„Ich fick deinen Gott“ – Der atheistische Terror

Der Konflikt der Konfessionen – seit (inzwischen) Jahren beherrscht dieses Thema immer wieder die Öffentlichkeit. Der theologische Dissens zwischen, in der Mitte unserer Gesellschaft sesshaft gewordenen, Anhängern des Islam und jenen, die sich dem christlichen Glauben zugehörig fühlen, befindet sich sowohl in der öffentlichen Debatte als auch in der alltäglichen Lebensrealität vieler Kulturhochburgen, am Siedepunkt. Und in der Tat lassen sich durchaus Aspekte ausfindig machen, über die islamische Gelehrte Standpunkte vertreten, die mit der christlichen Exegese inhaltlich in Widerspruch stehen. Befasst man sich mit diesem theologischen Diskurs zwischen islamischen und christlichen Gelehrten einmal tiefschürfender, so wird man zum Schluss kommen, dass es derer sogar zahlreiche gibt. Bis hierhin erzähle ich Ihnen vermutlich nichts Neues. Und vor dem Hintergrund dieses allgemein bekannten Wissens führen wir uns an dieser Stelle einfach mal ein YouTube-Video zu Gemüte, welches den Titel „Ich fick deinen Gott“ trägt, und auf einen WDR Beitrag aus dem Jahr 2012 zurück geht.

Ohne nun im Detail auf die Urheber des Beitrages eingehen wollen, möchte ich, um der zeitlichen sowie kognitiven Begrenztheit, welche Ihnen – werter Leser – als bedeutungsloses Zahnrädchen im übermächtigen Uhrwerk unseres Gesellschaftssystems zur Verfügung steht, entgegenzukommen, den wesentlichen Inhalt, der im Weiteren den Kern meiner Überlegungen darstellen wird, zusammenfassen.

Wir wurden nämlich Zeuge eines Berichtes, in dem es augenscheinlich zunächst einmal um Sachbeschädigungen geht, deren Urheber – dies ist zumindest den Aussagen der zu Wort kommenden Personen zu entnehmen – eine Gruppe ausländischer Jugendlicher gewesen zu sein scheint.

Diese Annahme wird untermauert durch das Statement des zuständigen Geistlichen der „katholischen Kirche Duisburg-Meiderich“, welcher von „einer Gruppe ausländischer Jugendlicher“ berichtet, die er beim Ballspiel – unter Einbeziehung der kirchlichen Infrastruktur – „freundlich“ gebeten habe, eben dieses zu unterlassen. Will man dem guten Mann – trotz der Tatsache, dass sein Erscheinungsbild diese Annahme durchaus zulassen würde – jetzt einmal nicht unterstellen, dass die von ihm dargelegte „freundliche Bitte“ in ihrem Wesensgehalt dem – inzwischen zu allgemeiner Bekanntheit gelangten – katholischen Prinzip klerikaler Nächstenliebe gegenüber Jugendlichen (was nichts anderes bezeichnet als jenen Tatbestand, den das Deutsche Strafrecht unter der Bezeichnung „Sexueller Missbrauch von Jugendlichen“ führt) folgte, so ist diesem Repräsentanten des Vatikans kaum vorzuwerfen, mit seinen Worten eine Eskalation provoziert zu haben. Umso kritischer ist die berichtete Reaktion der Jugendlichen zu betrachten, die der Kleriker unter anderem mit den Worten „Ich fick deinen Gott“ zitiert.

Man könnte nun natürlich – nähme man es ganz genau – auch fragen, welcher tiefere Sinn sich in der Formulierung finden lässt, in deren Rahmen der geschätzte Herr Rose davon spricht, dass die besagte Gruppe ausländischer Jugendlicher „gegen die Kirche Ball gespielt“ habe. Beinahe weckt eine solche Wortwahl ja die Vorstellung von einer Art Benefiz-Spiel unter dem Motto „Kicken gegen die Kirche!“. Wenn man so darüber nachdenkt eine durchaus vielversprechende Anregung, für deren Umsetzung sich mit großer Wahrscheinlichkeit zahlreiche Teilnehmer begeistern lassen könnten.

Um nun allerdings einen gewissen Respekt gegenüber der frommen Kirchengemeinde bzw. deren Vertretern zu wahren, unterlasse ich es diesen Gedankengang fortzuführen und kehre den Fokus meiner Aufmerksamkeit lieber wieder dem theologisch-intellektuellen Diskurs, den zu führen ich ja eingangs angekündigt hatte, zu.

