Erfahrungsbericht Medizin – Das unterschätzte Dilemma

Ich hatte mit diesem Thema eigentlich längst schon abgeschlossen. Doch als ich – wie eigentlich jeden Morgen – die News der deutschen Presselandschaft auf meinem iPhone überflog, stockte mein Blick plötzlich.

Welche Meldung hatte so unerwartet mein Interesse auf sich gezogen?

Nein. Es war kein Terroranschlag, bei dem dutzende Menschen ihr Leben verloren. Denn so traurig und entmutigend es auch klingen mag – seien wir mal ehrlich: Derartige Meldungen nehmen wir doch schon längst nicht mehr als Ereignisse von Bedeutung wahr. Es war auch keine der, in trostloser Regelmäßigkeit zu belächelnden Entgleisungen des US-Amerikanischen Präsidenten. Hätte man einige, dieser inzwischen vertraut gewordenen Absurditäten aus dem Munde eines Repräsentanten einer solch erhabenen und einflussreichen Nation noch vor einigen Jahrzehnten zu Ohren bekommen, so hätte man sich vermutlich unverzüglich in Richtung des nächstgelegenen Atomschutzbunker begeben. Doch im Jahre 2017 ist auch dieses Glücksspiel um die globale Sicherheit – ausgetragen zwischen unzurechnungsfähigen Psychopathen, skrupellosen Mördern und perversen Gewaltverbrechern – nichts mehr weiter als eine Randnotiz.

Es war kein Terroranschlag, keine globale Sicherheitskrise und auch keine Vergewaltigung mit Todesfolge durch arabische Flüchtlinge.

Es war dieses Urteil des Bundesverfassungsgericht, in dem festgestellt wurde, dass die Vergabe von Studienplätzen medizinischer Fakultäten, nach der Abiturnote als alleinigem Auswahlkriterium (Numerus Clausus), wie sie seit inzwischen – man möchte fast sagen – Jahrhunderten erfolgte, ein in Teilen (so heißt es) verfassungswidriges Verfahren darstellt.

In der Pressemitteilung begründet der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts seine Entscheidung unter anderem damit, dass sich nach seiner Auffassung eine „gerechte“ Studienplatzvergabe – gemäß der höchstrichterlichen Auslegung des Grundgesetzes – an den Fähigkeiten, die im Studium und anschließend in der Ausübung des Berufes, zu orientieren habe. Heißt im Kern so viel wie: „Gerecht ist wenn derjenige, der für den Beruf am besten geeignet ist auch die Chance bekommen soll, diesen Beruf auszuüben zu können.“

Und selbstverständlich ist es vollkommen irrsinnig die Eignung eines Menschen für den Beruf des Mediziners ausschließlich am Notendurchschnitt seines Abiturzeugnisses zu messen. Und natürlich ist das auch nicht erst mit dem Urteil des Bundesverfassungsgericht schwachsinnig geworden. Man muss seinen gesunden Menschenverstand nicht einmal allzu intensiv bemühen um zur Erkenntnis zu gelangen, dass alleine schon der Gedanke, dass man auf der Basis eines Notendurchschnitts, in dessen Berechnung Schulleistungen aus Fächern wie Sport, Musik, Kunst, Geschichte, Sozialkunde, Französisch, Spanisch, Religion/Ethik oder auch Deutsch einfließen, eine Einschätzung darüber erlauben könnte, ob ein Studienplatzbewerber sich für einen Beruf eignet, dessen Hauptaufgabengebiet darin besteht Brustkörbe abzuhören, Bauchdecken zu beklopfen und Unterschriften unter Rezepte für Diabetes-Medikamente zu kritzeln, himmelschreiend einfältig ist.

Doch nach exakt diesem Auswahlverfahren, dessen Idiotie sich jedem Menschen, der über ein Mindestmaß an Denkvermögen verfügt, mühelos erschließt, werden seit Jahrhunderten die Bewerber für dasjenige Berufsfeld auserwählt, in dem die Eignung seiner Vertreter jeden Tag über Leben und Tod entscheidet.

Nun könnte man der angenehmen Versuchung erliegen, auf der Basis dieses Urteils des Bundesverfassungsgerichtes in einem Meer der Beruhigung zu baden. Beruhigung darüber, dass unser Rechtsstaat eine verlässliche Konstante darstellt, die im Zweifelsfall stets dazu in der Lage zu sein scheint, Rechtsbrüchen des Gesetzgebers gegenüber seinen Bürgern, gewissenhaft und unerschütterlich entgegen zu treten. Lässt man sich von diesem trügerischen Schein der vermeintlichen Geborgenheit des demokratischen Rechtsstaates, den zu hinterfragen und dessen Methoden unentwegt in Zweifel zu ziehen es nicht zu bedürfen scheint, aber verführen, so läuft man Gefahr seiner kritischen Mündigkeit – ohne es zu bemerken – enteignet zu werden.

Denn, auch wenn die Entscheidung des Gerichtes unzweifelhaft vernünftig ist – Liegt es nicht dennoch nahe sich die Frage zu stellen wie es möglich sein kann, dass eine Vorgehensweise mit derartiger Tragweite, deren fataler Konsequenzen sich kein Einziger von uns entziehen kann, von unserem Gesetzgeber so lange unberührt blieb, bis ein Gericht dagegen urteilen musste? Und muss man nicht auch mit Erschrecken feststellen, dass unser Gesetzgeber es sträflich versäumt zu haben scheint, ein Verfahren, dessen Irrsinn sich uns schon nach den ersten Gedankenzügen eröffnet, in eine, mit dem gesunden Menschenverstand vereinbare Form zu überführen?

Warum beschäftige ich mich so intensiv mit diesem Thema?

Ich finde, dass die Problematik rund um das Gerichtsurteil bzgl. des Numerus Clausus bei der Vergabe von Studienplätzen in der Humanmedizin zwar auf jeden Fall ein wichtiges Thema ist, über das es auch vollkommen legitim ist, öffentlich zu diskutieren. Es ist meiner Meinung nach allerdings nur die, durch dieses Urteil der breiten Öffentlichkeit sichtbar gewordene, Spitze eines Eisbergs zahlreicher grundlegender Missstände oder zumindest offener Fragen, die in der medizinischen Ausbildung sowie vor Allem auch in der alltäglichen, klinischen Ausübung (von der früher oder später wohl jeder von uns einmal abhängig sein wird) vorherrschen bzw. unter Einbeziehung der Öffentlichkeit zu diskutieren sind.

Um vielleicht einmal einen kleinen Einblick in die Tiefe der ganzen Problematik, die ich im Zusammenhang mit der Medizinischen Ausbilung/Ausübung sehe, zu geben, schildere ich an dieser Stelle einmal einige Erfahrungen, die ich persönlich im Zusammenhang mit der Universitätsmedizin bzw. der Medizin im Allgemeinen, gemacht habe.

Nach einem Abitur mit 1,3 und 10 Semestern Medizinstudium, bestandenem ersten Staatsexamen und einer fast fertigen Doktorarbeit habe ich nämlich auch die Reißleine gezogen, weil sich für mich immer klarer herauskristallisierte wie wenig ich als Mediziner wirklich bewirken kann. Mir ging es von Beginn meines Studiums der Humanmedizin an eigentlich immer nur darum, nach meiner Facharztausbildung zum FA für Psychiatrie derjenige zu sein, der den Menschen wirklich hilft. Nach 5 Jahren Medizinstudium war dann allerdings auch die letzte Blase meines Traumes zerplatzt und ich begrub meine Vision von einer Psychiatrie, die ihre Patienten wirklich heilt und nicht einfach nur auf der Basis pauschaler Diagnosen mit irgendwelchen Medikamenten vollstopft um mit möglichst geringem Aufwand möglichst viele Betten für die nächste „Lieferung“ frei zu schaufeln, unter einem Berg der Enttäuschung über die entmutigende Realität, die in den Psychiatrischen Kliniken vorherrscht und es den Psychiaterinnen und Psychiatern im Grunde vollkommen unmöglich macht, sich den Menschen, die bei uns/ihnen Hilfe suchen und uns/ihnen in diesem Rahmen Gesundheit und Leben anvertrauen, auch nur im Entferntesten intensiv genug widmen zu können, um auf ihre Probleme und v.A. auch ihre individuelle Persönlichkeit so gründlich und gewissenhaft einzugehen, dass sich eine stabile Vertrauensbasis als Grundlage einer erfolgreichen Therapie überhaupt erst entwickeln kann.

Nach den Erfahrungen, die ich jedoch im Laufe meiner Ausbildung aus dem klinischen Alltag gesammelt habe, ist in mir die unzweifelhafte Überzeugung herangereift, dass ich unter den Bedingungen, die in der klinischen Arbeit vorherrschen, eine erfolgreiche Therapie und in vielen Fällen sogar bereits die korrekte und gewissenhafte Diagnostik, zu der ich mich allerdings jedem einzelnen Patienten gegenüber stets verpflichtet fühlte, jedenfalls mit den Fähigkeiten, über die ich verfüge, nicht in dem Maße gewährleisten hätte können, wie es den Patienten nach meiner Überzeugung zugestanden hätte.

