlich muss man Letzteren einen gewissen Erfolg einräumen. Wie kaum ein anderes Volk haben wir Deutschen es vollbracht, uns unser eigenes Nationalbewusstsein sowie den damit verbundenen historisch gewachsenen Wertekanon so weit austreiben zu lassen, dass wir uns sogar nach knapp 150 Jahren der fortwährenden Identitätsentwicklung, jetzt wieder – ebenso verzweifelt wie aussichtslos – damit abmühen müssen, überhaupt einen grundsätzlichen Konsens über die charakteristischen Wesensmerkmale unserer „Leitkultur“ zu finden. Als Ergebnis dieser ungelösten, womöglich gar unlösbaren Identitätskrise, offenbart sich eine deutsche Bürgergemeinschaft, die sich von dem Prinzip einer allgemein akzeptierten Gesellschaftsmoral, als kleinster gemeinsamer ethischer Nenner, als gesellschaftsübergreifend anerkannter Wertekompromiss, weitestgehend verabschiedet hat. Als Folge dieser Entwicklung zeigt sich eine stark individualistisch geprägte Gemeinschaftsstruktur, die sich vornehmlich durch regelmäßig aufflammende Reibereien zwischen den Vertretern rivalisierender ideologischer Gruppierungen, auszeichnet. Wutbürger vs. Gutmenschen. Patriotische Europäer vs. Islamisierung des Abendlandes. Rechtspopulisten vs. Lügenpresse. Antifa vs. Neonazis. Feminist*Innen vs. Chromosomensatz.

Welcome to the jungle

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Der erste Einblick: Lolita, Cosplay, Kogal, Otaku, Visual Key – Kulturschock

Ja, willkommen im Dschungel. Ein Menschendschungel. Wir hatten gerade – da war es etwa gegen 11:30 Uhr – den Weg von der Haltestelle Benrather Straße durch die Düsseldorfer Altstadt hin zum Rheinufer hinter uns gebracht und uns durch das Container-Labyrinth hindurch gekämpft, das – wie ich hinterher erfuhr – die gemeingefährlichen Suizid-Trucker davon abhalten sollte, einen von ihren, zuletzt ja immer mehr in Mode gekommenen, gesundheitsschädlichen off-road Trips, in die Tat um zu setzen. Als ich dann endlich den ersten weit schweifenden Blick über die Rheinpromenade werfen konnte, wurde mir erstmal wirklich bewusst, was mich an diesem Tag erwarten würde….

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Nein. So viel „Karneval“ hatte ich wirklich nicht erwartet. Vor allem das sogenannte Cosplay ist hier gut zu erkennen. Dabei handelt es sich um eine Subkultur, in der es darum geht sich Kostüme zu basteln, mit denen man dann einen spezifischen Charakter – häufig findet man da Figuren aus Filmen, TV Serien/Anime, Manga-Literatur oder Videospielen –  seiner Wahl repräsentiert. Und auch wenn ich mich nur noch ganz vage daran erinnern konnte etwas ähnliches vor Jahren schon mal in der Nähe der Zeil in Frankfurt am Main gesehen zu haben – Es war für mich erst mal ein Kulturschock. Und nachdem ich die entsprechen Online-Beiträge von WDR („Japan-Tag: Schrill, schriller, Düsseldorf“) und RP ONLINE („Das bunteste Gedränge des Jahres“) überflogen hatte, war ich zumindest erstmal insoweit erleichtert, als dass der Kollege Andreas Sträter von der Online-Berichterstattung beim WDR, oder Lisa Klose und Anne Orthen, die für RP ONLINE berichteten, offenbar ähnlich überwältigt waren wie ich.

Was dem Journalistenauge verständlicherweise nun nicht auffällt, dem Psychiatrie-erprobten Auge nach 10 Semestern Medizinstudium mit umfangreichen Erfahrungen in der Therapie von Patienten mit emotional-instabiler Persönlichkeitsstörung vom Borderline Typ (die Gefahr für einen Tod durch Suizid liegt bei etwa 10 – 15 %), allerdings sehr wohl: erwartungsgemäß ließen sich – nach meinem Eindruck – bei dieser Veranstaltung überproportional viele – insbesondere weibliche – Teenager erkennen, deren Arme und Oberschenkel augenfällige Schnittnarben aufwiesen, wie sie für Borderline-Patienten charakteristisch sind. Und in diesem Zusammenhang halte ich persönlich es für durchaus erwähnenswert, dass man sich – gerade was das Thema Suizid angeht – vergegenwärtigen muss, dass Suizide in Japan unter den 10 häufigsten Todesursachen zu finden sind. Die Suizidrate (age-Standardized death rate per 100,000 population) ist dort  fast doppelt so hoch (18.78) wie in Deutschland (9.59).

Natürlich würde es von ungeheuerlicher Einfältigkeit zeugen, würde ich aus den paar flüchtigen Eindrücken nun einfach eine generell erhöhte Borderline-Prävalenz innerhalb der Cosplay-Szene, schlussfolgern. Da ich trotz umfangreicher Recherche allerdings aber auch keine aussagekräftigen, evidenzbasierten Erhebungen auffinden konnte, die in dieser Frage gegebenenfalls als Orientierungspunkt herangezogen werden könnten, bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als uns unsere eigenen Gedanken darüber zu machen, ob mein subjektiver Eindruck mehr über die Cosplay-Szene, oder nicht vielleicht doch viel mehr etwas über mich, meine Wahrnehmung oder auch meine Einstellung ihr gegenüber, aussagt.