Dieser thematisiert die Differenzen, welche im Vergleich von christlicher und islamischer Glaubensauffassung, die Basis für divergierende Standpunkte in der Beurteilung religiöser Gegebenheiten, bilden. Um nur einige zu nennen: Entsprechend der Trinitätslehre wie sie im Christentum gelehrt wird, ist Jesus Christus der Sohn Gottes. Vereinfachend . Diesen Standpunkt wiederum lehnen Muslime ab, da sie Jesus Christus zwar als Propheten betrachten, es jedoch im Islam als „Schirk“ bezeichnet wird und damit als verboten (ḥarām) gilt, Gott einen Sohn beizugesellen (dies ist übrigens auch der Grund dafür, warum Sie gläubige Muslime nicht zu Heiligabend einzuladen brauchen). Mitnichten ist es jedoch der Fall, dass Jesus in den Augen gläubiger – und vor allem über ihre Religion informierter – Muslime, keine prophetische Bedeutung zukäme. Wie dem auch sei. Neben diesem Beispiel gibt es natürlich auch noch weitere. Diese betreffen die Ehe, das Zölibat (welches der Islam nicht kennt), sowie andere Punkte, deren Aufzählung aber nun den Rahmen sprengen würde.

Wie bereits gesagt: Es gibt eine ganze Liste von Auffassungen, in denen Christen und Muslime sich unterscheiden. Der – allerdings – essentiellste Aspekt – nämlich die Anerkennung des einen und einzigen, allmächtigen, allwissenden Gottes, der uns alle ebenso wie die Welt in der wir leben, erschaffen hat – gehört nicht dazu. Er gehört nicht nur nicht zu den Unterschieden, die diese Konfessionen voneinander abgrenzen, sondern dürfte sogar DIE grundlegende Gemeinsamkeit dieser beiden monotheistischen Religionen sein.

Würde also ein Muslim die Aussage tätigen „Ich fick deinen Gott“, so müsste er sich zunächst darüber versichert haben, was genau diesen Gott, an den er dem Adressaten seiner unflätigen Bemerkung, zu glauben unterstellt, von „seinem“ Gott unterscheidet. Mit Hinblick auf den „christlichen“ Gott (den es natürlich nicht gibt, da es selbstverständlich keinem Christen mit einem Restvermögen gesunden Menschenverstandes zustehen kann Gott für sich zu beanspruchen) müsste man schlicht und ergreifend feststellen, dass es diesen Unterschied zum „muslimischen“ Gott nicht gibt. Zwar muss ich zugeben, dass das Wort „Allah“ anders klingt – und auch anders geschrieben wird – als das Wort „Gott“. Dieser Umstand lässt sich jedoch ausschließlich aus der Tatsache herleiten, dass es einfach ein und dieselbe Bezeichnung für ein und dasselbe – nur in zwei verschiedenen Sprachen – ist.

Und da ich keinem Menschen unterstellen möchte, so dermaßen einfältig und an funktionierendem Hirngewebe verlustig zu sein, dass er außer Stande ist zu begreifen,  dass sich eine Bezeichnung für „Allah“ bzw. „Gott“, nicht alleine deswegen auf einen anderen Allah – wie auch immer dieser dann geartet sein soll – bzw. auf einen anderen Gott – auch hier wüsste ich nicht, wie man sich das vorzustellen hätte, da Gott allgegenwärtig ist – bezieht, nur weil sie in eine anderen Sprache übersetzt ist, ist für meine Begriffe alleine derjenige Schluss zulässig, nach dem es sich bei den besagten ballspielenden, ausländischen Jugendlichen – oder wenigstens demjenigen, aus dessen Mund diese Aussage stammte – um eine Horde atheistischer Rebellen handelte, deren heidnische Anfeindungen, jeden gläubigen Muslim ebenso beleidigen wie auch die Anhänger des Christentums.

Mit all diesem Wissen im Gepäck, bleibt schließlich nur noch folgende Erkenntnis festzuhalten: Der atheistische Terror ist in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen!

Feminismus? Fetischismus? Faschismus!

Ich muss gleich zu Beginn anmerken, dass ich über den Titel dieses Artikels für den ich mich zu wählen schließlich dann doch durchringen konnte, im Vorfeld eine ganze Weile lang nachgrübeln musste.