Und da meine einzige Motivation für dieses Studium der Wille war, Menschen zu helfen, sah ich nach 10 Semestern und einem eigentlich bis dahin eigentlich sogar relativ problemlos verlaufenen Medizinstudium, keinen Anlass mehr, meine Ausbildung zum Mediziner fortzusetzen.

Werbeanzeigen

Antisocial Businesses – social sponging als Erfolgskonzept

Der Begriff des „social sponging“ ist bislang wenig bekannt. Aus dem Englischen übersetzt bedeutet er soviel wie „soziale Schmarotzerei“ und beschreibt im Grunde das Konzept, mit gesellschaftsschädlichen, vor allem aber auch gesetzwidrigen Aktivitäten Gewinne zu erwirtschaften. Dafür greifen antisocial Entrepreneurs auf Mittel zurück, mit denen der Staat derartige gemeinschaftsschädigende Unternehmungen fördert. Klingt zunächst einmal zugegebenermaßen etwas komisch. Was genau man darunter zu verstehen hat, werde ich im – sich anschließenden Text – zu erklären versuchen.

Die Bezeichnung leitet sich von der des „social business“ ab. Als Pionier dieses Konzeptes, das auf dem Gedanken basiert, mit einem Unternehmen das Ziel zu verfolgen, gesellschaftliche Probleme wirtschaftlich zu lösen, erhielt ihr Erfinder, Muhammad Yunus 2006 einen Friedensnobelpreis.

Während insbesondere im angloamerikanischen Raum immer häufiger von solchen Unternehmen zu lesen ist, werden die mediale Auseinandersetzung mit diesem Themenkomplex hierzulande von Berichten dominiert, in denen eher gegenteilig orientierte Konzepte (sprich: Gewinn durch gesellschaftsschädliches Verhalten) zum Einkommenserwerb dargestellt werden.

Ein konkretes Beispiel: systematisierte Scheinvaterschaften. Dabei handelt es sich um deutsche Staatsangehörige – häufig handelt es sich dabei um Sozialhilfeempfänger – die gegen ein Entgelt die Vaterschaft ungeborener Kinder von schwangeren Ausländerinnen anerkennen. Dadurch wird diesen Kindern gemäß deutschen Rechts die deutsche Staatsbürgerschaft zuteil und ihren Mütter wird Asyl gewährt. Da die Väter als Sozialhilfeempfänger ihr Einkommen durch den Staat zur Verfügung gestellt bekommen, sind sie auch nicht unterhaltspflichtig und müssen keine finanziellen Nachteile befürchten. Im Gegenteil. Dadurch, dass die alleinerziehenden Mütter für ein Kind zu sorgen haben, sind diese gezwungen selbst ein Einkommen zu generieren um für ihre Familie sorgen zu können. Da dies auf dem klassischen Arbeitsmarkt, mangels ausreichender Sprachkenntnisse und fehlender Ausbildung kurzfristig häufig nicht möglich ist, sind diese für eine Beschäftigung in der Prostitution zunehmend empfänglich. Der Scheinvater erhält neben den Zuschüssen durch den Sozialstaat und der Vergütung durch die Mutter, bei gutem Verhandlungsgeschick, auch eine Gewinnbeteiligung an den Einnahmen, die sich aus der Prostitution ergeben.

Natürlich müssen die Personen, die durch diese Ausbeutung Geld verdienen eine höchst ausgeprägte, antisoziale Persönlichkeitsstörung aufweisen. Natürlich handelt es sich dabei um eine zutiefst asoziale Praxis.

Das Schlimmste daran jedoch: Dieses Geschäftsmodell ist genial. Diejenigen, die es entwickelten, haben damit ein beachtenswertes Innovations- und Kreativitätspotenzial bewiesen. Genau das Potenzial, das man als Unternehmensgründer benötigt um eine Idee konkurrenzfähig umzusetzen. Und angesichts der Tatsache, dass dieses Potenzial offenkundig selbst bei Erwerbslosen vorhanden ist, erscheint es umso paradoxer, dass in Deutschland die Zahlen der Unternehmensneugründungen – im internationalen Vergleich – so niederschmetternd sind. Immerhin hat sich bezugnehmend auf die Deutsche Unternehmenslandschaft nicht grundlos die metaphorische Umschreibung „Gründer-Wüste“ durchgesetzt.

Die Hürden für eine Unternehmensgründung sind zu hoch. Die Aussichten zu gering. Die bürokratischen Hinternisse zu groß. Ganz anders bei diesem Geschäftsmodell. Es ist steuerfrei. Erfordert kaum Eigenkapital. Und vor allem ist das Einzige, was daran illegal ist der Umstand, dass die Scheinväter fälschlicherweise bei den Behörden als Zeuger gemeldet sind. Dies ist allerdings schwer nachzuweisen, da durch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes entschieden worden war, dass es den Behörden nicht zusteht eine Überprüfung der Vaterschaft zu fordern. Nicht einmal im Zweifelsfall.

Dem Staat stehen also auch überhaupt keine Instrumente zur Verfügung, mit denen er gegen die Umsetzung dieses Konzeptes vorgehen könnte. Vermutlich ist es insofern eher dem Zufall, gepaart mit herausragendem journalistischen Talent, zuzuschreiben, dass RBB auf dieses „Betrugskartell“ aufmerksam geworden ist, gegen das die Politik jetzt allerdings machtlos ist. Tatsächlich muss man diesen Betrügern allerdings sogar noch zugute halten, dass sie nicht selbst die Frauen geschwängert hatten um auch das letzte Restrisiko (in diesem Fall wäre es nämlich nicht mal eine Straftat gewesen) zu eliminieren.

Irrsinniger Weise wäre das nämlich sogar, aus wirtschaftlicher Perspektive eine absolut rationale Vorgehensweise gewesen.

ThinkTank – Dialog

Eine 29-jährige Mutter (M) zweier Kinder und einer der bedeutendsten Philosophen (P) des 21. Jahrhunderts treffen zufällig in der Fußgängerzone einer belebten Großstadt aufeinander. Sie befinden sich auf der Höhe eines, gerade neu eröffneten Lebensmittelgeschäftes, das damit wirbt, ausschließlich vegane Produkte zu vertreiben. Beide mustern mit ihren Blicken etwas irritiert das Schaufenster, hinter dessen verglaster Fassade ein schnittig-adrett gekleideter Nipster gerade der veführerisch anregend eingerichteten Garnitur den letzten Schliff verleiht. Es lässt sich ein Ausdruck des Ekels erkennen, im Gesicht jener Mutter eines 2 jährigen Sohnes, dessen Vater ein – nicht lange bevor sie von ihm schwanger geworden war in Deutschland angekommener – Syrer ohne jegliche Form einer tauglichen Berufsausbildung ist, den sie anfänglich im Rahmen der, durch öffentliche Gelder geförderten, Flüchtlingshilfe in ihrer Wohnung aufgenommen hatte, in der sie gemeinsam mit ihrer ersten Tochter wohnte, deren Vater ihr Ex-Freund ist – ein arbeitsloser Kiffer, welcher der Verwirklichung, der von ihm ausgetüftelten Zielsetzung, seinen privaten Haushalt durch eine mustergültige Umsetzung einer ebenso beispiellos wie außergewöhnlich ausgefuchsten Koordination seiner monatlichen Ausgaben, nachhaltig zu konsolidieren, beharrlich nachging, indem er es konsequent unterließ sein mühsam erhartztes Kapital, durch jene unzweckmäßigen, ja beinahe schon grotesk anmutenden Risikokapitalanlagen, deren wohl bekanntester Vertreter vermutlich die, im Zuge der Globalisierung, längst zu unberechenbaren und hoch spekulativen Anlageprodukten herangewachsenen Unterhaltszahlungen sein dürften, deren primäres Ziel von der durchweg skurrilen Wahnvorstellung getragen wird, dass es sich dabei um eine realistisch zumutbare Erwartungshaltung handeln würde, wenn der biologischen Vater jedes einzelnen – auf die tatkräftige, elterliche Versorgung in lebensnotwendiger Weise angewiesenen – Kindes, plötzlich der Anforderung gerecht werden müsste, über ein Mindestmaß an Verantwortungsbewusstsein zu verfügen. Die 29-jährige Mutter der beiden Kinder, die in ihrem eigenen Leben – ohne an dieser Stelle natürlich ihren leidenschaftlichen Einsatz unerwähnt zu lassen, mit dem sie als Teenager maßgeblich daran beteiligt war, einer auserwählten Runde von etwa zehn Männern im Alter von 18 bis etwa 50 Jahren, von denen sich die meisten wohl in psychopathologisch höchst bedenklichem Zustand befunden haben dürften, die ganz besonders charmante Ehre zuteil werden zu lassen, den ausgesprochen freudvollen Umstand ihrer Anwesenheit zum Zwecke der vergnüglichen Umsetzung einer heiter-frohsinnigen Gang Bang Party, in Anspruch nehmen zu können – selbst nie irgendwas Nennenswertes auf die Reihe bekommen hat und nun von dem überschaubaren Einkommen lebt, das ihr arabischer Arbeitssklave mit ausbeuterischen Gelegenheitsjobs verdient, eröffnet plötzlich das Gespräch.