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Weiter geht es im nächsten Teil. Da werde ich der Psychologie der Cosplayer auf den Grund gehen. Außerdem habe ich aufschlussreiche Interviews in der Fußgängerzone geführt.

Kunst und Kultur

Nachdem ich bereits die Tragik des Lebens eines Van Goghs thematisiert (→ siehe „Der Freiheitskämpfer“), und damit einen Blick in Richtung Malerei und Kunst gewagt habe, will ich auch einem anderen Künstler die Gelegenheit geben, hier Erwähnung zu finden. Die Rede ist dieses mal von Peter Paul Rubens, der von 1577 bis 1640 lebte, und sich zeitlebens mit seinen ergreifenden Werken ästhetischer Schaffenskraft in der Kunstgeschichte verewigte. Der Barockmaler flämischer Herkunft erlangte nicht zuletzt durch Gemälde Bekanntheit, auf denen er die Sinnlichkeit menschlicher Nacktheit in den Vordergrund rückte. Vor allem der Begriff der “Rubens-Frau”, den Frauenrechtler*Innen zuweilen gerne heranziehen um damit eine weibliche Pommestonne feministisch eloquent zu umschreiben, hat im Zusammenhang mit der BDSM- und Fetisch-Gesellschaft, in der zu leben wir uns so glücklich schätzen können, eine Renaissance erlebt.

Zwar beabsichtige ich mich mit dem Feminist*Innen-Bashing zu diesem Zeitpunkt noch etwas zurück zu halten (diesem sind dann spätere Kapitel gewidmet). Jedoch ist es anlässlich des kulturhistorischen Exkurses in die Epoche des künstlerischen Barock (und um eine Verbindung zu unserer modernen Lebensrealität herzustellen) in meinen Augen angebracht meinen Lesern den Begriff der “Rubensfrau” bildhaft vor Augen zu führen. Aus der Gegenwart herausgegriffen würde man z.B. die von dem feministischen Magazin “Emma” hoch geschätzte Stand-Up Komikerin Cindy aus Marzahn unter einer solchen Rubensfigur verstehen. Nicht zuletzt ihr hat der Berliner Ortsteil Marzahn auch seinen einzigartigen Ruf als deutsche Kulturhochburg zu verdanken.

Nach dieser kleinen Einführung in die Welt der barocken Ästhetik rund um Peter Paul Rubens, will ich den Fokus nun jedoch etwas von der Rubensfrau weg in Richtung eines anderen großen Werks dieses Künstlers schwenken. Und zwar handelt es sich dabei um das eindrucksvolle Gemälde mit dem Titel “Das Massaker der Unschuldigen” (Massacre of the innocent).

Es handelt sich dabei um eine ebenso eindrucksvolle wie auch beängstigende Szene, die die Tötung männlicher Kleinkinder in Betlehem darstellt.

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Bei der längeren Betrachtung eines solchen Gemäldes ist es ausgesprochen nachvollziehbar, wenn einen ein mulmiges Gefühl beschleicht. Unschuldige Säuglinge werden in der Gegenwart ihrer weinenden Mütter getötet. Wenn man seinen Blick von diesem Bild dann schließlich abwendet, schätzt man sich umso glücklicher in einer Zeit zu leben, in der derartige Grausamkeiten längst der Vergangenheit angehören. Die Probleme, die uns heute plagen sind vollkommen andere. Das Essen ist zu teuer, die Mieten sind zu hoch… achja, und diese ganzen Flüchtlinge, die unser Land überfluten.

Bei einigen dieser Flüchtlinge wird der Anblick dieser von Rubens dargestellten Szenerie hingegen allerdings eher Heimatgefühle wecken.

Auf die heutige Zeit angewandt würde das “Massaker der Unschuldigen” wohl weniger auf Betlehem zutreffen als vielmehr auf andere sonnige Städtchen Nordafrikas, in denen „Dschihadisten“ (so nennen die Medien mittlerweile schizophrene Psychopathen im psychotischen/religiösen Wahn) ihre Vorstellungen von Nächstenliebe fröhlich in die Tat umsetzen.

Ich habe mir deshalb die Mühe gemacht das “Massaker der Unschuldigen” etwas der heutigen Zeit anzupassen, und mit Inhalten zu füllen, die uns ein realitätsnahes Abbild des Massakers zeigen soll, wie es gegenwärtig tatsächlich stattfindet.

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Um nun allerdings nicht zu sehr in die triste Welt der internationalen Machtpolitik bzw. extremistischen Religiosität abzudriften, schlage ich vor, dass Sie, geschätzter Leser – nachdem Sie sich das gezeigte Bild genau angesehen und sich um eine Interpretation vor dem Hintergrund Ihrer geopolitischen Vorbildung bemüht haben – einen Augenblick inne halten um sich dem Geiste, der diesem Meisterwerk innewohnt, vollkommen widmen zu können.