Denn prinzipiell lege ich großen Wert darauf, gerade bei streitbaren Themen, die üblicherweise häufig auch mit entsprechend umstrittenen Debatten mit hohem Polarisierungspotential vergesellschaftet sind, zumindest so weit zu objektivieren, als dass eine solide Basis für weiterführende Gedankenstränge gewährleistet ist.

Feminismus. Fetischismus. Faschismus.

Drei Begriffe, deren kausaler Zusammenhang sich auf den ersten Blick zunächst einmal nicht unmittelbar ergibt. Die Ursache dafür ist auch schnell gefunden: Denn zwar ist uns jeder einzelne dieser Termini im Zusammenhang mit den jeweiligen öffentlichen Debatten für sich alleine genommen natürlich ein Begriff. Allerdings finden die Auseinandersetzungen mit den Aspekten aus dem Kreise dieser Themenfelder kaum bis gar nicht in Verbindung miteinander statt, sodass es Ihnen im ersten Augenblick nicht als besonders wahrscheinlich erscheinen könnte, dass sich hinter diesem Beitrag etwas anderes versteckt, als der bloße Versuch Ihnen mit einer geschmacklosen Provokation, Ihre kostbare Zeit zu rauben.

Ich gehe davon aus, dass vermutlich insbesondere bei denjenigen Lesern unter Ihnen, die sich als aktive Anhänger sozialistischer Jugendbewegungen verstehen, speziell mit Hinblick auf die Begrifflichkeiten des „Feminismus“ sowie des „Faschismus“, gerade der letztere mit einiger Wahrscheinlichkeit – so Sie denn zu eben dieser Lesergruppe zählen – zu Ihrem Alltagsvokabular gehört.

Geprägt wurde der Begriff des Faschismus in der Moderne durch den italienischen Diktator Benito Mussolini, der dieses Amt mit der Maßgabe antrat, Italien zu „alter“ Größe, ähnlich wie es zuvor das römische Imperium gewesen war, zurück zu führen. In diesem Zusammenhang erlangte das Fascis, ein mit einem Beil bestücktes Rutenbündel, welches im Römischen Reich bereits als Amtssymbol der höchsten Machthaber gedient hatte, als Namensgeber der sogenannten „Faschisten“ – so bezeichneten sich die radikal-autoritär ausgerichteten Anhänger Mussolinis – seine neuerliche Berühmtheit. Später übernahm auch Adolf Hitler, der mit seiner nationalsozialistischen Partei im Gefolge die politische Macht in Deutschland übernommen hatte, diese Bezeichnung, welche bis in die heutige Gegenwart – stellenweise auch durchaus inflationär – Verwendung als politischer Kampfbegriff findet.

Ein – meiner Auffassung nach – nicht minder interessanter Begriff ist der des „Fetischismus„. Auch dieser wird ja beinahe inflationär gebraucht. Und häufig ist denjenigen, die ihn benutzen seine Definition gar nicht bewusst. Gemeint ist damit in der Regel der sexuelle Fetischismus. Kurz gesagt versteht die Medizin darunter eine „Abweichung“ vom – als physiologisch betrachteten – Sexualverhalten insofern, als dass anstelle einer Person ein unbelebter Gegenstand zum Objekt des sexuellen Interesses bzw. Stimulus der sexuellen Erregung bzw. Befriedigung wird. Insbesondere die sexuelle Neigung, auf die ich im Weiteren zu sprechen kommen werde, müsste gemäß der engeren Definition eigentlich als „Paraphilie“ bezeichnet werden, da dabei nicht etwa ein unbelebtes Objekt im Fokus des libidinösen Interesses steht, sondern vielmehr die Ausübung sexueller Praktiken, die von dem, was als empirische Norm angenommen wird, deutlich abweichen.

Nun steht noch die Definition des „Feminismus“ aus. Um sich dieser vielleicht nun etwas anzunähern, würde ich an dieser Stelle gerne mit einem Beispiel beginnen, auf das ich kürzlich aufmerksam geworden bin.

Konkret handelt es sich dabei um einen Blog auf der Blogging-Plattform „Tumblr“. Und zwar stammt dieser Blog von einer Dame, die von einer Neigung berichtet, die vielerorts – diese Bezeichnung ist streng genommen, wie ich bereits dargelegt hatte, nicht zutreffend – auch als „interracial fetish“ bezeichnet. Von ihr stammt auch dieser Beitrag in einem Forum, durch den ich im Übrigen auch auf ihren Blog aufmerksam wurde.