M: Warum fallen eigentlich so viele gut gebildete Menschen auf diese Alternativszene herein? Das werde ich nie verstehen.

P: Was meinen Sie mit Alternativ Szene?

M: Ich meine Gesundheitsgurus. Krebs durch Handauflegen heilen.

P: Achso. Naja, ganz so einfach funktioniert es ja auch in der Alternativmedizin nicht. Warte mal ab. Ich befürchte fast, dass sich unser Weltbild in naher Zukunft grundlegend ändern wird.

M: Ich warte auch darauf.

P: Ja, aber es wird in eine Richtung gehen, die dir überhaupt nicht passt. Du vertrittst immer noch deine aufklärerische, rationalistische Ideologie.

M: Zumindest habe ich etwas gegen Dogmen.

P: Du hast doch längst deine eigenen Dogmen. Das was du vertrittst ist der dogmatischste Scheißdreck, den es aktuell überhaupt gibt. Dieser radikal rationalistisch fundierte atheismus ist in seinem Kern dogmatisch.

M: Ich behaupte nur, dass die bisherigen Ideologien und Religionen falsch waren bzw. sind. Einen Alternativvorschlag habe ich nicht wirklich.

P: Du lebst – wenn man es anhand deines philosophischen Weltbildes beurteilen müsste – 200 Jahre in der Vergangenheit. Davon mal abgesehen: In dem Augenblick wo du eine Religion als “falsch” bewertest, wirfst du doch schon mit dem ersten Dogma um dich.

M: Außerdem, dass die Menschheit irgendwann einsehen muss, dass nur eine komplette Zusammenarbeit uns in die Zukunft der Kolonisation des Weltraums bringen wird.

P: Toll. Du switchst also zwischen 200 Jahren in der Vergangenheit und 10,000 Jahre in der Zukunft. Ist die Gegenwart so beängstigend für dich?

M: Wenn man die Religionen betrachtet, erkennt man doch, dass sie aus rein menschlichem Verhalten entstanden sind und in ihrer jetzigen Form einfach nicht zukunftsweisend sind. Ganz davon abgesehen ist die Gegenwart dermaßen langweilig. Das ist das Problem.

P: Überhaupt nicht! Du kriegst nur nix mit in deinem Mikrokosmos. Zukunftsweisend sind natürlich nicht Religionen. Zukunftsweisend ist das, was wir Menschen aus ihnen machen. Der Koran ist nicht umsonst so vieldeutig formuliert. Man kann den Koran nicht leben, wenn man sich darüber nicht zuvor erst einmal Gedanken gemacht hat. Und ganz davon abgesehen ist der Islam sogar ganz ausdrücklich dafür bekannt, dass er so gut wie keine Dogmen kennt.

M: Du argumentierst jetzt wirklich für den zukünftigen Weg des Islam? Ich bin gespannt.

P: Du checkst es nicht. Es geht nie um den Islam. Es geht um die Menschheit.

M: Dann bring mich dazu es zu kapieren. Mach weiter.

P: Laut islamischer Vorstellung ist jeder Mensch erstmal Muslim. Ich erinnere mich an eine Geschichte aus dem Leben des Propheten Mohamed. Daran sieht man es perfekt. Aber ich weiß jetzt nicht, ob ich es alles richtig zusammenkriege.

Ich glaube da ging es um ne Vergewaltigung oder sowas… Irgendwas kriminelles jedenfalls. Und die kamen dann zu Mohammed, der da sowas wie ein Richter war, der die Strafen verhängen und Urteile fällen durfte. Und er verhängte über den Beschuldigten – nachdem er sich ein entsprechendes Urteil über den Sachverhalt hatte bilden können – dann die Todesstrafe. So. Was passierte? Allah meldete sich bei ihm und teilte ihm mit, dass es dafür keine Todesstrafe gibt.

M: Wie praktisch.

P: Ja haha. Nein aber daran merkst du doch, dass selbst der Prophet Mohammed immer noch ein fehlbarer Mensch war.

M: Ja.

P: Die apokalyptischen Szenarien die der Koran skizziert, sind verdammt verstörend. Es gibt überall Andeutungen, in denen man fast prophetische Weissagungen herauslesen kann. Nein, nicht nur fast. Das ist ja genau das. Das ist ja der Inbegriff der prophetischen Andeutung.

M: Damit man sich in seinem religiösen Wahn bestätigt sieht.

P: Vollkommen natürlich… ist ja in jedem buch so (mit ironischem Unterton)

Gut, man findet das schon auch an manchen Stellen in den Ausführungen von Nietzsche. Das stimmt. Zumindest an denjenigen Stellen, die er im Endstadium seiner Neurosyphilis verfasste.

M: Ich denke diese Endzeitgedanken traten immer auf, wenn sich konkrete Wandel der Gesellschaft vollzogen. Veränderungen verstören den Menschen in seiner Gewohnheit.

P: Naja. Es hat einen Anfang gegeben. Da ist es schon durchaus nicht jenseits jeglicher Logik wenn man dann in Erwägung zieht, dass es irgendwann eben auch ein Ende geben wird.

M: Als der Mensch Bewusstheit über die Endgültigkeit des Todes erlangte, bzw. das Gefühl Trauer bei der Mehrheit der damaligen Menschen entstand, musste man sich ja irgendwas ausdenken. Religion ist ein Schutzmechanismus gegenüber der Desintegration von Gefühlen in das menschliche Seelenheil.

P: Nochmal: deine Herangehensweise wird dem Anspruch den die Religion an eine Diskussion haben muss nicht gerecht. Jetzt mal ganz ehrlich: Das ist doch vom Prinzip genau derselbe ignorante Käse, den jeder andere auch quatscht. Einfach weil man aufgeklärt wirken will.

M: Ja, genau.

P: Deswegen flüchtet man sich in diesen Mainstream Materialismus. Das nächste, was dann im selben Atemzug immer kommt, sind solche Aussagen wie „Gefühle sind nur Chemie”. “Gedanken sind nur elektrische Impulse.” “Der Mensch ist eine Maschine” “Wir können alles berechnen.”

M: Das ist ja auch erstmal so.

P: Das Ding ist: Das ist das erkenntnistheoretische Weltbild, das sich ausgehend von den Überlegungen Descartes‘ irgendwann etabliert hat. Rationalismus. Und für uns Europäer klingt das alleine deswegen schon so überzeugend, weil es dieser naturwissenschaftlich fundierte Rationalismus bzw. mit ihm verwandte intellektuelle Strömungen waren, die daran mitwirkten, die katholische Kirche von ihrer allmächtigen Position zu verdrängen, in der sie sowohl politisch als auch gesellschaftlich über die absolute Kontrolle verfügte. Und nur mal ganz nebenbei angemerkt: Gerade vor dem Hintergrund dieses massiven historischen Einflusses, welcher durch das Aufkeimen und letztlich auch die Etablierung einer kritischen, vernunftorientierten Auseinandersetzung mit den Dogmen der katholischen Kirche, im europäischen Raum eine grundlegende gesellschaftliche Wende einleitete, konnte sich der Rationalismus in der westlichen Welt als Wegbereiter einer freiheitlich ausgerichteten Kultur profilieren. Oder anders gesagt: In unserer westlichen Ideologie wurden die Dogmen der katholischen Kirche durch die Dogmen des empirischen Positivismus ersetzt: Alles was nicht wissenschaftlich „erwiesen“ ist, wird als „unwahr“ abgestempelt. Und da man die Existenz Gottes nicht empirisch beweisen kann, wird man von denjenigen, die sich für ganz besonders aufgeklärte Verfechter der Vernunft halten, ausgelacht oder sogar für verrückt erklärt, wenn man öffentlich erwähnt, dass man an Gott glaubt. Man wird also dafür verachtet, dass man eine, von den Prinzipien des Mainstreams, abweichende Denkweise hat. Und genau dieser Konflikt ist meiner Meinung nach eines der Kernprobleme im Verhältnis von Islam und westlicher Kultur. Denn aufgrund der Tatsache, dass sich dieser – in unserer westlichen Weltanschauung als „unfehlbar“ geltende – positivistische Grundsatz, vor allem deswegen durchsetzte, weil mit ihm die Entmachtung der katholischen Kirche in Europa einherging. Einen solchen Umbruch hat es im Islam in dieser Form nie gegeben. Genau das ist auch immer damit gemeint, wenn Europäer dem Islam unterstellen, er würde der westlichen Kultur 300 Jahre hinterherhinken, und damit voraussetzen, dass es zur Entwicklung eines jeden Kulturkreises gehört, dass er genau dieselben Stationen durchläuft wie die europäischen Gesellschaften. Tatsächlich wäre es allerdings weitaus schlüssiger vom exakten Gegenteil (also davon, dass die christlichen Glaubensgrundsätze hinter den Islamischen zurückgeblieben sind) auszugehen. Immerhin ist der Islam ca. 500 Jahre jünger als das Christentum, was man durchaus als Anhaltspunkt für die Überlegung heranziehen könnte, ob der Islam dann nicht möglicherweise auch 500 Jahre moderner ist.

M: Also für mich sind rational denkende Menschen näher an Spiritualität als Religionsanhänger.

P: Okay… das muss man jetzt aber hoffentlich nicht zwangsläufig verstehen was das jetzt wieder bedeuten soll…

M: Nun. Gebet, Gottvertrauen und Geborgenheit, Erkenntnis, Weisheit und Einsicht, Transzendenz-Überzeugung, Mitgefühl, Großzügigkeit und Toleranz, bewusster Umgang mit anderen, sich selbst und der Umwelt (entspricht im weitesten Sinne einem achtsamen Umgang auf horizontaler Ebene), Ehrfurcht und Dankbarkeit. Gleichmut und Meditation.

Das zeichnet Spiritualität aus.

P: Das hat doch alles überhaupt nichts mit Rationalismus zu tun.

M: Bis auf Gebete und Gottvertrauen sind das alles Punkte, die ein friedliches Miteinander ermöglichen würden.

P: Und was ist mit Transzendenz-Überzeugung? Großzügigkeit und Toleranz sind im Rationalismus meiner Meinung nach auch nicht zwangsläufig immer enthalten. Und Meditation schon mal gar nicht. Das ist doch weitestgehend sogar so ziemlich das Gegenteil von dem, was uns unser Rationalismus wirklich gebracht hat.

M: Transzendenz in dem sinne, dass man auch immer das noch nicht Erfasste im Blick behält. Mitgefühl und Toleranz ergeben sich zwingend logisch, wenn man denn alle Menschen zusammen bringen will. Ressourcen – sprich: die Umwelt – zu achten ist ja wohl mehr als rational gegenüber der Ausbeutung des eigenen Lebensraumes.

P: Wir meinen aber doch hoffentlich schon dasselbe, wenn wir von Rationalismus reden?

Rationalismus bedeutet meiner Meinung nach eher so viel, wie die Weltanschauung, deren Anhänger davon überzeugt ist, dass die ganze Welt rein materiell und in der folge auch messbar bzw. in mathematischen Systemen quantifizierbar ist.

M: “Rational” bedeutet ja eigentlich nichts anderes, als vernünftig bzw. logisch zu denken.

P: Haha, ich weiß nicht ob du Dr. Axel Stoll noch kennst.

M: Muss man wissen!

P: Der hat es interessanterweise manchmal recht gut beschrieben, was den Rationalismus im Grunde vielleicht ganz grob umschreibt, wenn er sagte: „Im prinzip brauchen wir nur drei Wissenschaften um alles zu beschreiben: Physik, Mathematik, Philosophie”. Da kommt dieser Kernaspekt nämlich auch wieder vor: Die Grundannahme, man könne mit naturwissenschaftlichen Mitteln “Alles” beschreiben.

M: Meditation ist gesundheitsfördernd und würde so einigen helfen, weniger Medikamente zu schlucken.

P: Ja, und warum setzt sich das nicht durch? Du sprichst genau den richtigen Punkt an mit der Meditation. Aber dann frag dich mal im nächsten Gedankenschritt, warum du als eine esoterische Spinnerin bezeichnet wirst, wenn du sowas in der Öffentlichkeit von dir gibst.

M: Kapitalismus.

P: Quatsch!

M: Ich meine echt super, dass der medizinische Fortschritt uns einiges ermöglicht.

P: Jetzt hör aber mal auf! Die Punk-Zeiten sind vorbei.

M: Ok.

P: Klar, der Kapitalismus ist sicherlich eine Parallelentwicklung zum Rationalismus. Passt ja auch gut zusammen. Sowohl Kapitalismus, als auch Rationalismus quantifizieren gerne alles. Die haben beide gemeinsam, dass sie die Welt mit mathematischen Gleichungen und letzten Endes eben in Form von Zahlen beschreiben. Das alleine ist es aber noch nicht.

Nein, du wirst deswegen für ne Esospinnerin gehalten, weil man das was du da vertrittst nicht in Zahlen empirisch nachweisen kann. Du kannst es nicht messen, du kannst es nicht mit den Mitteln der Naturwissenschaften beweisen. Dann ist es wertlos. Und du bist dann eben eine Esospinnerin. Und genau das ist doch das beste Beispiel dafür, dass gerade der Rationalismus immer dann unbrauchbar ist, wenn mal etwas sich dem Dogma der Messbarkeit entzieht.

M: Naja. Du redest von objektiver Rationalität. Dabei kann man auch in einem geschlossenen Denkmodell rational sein, obwohl es von außen betrachtet möglicherweise bescheuert ist. Nehmen wir mal das Beispiel “Beschneidung”. Für viele Gläubige ist das eine absolut rationale Handlung.

P: Du hast auch immer die selben Themen. Deswegen ist es nervig und sinnlos mit Müttern über sowas zu diskutieren. Man landet immer wieder bei irgendwelchen Kinderthemen.

M: Okay. Dann eben: Prügelstrafe.

P: Prügelstrafe?

M: Komplett rational.

P: Nicht wirklich.

M: Wenn man sich sicher ist dadurch positive Verhaltensänderungen zu erzielen.

P: Nein, stimmt nicht. Kann man ja nicht sein. Weil die Studienlage dagegen spricht. Und zwar deutlich.

M: Richtig. Das ist objektiver Rationalismus.

P: Ja, warum sollte das dann rational sein, wenn die sogenannten “Fakten” doch eindeutig dagegen sprechen, dass es stimmt?

Mal ganz ehrlich: Wenn wir uns jetzt wirklich darauf einlassen würden, “subjektiven” und “objektiven” Rationalismus voneinander zu unterscheiden, und diese beiden Teilgebiete als rationalistisch bzw. von mir aus auch “rational” – wie du es ja nanntest – durchgehen lassen….

M: Ja, solange es in den eigenen Wertekontext passt und durch eigene Lebenserfashrung abgesichert ist.

P: Dann können wir uns die Verwendung des Wortes “rational” im Grunde auch gleich komplett schenken. Weil dann wäre ja alles Handeln immer rationalistisch/rational.

M: Du hast Recht. Es ist wohl einfacher beim objektiven Rationalismus zu bleiben.

P: Das macht überhaupt alles nur dann einen Sinn, wenn man Rationalismus generell einen objektivistischen Ansatz unterstellt. Und wenn wir ehrlich sind: Im Grunde ist unsere Vorstellung von Objektivität doch überhaupt erst aus diesem Gedankenkonzept der naturwissenschaftlichen Messbarkeit hervorgegangen. “Objektiv” ist doch eigentlich auch nur ein anderes Wort für messbar. Überprüfbar. Verifizierbar. Aber genau da sehe ich halt diese erkenntnistheoretische Sackgasse, in der wir uns befinden. Wir hängen immer noch an dem Wunschdenken, dass wir dazu in der Lage wären mit High End Technologien wirklich alles messen zu können. Alles zu quantifizieren. Und immer dann, wenn etwas nicht quantifizierbar ist, dann erklären wir es für unwissenschaftlichen Schwachsinn. Und wenn du mich fragst: ich glaube, dass wir mit diesem Modell in naher Zukunft nicht mehr weiter kommen werden. Und als jemand, der 5 Jahre lang in einer Medizinischen Fakultät studiert hat, kann ich dir genau davon ein Lied singen.

Es ist ein vollkommener Irrsinn!

Vollkommen hirnrissig…

Man wird komplett erschlagen von einer Lawine von empirischen Erhebungen. Und ganz besonders absurd wird es ja dort, wo sich die Forschung plötzlich zum Selbstzweck entwickelt. Es werden in Zukunft immer mehr Medikamente auf den Markt kommen, die ganz unzweifelhaft nachweisbar, effektiv dazu in der Lage sein werden Krankheiten vollständig zu kurieren, die bis dahin als unheilbar oder gar tödlich galten.

Und ich rede da gerade nicht von irgendwelchen one-in-a-billion-Krankheiten sondern von weltweit verbreiteten, bekannten Erkrankungen. Was weiß ich: Multiple Sklerose, Morbus Parkinson, Alzheimer Demenz, alle möglichen Krebserkrankungen, HIV/AIDS, usw.

Aber es wird sich nur noch ein winziger Teil der Menschen diese Medikamente leisten können.

Und in diese Welt hast du zwei Kinder gesetzt. Herzlichen Glückwunsch!

Nein… ich gebe es ja zu: ist natürlich auch Quatsch so zu denken.

Es ist eigentlich vielleicht sogar vielmehr das Gegenteil der Fall.

Ich finde dieses Geschwätz von wegen “Wir müssen uns darum kümmern, dass wir den nächsten Generationen eine perfekte Welt hinterlassen… bla bla bla” vollkommen dämlich.

Nein…

Deine beiden kleinen Hoffnungsschimmerchen mit ihrem ganzen Potenzial, das nur darauf wartet, dass es sich entfalten kann. Das sind diejenigen, das sind die frischen, unverbrauchten Köpfe, die mit der richtigen Unterstützung diejenigen sein werden, die die Welt wirklich verändern.

Teil 1 – Question Authorities beim Japantag 2017 in Düsseldorf – Kulturmesse oder Freiluft-Psychiatrie?

IMG_0778.JPG

Um 13:00 Uhr – Offizielle Begrüßung und Eröffnung

Die Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens war – wie bereits in den 15 vorangegangenen – auch in diesem Jahr wieder  Ausrichtungsort des Japantages. Etwa 750.000 Besucher waren dort im Vorfeld erwartet worden. Laut RP ONLINE wurden es dann letztlich 650.000. Immer noch eine beachtliche Hausmarke. Vor allem wenn man dazu die 6.500 Japaner, die in der „Düsseldorfer Japantown“ leben, ins Verhältnis setzt. Dabei handelt es sich vor allem um Mitarbeiter der über 400 japanischen Unternehmen, die in dieser Region ca. 25.000 Arbeitsplätze bereitstellen. Das erklärt im Übrigen auch, warum ein Japan- aber nicht etwa ein Polentag in Düsseldorf stattfindet. In der Stadt gibt es – ausgehend von den 6.500 Japanern – etwa sechs mal so viele Polen, fünf mal so viele Türken und mehr als doppelt so viele Marokkaner. Warum gibt’s diese Tage nicht? Ganz einfach: Polen schaffen keine Arbeitsplätze, sondern nehmen sie der biodeutschen Bevölkerung weg. Auch die Deutsch-Polnische Vergangenheit ist nicht immer ganz so auf gleicher Wellenlänge gewesen, wie die Deutsch-Japanische. Marokkaner und Türken sind zwar fast genau so unfähig wie Japaner, wenn es darum geht sich  in die rheinländischen Hochkultur zu integrieren. Da es sich bei diesen beiden allerdings um islamisch geprägte Herkunftsländer handelt, in deren Kulturkreisen Kopftücher bzw. Gesichts- oder Ganzkörperschleier aus Gründen der religiösen Überzeugung getragen werden, und nicht etwa im Dienste der westlich-aufklärerischen Mission, als Anime-Charakter stundenlang auf dem selben Fleck zu stehen und darauf zu warten, dass man von wildfremden Passanten fotografiert oder umarmt wird, ließen sich diese beiden fremden Kulturen allerdings auch kaum gegenüber einem kulturell derart anspruchsvollen Publikum, vermarkten.

Screen Shot 2017-05-21 at 20.11.06.png

links nach rechts: Person 1, Person 2,  Kaonashi (Chihiros Reise ins Zauberland), Muslima


Der Umgang mit fremden Kulturen ist für uns Deutsche nicht immer so einfach. Die Einen haben Angst vor ihnen. Angst davor, dass die eigene, die vertraute, die deutsche kulturelle Identität durch die gesellschaftlichen Wertevorstellungen zugewanderter Bevölkerungsgruppen verwaschen oder gar verdrängt werden könnte. Während Andere, jegliche National-Identität als Deutsche entweder verloren zu haben scheinen, oder sogar als Bedrohung ansehen, die es mit allen Mitteln zu bekämpfen gilt. Und tatsächlich muss man Letzteren einen gewissen Erfolg einräumen. Wie kaum ein anderes Volk haben wir Deutschen es vollbracht, uns unser eigenes Nationalbewusstsein sowie den damit verbundenen historisch gewachsenen Wertekanon so weit austreiben zu lassen, dass wir uns sogar nach knapp 150 Jahren der fortwährenden Identitätsentwicklung, jetzt wieder – ebenso verzweifelt wie aussichtslos – damit abmühen müssen, überhaupt einen grundsätzlichen Konsens über die charakteristischen Wesensmerkmale unserer „Leitkultur“ zu finden. Als Ergebnis dieser ungelösten, womöglich gar unlösbaren Identitätskrise, offenbart sich eine deutsche Bürgergemeinschaft, die sich von dem Prinzip einer allgemein akzeptierten Gesellschaftsmoral, als kleinster gemeinsamer ethischer Nenner, als gesellschaftsübergreifend anerkannter Wertekompromiss, weitestgehend verabschiedet hat. Als Folge dieser Entwicklung zeigt sich eine stark individualistisch geprägte Gemeinschaftsstruktur, die sich vornehmlich durch regelmäßig aufflammende Reibereien zwischen den Vertretern rivalisierender ideologischer Gruppierungen, auszeichnet. Wutbürger vs. Gutmenschen. Patriotische Europäer vs. Islamisierung des Abendlandes. Rechtspopulisten vs. Lügenpresse. Antifa vs. Neonazis. Feminist*Innen vs. Chromosomensatz.

Welcome to the jungle

IMG_0697.JPG

Der erste Einblick: Lolita, Cosplay, Kogal, Otaku, Visual Key – Kulturschock

Ja, willkommen im Dschungel. Ein Menschendschungel. Wir hatten gerade – da war es etwa gegen 11:30 Uhr – den Weg von der Haltestelle Benrather Straße durch die Düsseldorfer Altstadt hin zum Rheinufer hinter uns gebracht und uns durch das Container-Labyrinth hindurch gekämpft, das – wie ich hinterher erfuhr – die gemeingefährlichen Suizid-Trucker davon abhalten sollte, einen von ihren, zuletzt ja immer mehr in Mode gekommenen, gesundheitsschädlichen off-road Trips, in die Tat um zu setzen. Als ich dann endlich den ersten weit schweifenden Blick über die Rheinpromenade werfen konnte, wurde mir erstmal wirklich bewusst, was mich an diesem Tag erwarten würde….

IMG_0742.JPG

Nein. So viel „Karneval“ hatte ich wirklich nicht erwartet. Vor allem das sogenannte Cosplay ist hier gut zu erkennen. Dabei handelt es sich um eine Subkultur, in der es darum geht sich Kostüme zu basteln, mit denen man dann einen spezifischen Charakter – häufig findet man da Figuren aus Filmen, TV Serien/Anime, Manga-Literatur oder Videospielen –  seiner Wahl repräsentiert. Und auch wenn ich mich nur noch ganz vage daran erinnern konnte etwas ähnliches vor Jahren schon mal in der Nähe der Zeil in Frankfurt am Main gesehen zu haben – Es war für mich erst mal ein Kulturschock. Und nachdem ich die entsprechen Online-Beiträge von WDR („Japan-Tag: Schrill, schriller, Düsseldorf“) und RP ONLINE („Das bunteste Gedränge des Jahres“) überflogen hatte, war ich zumindest erstmal insoweit erleichtert, als dass der Kollege Andreas Sträter von der Online-Berichterstattung beim WDR, oder Lisa Klose und Anne Orthen, die für RP ONLINE berichteten, offenbar ähnlich überwältigt waren wie ich.

Was dem Journalistenauge verständlicherweise nun nicht auffällt, dem Psychiatrie-erprobten Auge nach 10 Semestern Medizinstudium mit umfangreichen Erfahrungen in der Therapie von Patienten mit emotional-instabiler Persönlichkeitsstörung vom Borderline Typ (die Gefahr für einen Tod durch Suizid liegt bei etwa 10 – 15 %), allerdings sehr wohl: erwartungsgemäß ließen sich – nach meinem Eindruck – bei dieser Veranstaltung überproportional viele – insbesondere weibliche – Teenager erkennen, deren Arme und Oberschenkel augenfällige Schnittnarben aufwiesen, wie sie für Borderline-Patienten charakteristisch sind. Und in diesem Zusammenhang halte ich persönlich es für durchaus erwähnenswert, dass man sich – gerade was das Thema Suizid angeht – vergegenwärtigen muss, dass Suizide in Japan unter den 10 häufigsten Todesursachen zu finden sind. Die Suizidrate (age-Standardized death rate per 100,000 population) ist dort  fast doppelt so hoch (18.78) wie in Deutschland (9.59).

Natürlich würde es von ungeheuerlicher Einfältigkeit zeugen, würde ich aus den paar flüchtigen Eindrücken nun einfach eine generell erhöhte Borderline-Prävalenz innerhalb der Cosplay-Szene, schlussfolgern. Da ich trotz umfangreicher Recherche allerdings aber auch keine aussagekräftigen, evidenzbasierten Erhebungen auffinden konnte, die in dieser Frage gegebenenfalls als Orientierungspunkt herangezogen werden könnten, bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als uns unsere eigenen Gedanken darüber zu machen, ob mein subjektiver Eindruck mehr über die Cosplay-Szene, oder nicht vielleicht doch viel mehr etwas über mich, meine Wahrnehmung oder auch meine Einstellung ihr gegenüber, aussagt.

Screen Shot 2017-05-22 at 04.09.08

Weiter geht es im nächsten Teil. Da werde ich der Psychologie der Cosplayer auf den Grund gehen. Außerdem habe ich aufschlussreiche Interviews in der Fußgängerzone geführt.

Die Borderline-Gesellschaft

2010: „Modediagnose: Borderline-Störung (BLS) oder Symptom unserer Gesellschaft?“ -Aachener Zeitung

2011: „Wahnsinnige Liebe – droht eine Borderline-Gesellschaft?“ – Hamburger Abendblatt

2014: „Unsere narzisstische Borderline-Gesellschaft“. – Abendzeitung München

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung. Wurde 2010 – möglicherweise auch in Ermangelung des rechten Verständnisses dieser Psychopathologie – noch darüber diskutiert, ob es sich dabei überhaupt um eine handfeste Störung, oder nicht doch vielmehr um eine neumodische Erfindung der Psychiatrie handele, so war spätestens seit dem Jahr 2014 auch in die Öffentlichkeit das Bewusstsein darüber eingekehrt, dass dieses Syndrom längst zu einem Teil unserer Gesellschaft geworden war. Deutlich wird dies unter anderem  daran, dass diese Thematik immer öfter auch zum Gegenstand theatralischer Aufarbeitungen wurde. Wie zum Beispiel auch (der oben verlinkte Artikel der Münchner Abendzeitung enthält dazu weiterführende Informationen) in Claus Peter Seiferts moderner Inszenierung des klassischen Phädra-Hippolytos-Stoffes (von Michael Wüst), in der der moralische Verfall ebenso wie die Auswüchse eines erbarmungslosen gesellschaftlichen Machtkampfes, ins Zentrum der szenischen Darstellung gestellt wurden.

Die Fakten lassen sich kaum von der Hand weisen. So gut wie alle seriösen Quellen, die man zu dieser Fragestellung zu Rate ziehen kann, berichten übereinstimmend eine zunehmende Prävalenz der Borderline-PS in unserer Gesellschaft. Um nur mal eine davon exemplarisch hervorzuheben, möchte ich die Einschätzung des Psychiaters und Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), Prof. Dr. Arno Deister zitieren, wie sie in der – bereits im Jahr 2009 erschienenen – vierten Auflage des Psychiatrie-Lehrwerkes „Duale Reihe – Möller u.a., Psychiatrie und Psychotherapie“ zu finden ist. Darin lautet es nämlich wie folgt:


Borderline-Störungen nehmen in den letzten Jahren sowohl nach Häufigkeit als auch nach Schweregrad zu.

Die Geschlechtsverteilung ist unterschiedlich. Bei Männern werden häufiger dissoziale und zwanghafte Persönlichkeitsstörungen diagnostiziert, Borderline- Störungen sowie selbstunsichere und abhängige Persönlichkeitsstörungen sollen häufiger bei Frauen auftreten. (S. 357)


Eine ähnliche Beurteilung findet sich auch an anderen Stellen. Auf der Internetseite www.borderline-borderliner.de heißt es:


In Deutschland leiden ca. 2% der Bevölkerung am Borderline-Syndrom, das sind ca. 1,6 Millionen Menschen. Sieht man sich speziell junge Menschen an, so leiden bis zu 5% von ihnen unter der Krankheit.

In Kliniken, die psychische Störungen stationär behandeln, sind ca. 15% der Patienten Borderline-Patienten. Ambulante Therapien sind zu ca. 20% von an Borderline leidenden Menschen belegt.


Und weiterhin:


Der Ausblick in die Zukunft ist noch düsterer: Man geht davon aus, daß immer mehr Menschen, besonders Jugendliche, an einer Borderline-Erkrankung leiden werden. Offensichtlich bietet unsere Gesellschaft einen guten Nährboden für diese Erkrankung.


Man könnte die Liste kongruenter Bewertungen nun bis ins Unermessliche fortführen. Um diesen Artikel nun jedoch nicht in eine wissenschaftliche Fachdiskussion empirischer Erhebungen ausufern zu lassen, will ich an dieser Stelle darauf verzichten und stattdessen im weiteren Verlauf meiner Ausführungen von der Annahme ausgehen, dass die geschilderten Entwicklungen als erwiesene Fakten zu betrachten sind.

Diese werfen jedoch eine wesentliche Frage auf. Ausgehend von den Überlegungen, die im – zuletzt zitierten – Auszug aus borderline-borderliner.de angestellt werden, sind als mögliche Ursache für den Vormarsch der Persönlichkeitsstörung, gewisse gesellschaftliche Umstände in Betracht zu ziehen, womit sich ja der Bogen zum Begriff der „Borderline-Gesellschaft“ wieder spannen lässt. Die Frage, die sich daraus allerdings ergibt: Um welche Aspekte unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens handelt es sich dabei konkret?

Und als zweiter Aspekt, der gegebenenfalls einer Erörterung bedarf: Wieso sind von dieser Persönlichkeitsstörung Frauen stärker betroffen als Männer?

Nun könnten Sie, als nicht unmittelbar Betroffener, gewiss sagen: „Ist ja alles schön und gut. Aber was hat das alles mit mir zu tun?“

Doch die Antwort auf diese Frage ist schnell gefunden, wenn man wiederum seinen Blick auf die Zahlen – wohlgemerkt aus dem Jahre 2009 ! – richtet, die in der Fachliteratur beschrieben werden:


Man kann davon ausgehen, dass 15 – 20 % der gesamten Behandlungskosten für psychische Störungen durch Patienten mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung verursacht werden.

[Thieme] Duale Reihe – Möller u.a., Psychiatrie und Psychotherapie (4. Aufl. 2009), S.364


Diese Erkrankung ist also nicht nur für die Betroffenen und deren Angehörige ein Problem, sondern darüber hinaus auch ein relevanter Kostenfaktor für die Allgemeinheit, der gerade auf der Basis der Annahme, dass diese Pathologie sich auch in Zukunft immer weiter verbreiten wird, Besorgnis erregende Ausmaße anzunehmen im Stande sein könnte. Und es ist dabei noch zu berücksichtigen, dass hier nur von den Kosten die Rede ist, die sich aus der unmittelbaren, psychiatrischen Therapie ergeben. Die finanziellen Belastungen, die durch die Folgen der Borderline-assoziierten Verhaltensmuster (u.a. ungeschützter Sexualverkehr bzw. riskante Sexualkontakte, Drogenkonsum, mangelnde Fähigkeit den eigenen – z.B. beruflichen – Pflichten nachzukommen → Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt) für die Allgemeinheit entstehen, finden hier noch überhaupt keine Berücksichtigung.

Will man die Talfahrt des Sozial- und Gesundheitssystems in Richtung ihres Zusammenbruchs aufhalten, so ist – offenkundig – eine gründliche Ursachenforschung notwendig.

Eine Annäherung an eine eben solche wagte auch Alexander Schuller im Jahre 2011 in seinem Artikel „Wahnsinnige Liebe – droht eine Borderline-Gesellschaft?“, den ich eingangs bereits erwähnt hatte. Darin kommt er zu folgendem Schluss:


Als eine der Hauptursachen für diese Form von Erkrankungen werden „frühkindliche Bindungsstörungen“ angesehen. Das Borderline-Syndrom wird zumeist durch Verlustängste, vielfach aber auch durch sexuellen Missbrauch oder körperliche Misshandlung ausgelöst. Etwa drei Viertel aller Betroffenen sind Frauen. Die Mehrzahl wächst ohne Vater auf, die Familien nehmen sich zu wenig Zeit für die Kinder, die sich zwangsläufig abgeschoben und wertlos vorkommen müssen und jahrelang darunter leiden.


Und in der Tat lassen sich auch diese Zusammenhänge mit empirischer Evidenz unterfüttern.

Diese Fakten nun, unter der Maßgabe dabei gesellschaftsfähig bleiben zu wollen, in eine politisch-gesellschaftliche Erkenntnis zu überführen, ist im Grunde unmöglich. Denn im Kern sind sie nichts anderes als die Feststellung, dass alles das, was uns als Gebot der political correctness – wie beispielsweise Toleranz gegenüber alleinerziehenden Müttern, Gleichberechtigung der Frauen auf dem Arbeitsmarkt – eingetrichtert wurde, der Virus ist, unter dem unsere Gesellschaft am meisten leidet. Und, wie ich bereits dargelegt habe, ist alles das schon seit über 10 Jahren bekannt. Und den Zusammenhang mit den gesellschaftlichen Entwicklungen, welche durch den Vormarsch des feministischen Irrsinns, ebenso wie das Aufweichen des traditionellen Rollenverständnisses von Mann und Frau, oder die Liberalisierung der Sexualmoral, geprägt sind, zu erkennen, ist im Grunde trivial. Und das war es auch schon vor 8 Jahren. Man sollte doch annehmen, dass eine Gesellschaft, die sich selbst als aufgeklärt und vernunftbegabt betrachtet, auf der Basis ihres Verständnisses dieser Zusammenhänge, den Wunsch entwickeln müsste, den sozio-kulturelle Wandel, den man als Katalysator für jene unbehaglichen Tendenzen ausgemacht hat, aufzuhalten. Das exakte Gegenteil ist jedoch der Fall. Noch immer lassen wir selbst die irrwitzigsten Weltanschauungen feministischer „Gutmenschen“ gewähren. Noch immer gilt man als rückschrittlich und verbohrt, wenn man die Nihilisierung der klassischen Gesellschaftsmoral kritisiert. Und unterdessen ist zu beobachten, wie sich pseudo-intellektuelle Weltverbesserer öffentlichkeitswirksam, aller rationalen und empirischen Evidenz zum Trotze, ob ihres Engagements im Sinne einer weiteren Intensivierung all jener gesellschaftlichen Ausprägungen, die dem Niedergang unserer Kultur am wirksamsten Vorschub leisten, zelebrieren lassen dürfen.

Und an diesem Punkt ist die Grenze meines Verständnishorizontes überschritten. Und mir bleibt in diesem Sinne wohl nichts anderes übrig, als darauf zu hoffen, dass mir irgendjemand, der dieses Paradoxon aufzulösen im Stande ist, nachvollziehbar erklären kann, weshalb wir noch immer so unbekümmert in dem Zug sitzen, der mit Vollspeed auf den Abgrund zusteuert. Ich kann es nämlich nicht.

 

Es lebe die Ratio!

„Scheiße. Wieso bin ich so instabil.“
„Weil du genau das gerade denkst. Das was dich belastet ist nicht direkt der Schulstoff. Auch der damit einhergehende Stress ist noch nicht der ausschlaggebende Faktor. Sondern deine Angst dem Stress nicht gewachsen zu sein.“
„Hm. Gut möglich.“
„Und diese Angst hält sich selbst dadurch immer wieder am Leben, indem sie zu Misserfolgen führt, die deine Befürchtung unter dem Stress zusammenzubrechen verstärken. So. Und genau da musst du den circulus vitiosus durchbrechen.“
„Das ist aber schwer.“
„Und das schaffst du nur, indem du eine Fähigkeit benutzt, von der ich weiß dass du über sie verfügst, nämlich deine Emotionen zugunsten der rationalen Wahrnehmung der Realität unter Kontrolle zu behalten. So. Also. Hör endlich mit dem Kotzen auf! Und analysiere deine Situation unter Verwendung der Kapazitäten deines Frontallappens! Und vor allem konzentriere dich auf deine eigenen Aufgaben. Und blocke jedes Gefühl, von dem du befürchtest es könnte wieder in Ängste oder emotionalen Kontrollverlust übergehen, einfach ab. Und das ist alles andere als einfach. Vor allem auch deswegen, weil du natürlicherweise mit der Angst lebst, dass du mich durch deine Entscheidung verlieren könntest. Wenn ich dein Psychiater wäre, würde ich dir jetzt raten, den Typen zu vergessen. Also komplett aus dem Leben zu streichen um dich von dieser Angst zu lösen.“
„Du würdest mir also empfehlen, dich zu vergessen?“
„Ja, das sowieso. Aber auch komplett blocken. Ja, ist doch toll auf welche genialen Lösungsansätze man kommt, wenn man seinen rational-analytischen Verstand bemüht!“
„Ja. Stimmt.“
„Es lebe die ratio!“
„Stimmt.“
„Ja. Ok.“
„Will dennoch nicht leben.“
„Das hättest du dir überlegen sollen, bevor du als Spermium die Eizelle befruchtet hast. Denk doch mal an diese Zeit zurück. Wie zielstrebig du als Samenzelle, den ungebändigten Traum, die Pforte zum Glück des Lebens als der Eine von Millionen zu durchschreiten, unter Aufbringung all deiner Energiereserven, den beinahe für unbezwingbar geglaubten Weg bis hin zum Ovar, durchkämpftest. Oder einen Schritt weiter: Gehe mit deinen Gedanken zurück zu den Anfängen der Erdgeschichte, in die Zeit des Hadaikum.“
„Ich entscheide mich dafür, die Eizelle zu sein. Die dazu gezwungen wurde.“
„Haha! Du warst also eine Eizelle, die an jedem Tag, den sie die Reise durch den Eileiter bestritt, auf deren Weg sie dem bevorstehenden Ansturm befruchtungswilliger Samenzellen immer näher kam, betete, nicht diejenige sein zu müssen, die das Los trifft, der kalten Erbarmungslosigkeit des Lebens jemals ins Auge blicken zu müssen?“
„Ja. Du hast es erfasst.“
„Tja. Da standest du natürlich auf verlorenem Posten. Denn wie wir ja aus der fleißigen Lektüre jener Schriften der interracial breeding Bewegung lernen durften, ist black sperm dem Korrelat der weißen Rasse, weit überlegen.“
„Wtf?!“
„Ja, das behaupten die. Aber ist es nicht erschreckend, wie bereits in den aller ursprünglichsten Zügen deiner Entstehung, die metaphorische Vorankündigung für den Ansturm männlicher Individuen afrikanischer Herkunft auf die europäische Hilflosigkeit, ihren Niederschlag fand? Und gleichermaßen ist das, was sich daraus entwickelte, nämlich deine materielle, deine biologische Gegenwart als Lebewesen, auch der versinnbildlichte Ausblick, den wir auf die Zukunft unserer Gesellschaft haben. Ob das Ergebnis dieses Ansturms das Scheitern der daraus hervorgegangenen Gesellschaft ist.“
„Möglich.“
„Dein Leben ist der Hoffnungsschimmer eines ganzen Kulturkreises.“
„Nein.“
„Doch. Meine Hoffnung hängt an deinem Schicksal.“

Feminismus? Fetischismus? Faschismus! – Der Tragödie zweiter Teil

Basierend auf dem vorangegangenen Artikel mit dem Titel „Feminismus? Fetischismus? Faschismus!“ möchte ich in diesem Beitrag auf die Fragen eingehen, die bislang noch unbeantwortet geblieben waren.

In dem Beitrag hatte ich über eine feministische – so zumindest bezeichnet sie sich selbst – Bloggerin berichtet, die ganz augenscheinlich wenig davon hält bei der Formulierung ihrer – hirnrissigen – gesellschaftsphilosophischen Thesen die Kapazitäten ihres Gehirns vollumfänglich auszuschöpfen.

Um Ihnen noch einmal einen Überblick über die – bis dato – behandelten Inhalte zu geben, hat unsere Medienredaktion eine Zusammenfassung in Form eines Videos zusammengestellt, in der Sie sich die ganze Dramatik, die mit diesem Thema vergesellschaftet ist, zu Gemüte führen können.

Um nun aber zum Wesentlichen zu kommen, greife ich noch einmal die Fragen auf, deren Beantwortung ich Ihnen – werter Leser – zuletzt noch schuldig geblieben war.

  1. Gibt es diese Verbindung zwischen Feminismus und radikalen/extremen ideologischen Konzepten (z.B. Rassismus, Sozialdarwinismus, Misandrie) tatsächlich?
  2. Und wenn ja: welche Ursachen stecken dahinter?

Ich gebe zu: so ein tumblr Blog ist nun für sich genommen eigentlich noch kein Anlass um wirklich ernsthafte Bedenken hinsichtlich einer menschenverachtenden Radikalisierung des Feminismus zu entwickeln. Normalerweise würde ich einem solchen Produkt fehlgeschalteter Synapsen – wie es der pseudo-wissenschaftlich eugenische Denkansatz der zitierten Bloggerin darstellt – auch keinerlei Bedeutung zukommen lassen. Hätte es da nicht den Fall Aurora Rodríguez gegeben.

Konkret handelt es sich dabei um einen längst in Vergessenheit geratenen Mordprozess gegen eben jene Auroa Rodríguez. Ich werde auf die wesentlichen Kernaspekte, die im Zusammenhang mit diesem Prozess von Bedeutung sind, noch genauer eingehen. Was ich vorweg allerdings erwähnen will: Aurora Rodríguez ermordete nicht irgendwen. Sondern ihre eigene Tochter, Hildegart Rodríguez. Nun wird sich der geneigte Leser aber natürlich noch immer die Frage stellen, was das alles jetzt mit Feminismus zu tun haben soll.

Ich möchte Ihnen zur Einführung in die tiefergehende Auseinandersetzung mit diesem Thema daher zunächst den – in meinen Augen – überaus interessanten Trailer eines relativ unbekannten Filmprojektes mit dem Titel „Hildegart oder Projekt: Superwoman“ aus dem Jahre 2016 ans Herz legen.

So. Nun habe ich Ihnen – werter Leser – allerdings genug diffuse, bisweilen gar zusammenhanglos anmutende Informationen dargeboten. Um an dieser Stelle einmal eine gewisse Zäsur zu machen, komme ich jetzt zum konkreten Punkt.

Und zwar handelt es sich bei dem Fall, auf den ich bereits zuvor hingewiesen hatte, um ein historisches Fallbeispiel – datiert auf das Jahr 1933 – für eine spezielle Art der weiblichen Perversion, auf das ich erstmals im Rahmen meiner Studien auf dem Feld der Sexualmedizin, aufmerksam wurde. Dieses behandelt die Geschichte der Spanierin Aurora Rodríguez.

Diese beginnt mit dem Tode ihrer Mutter, welcher sich zutrug als Aurora gerade in der Pubertät ist. Tatsächlich empfindet sie das Ableben ihrer Mutter weniger als Trauma, sondern – so zumindest wird es im Werk „Sexualmedizin – Beier, Bosinski, Loewit“ geschildert – vielmehr als Befreiung. Als Aurora 18 Jahre alt ist verstirbt auch der Vater. Aurora – nun auf sich alleine gestellt – geht ihren Weg, und bewerkstelligt es bis zu ihrem 23. Lebensjahr finanziell stabil auf eigenen Beinen zu stehen. Neben ihrer finanziellen Unabhängigkeit strebt Aurora auch nach ideologischer Entwicklung, und arbeitet sich durch den intellektuellen Dschungel zeitgenössischen Materials mit Hauptaugenmerk auf feministische Gesellschaftstheorien. Im Zuge dieser gesellschaftswissenschaftlichen Horizonterweiterung entwickelt sie auch ihr eigenes Weltbild und wird unterdessen zu einer überzeugten Feministin. Zu analysieren ist diese Entwicklung vor dem kulturhistorischen Hintergrund der spanischen Gesellschaft und der Rolle der Frau innerhalb derselben, während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Um dieses in aller Kürze auf einige wenige Worte herunter zu brechen: Von Gleichberechtigung – keine Spur. Geprägt von den erzkonservativen Paradigmen der katholischen Kirche, beschränkte sich der gesellschaftliche Radius, welcher der einfachen Frau zugewiesen war, auf die Erledigung häuslicher Arbeiten und wurde bestenfalls durch den alltäglichen Kirchengang für einen begrenzten Zeitraum durchbrochen. Insbesondere in den niedrigeren sozialen Schichten konnten viele Familien ihren Unterhalt des weiteren nur dadurch bestreiten, dass die Hausfrauen neben ihrer Arbeit in den heimischen vier Wänden sich zusätzlich in Manufakturen (z.B. der Textilindustrie) oder als Dienstmädchen wohlhabenderer Haushalte betätigten, um ihr Einkommen aufzubessern. Natürlich nicht weil sie daran Spaß hatten, sondern vielmehr weil die Not dazu zwang.

Als dann 1936 ein Militärputsch, unter der Führung des autoritär geprägten Agitators Francisco Franco das Ende der sogenannten 2. Republik – so bezeichnet man jene politische Epoche, in der die, im vorangegangenen Absatz skizzierten, sozialen Zustände das Bild der spanischen Gesellschaft prägten – einleitete, lag eine, alle ideologische und gesellschaftliche Lager durchziehende, Hoffnung auf politischen Umbruch in der Luft. Zwar erlangte in der Folge des Militärputsches mit Franco ein autoritär-konservativ veranlagter Diktator, die alleinige politische Macht in Spanien. Doch innerhalb der spanischen Bevölkerung kristallisierten sich im gleichen Zug auch antagonistische, antifaschistische bzw. sozialistische Interessensgemeinschaften heraus, die gegen die Franco-Diktatur kämpften. Nicht zuletzt war es ja auch dieser Konflikt, der letztlich in den Ausbruch des spanischen Bürgerkrieges mündete.

Die Ideologien, die sich im Zusammenhand dieses Bürgerkrieges entwickelten waren es dann auch, die einen militanten, sozialistischen Feminismus hervorbrachten. Aus den sozialistischen Gruppierungen gingen zahlreiche Frauenorganisationen hervor. In den spanischen Großstädten beteiligten sich junge feministische Sozialistinnen – die sogenannten „milicianas“ – aktiv an bewaffneten Straßenkämpfen.

Vor dem Hintergrund dieser politischen Zeitumstände, ist auch – um wieder zum Leitgedanken des Artikels zurück zu kehren – der ideologische Selbstfindungsprozess der jungen Aurora Rodríguez zu betrachten. Denn auch sie entwickelte sich – wenn auch schon gut 20 Jahre vor der Machtergreifung Francos – zu einer radikalen Feministin.

Getrieben von dem Wunsch, das weibliche Rollenverständnis von einer unmündigen Haushaltshilfe, Gebärmaschine oder des sexuellen „Gebrauchsgegenstandes“, zu revolutionieren, propagierte Aurora Rodréguez die Vision von einer Gesellschaft, in der der Frau eine Bedeutung als – sowohl intellektuell als auch hierarchisch – privilegiertem, herrschenden Überwesen zukommen sollte, während sich die Funktion des Mannes auf diejenige des physiologischen Samenspenders beschränken sollte. Frauen sollten – ihren Überlegungen entsprechend – aus dem Pool dieser „Samenspender“ dann diejenigen, die das beste Erbmaterial bereitstellten, für die Zucht ihrer Nachkommen heraus selektieren. Man kann ihre Vorstellungen also zusammenfassend folgendermaßen beschreiben: Während männliche Nachkommen zu unterwürfigen, unmündigen Samenspendern erzogen werden, sollte den weiblichen von Anfang an eine elitäre kulturelle sowie intellektuelle Förderung zukommen, um ein matriachal organisiertes System, welches durch eine weibliche Herrschaftselite angeführt wird, aufrecht zu erhalten.

Genau diese Theorie setzte Aurora dann auch in die Praxis um. In einer Zeitung inserierte sie die Suche nach einem „physiologischen Mitarbeiter“ – so nannte sie den Mann, der als Zeuger ihrer Tochter fungieren sollte – für ihr „Projekt“. Und sie wurde fündig. Und schwanger.

Ihre Tochter – Hildegart Rodríguez – wurde zu ihrem „Meisterwerk“. Aurora ignorierte alles das, was gemeinhin über die Erziehung eines Kindes als „richtig“ angesehen wurde. Vom ersten Tag ihres Lebens an wurde Hildegart zu einer „Überfrau“ erzogen. Als Hildegart drei Jahre alt ist erwirbt sie ein Zertifikat über Maschinenschreibkenntnisse. Sie wird eingeschult bevor sie das fünfte Lebensjahr vollendet. Überspringt einige Klassen. Mit acht Jahren beherrscht Aurora 6 Sprachen. Mit 13 Jahren beginnt sie ein Jurastudium und fängt an politische Artikel für sozialistische Zeitungen zu verfassen. Als Teenager wird sie die Anführerin der Sozialistischen Arbeiterpartei. Noch bevor sie volljährig ist, doziert sie Philosophie an Universitäten, verfasst bedeutende politische Schriften, in denen sie sich mit Themen wie Marxismus, Feminismus und der sexuellen Revolution auseinandersetzt.

Insbesondere ihre Überlegungen bezüglich der sexuellen Reformierung führten dazu, dass sie mit dem angesehnen, britischen Sexualforscher Havelock Ellis in Kontakt tritt, mit dem sie ebenso im Schriftverkehr stand wie auch vielen weiteren bekannten Persönlichkeiten der europäischen Bildungselite. Unter diesen befand sich auch der britische Autor, Herbert George Wells, welcher Hildegart während eines Besuches in Madrid, wo sie gemeinsam mit ihrer Mutter lebte, das Angebot unterbreitete ihn nach London zu begleiten um dort als seine Sekretärin zu arbeiten. Sie lehnte ab.

Diese Offerte Wells‘, Hildegart nach London zu holen, basierte auf seiner Intention, der jungen Frau die Möglichkeit zu verschaffen, ihren eigenen, unabhängigen Weg einzuschlagen. Denn in der Folge des Schrifverkehrs, den er mit Hildegart gepflegt hatte, hatte er erkannt, dass das heranwachsende Mädchen unter dem massivem Einfluss der Mutter, in seiner individuellen Entwicklung erheblich eingeschränkt wurde.

Mit zunehmendem Alter wurde dieser Umstand letztlich auch Hildegart immer mehr bewusst. Auf der Grundlage dieser Erkenntnis erwächst schließlich in ihr der Wunsch, sich von der Macht, über die ihre Mutter seit ihrer Kindheit, verfügt hatte, allmählich los zu lösen. Sie beginnt, ihre Kleidung und ihren Schmuck selbst auszusuchen. Sie schließt eigene Freundschaften, fängt an immer mehr Zeit mit Menschen zu verbringen, die ihr sympathisch sind und findet zuletzt auch ihre erste große Liebe.

Vor Gericht wird Aurora Rodríguez später aussagen: „Fremde nahmen Besitz von meiner Tochter“.  Der zunehmende Kontroll- und damit einhergehende Machtverlust, der aus den Unabhängigkeitsbemühungen ihrer Tochter resultierte, entwickelt sich immer mehr zu einem Konflikt. Aurora, deren gesamtes Leben seit der Geburt ihrer Tochter ausschließlich der Schöpfung ihres „großen Werkes“, wie sie Hildegart im Rahmen des Prozesses bezeichnen wird, widmete, litt zusehends unter der paranoiden Wahnvorstellung, man würde ihr ihre Tochter wegnehmen wollen.

In der Nacht vor der geplanten Abreise Hildegarts, die sich inzwischen dazu entschlossen hatte, in London bei dem bekannten Sexualwissenschaftler Havelock Ellis zu studieren, wird sie im Schlaf von ihrer Mutter ermordet. Vier Kugeln beenden das Leben der jungen Frau. Drei in den Kopf. Eine ins Herz.