Wie man unschwer erkennen kann, bezeichnet sie sich als Feministin. Man kann darüber hinaus die Information gewinnen, dass sie in Spanien lebt und damit – um es an dieser Stelle mal in die politische Dimension umzumünzen – im Grunde – was die ganz grobe politische Lage angeht – angeht, im selben Boot (EU) sitzt wie wir auch.

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Um nun aber zu den überaus interessanten Inhalten ihres Blogs zurück zu kommen. Außergewöhnlich an ihr ist nämlich, dass sie ihre „Vorliebe“ nicht einfach nur als bloße Gegebenheit hinnimmt. Sie geht tatsächlich einen Schritt weiter, indem sie ein rationales – fast ideologisch anmutendes – Gedankenkonzept dazu entwirft, mit dem sie aus der bloßen Perversion eine politoide Ideologie macht. Passend dazu tragen die Artikel, die sie publiziert auch den entsprechenden Titel: „White extinction“, also die „Ausrottung der weißen Rasse“.

With the rise of feminism, women are increasingly embracing the black superiority. As the majority of African migrants are males (around 70%), and they are arriving to Europe in growing numbers, soon there will be an important sexual imbalance in the continent (in Sweden there are 123 boys for every 100 girls among 16 and 17-year-olds). And this means more sexual competition.

Im Grunde wird hier eines besonders deutlich. Nämlich der Zusammenhang zwischen der feministischen Überzeugung und Denkmustern, die man mit Eugenik assoziieren muss. Eugenik – um das klarzustellen – ist ins Deutsche mit dem Begriff der „Erbgesundheitslehre“ zu übersetzen. Im weiteren Sinne beschreibt man mit diesem Begriff Gesundheitspolitische Eingriffe, durch die es insbesondere der als „genetisch überlegen“ betrachteten Rasse ermöglicht werden soll sich stärker fortzupflanzen um die „Schwachen“ Populationen über die Generationen hinweg zu verdrängen.

Weiterhin schreibt sie:

According to ‘The Selfish Gene’ by Richard Dawkins, genes are the basis of heredity in sexual reproduction, and those that provide surviving or reproductive advantages will tend to be inherited by an increasing number of individuals. A male who has sex with a fertile woman every day could potentially have 270 children in a nine month period while a woman can only have one. Therefore, a woman will always be attracted to a “bull” because, at an instinctive level, she knows those superior genetic traits will be passed onto her sons who will carry half of her DNA and spread her genetic legacy.

Und ich muss auch an diesem Punkt zugeben, dass sie damit prinzipiell nicht ganz Unrecht hat. In der Tat könnte man – ausgehend von der Annahme, dass Afrikanische Männer genetisch den Europäern überlegen sind – auch erwarten, dass sie bei der Partnerwahl von allen „Weibchen“ gleichermaßen bevorzugt werden. Und sollten tatsächlich alle Frauen durch schwarze Männer schwanger werden, dann bliebe den Europäischen Männern ja nichts anderes übrig als entweder homosexuell zu werden oder sich auf Partnerinnen einzulassen, die bereits ein fremdes „Mischlingskind“ haben, für das sie dann vermutlich auch mit zu sorgen hätten.

Der Grund dafür, weshalb ihre Rechnung allerdings nicht aufgeht, findet sich in der folgenden Grundannahme, auf der ihr ganzes Konzept von der Idee einer überlegenen afrikanischen „Rasse“ aufgebaut ist.

I used to find these facts disturbing. But a lustful epiphany happened when I discovered interracial sex. As a woman, I was amazed by the muscular physique, the dominant character, the generous length and stamina of our dark invaders. Dominance and submission, civilization and savagery, blackness and whiteness, mixed in a primitive encounter based in racial hierarchy and sexual inequality. Finally, I was forced to admit the black male’s sexual superiority: racism is very hard to keep up for a sexually demanding woman.

Sie geht nämlich einfach davon aus, dass mit der afrikanischen Abstammung auch automatisch ein dominanterer Charakter, muskulöserer Körperbau und höhere – sexuelle – Leistungsfähigkeit, verglichen mit Europäern einhergeht.

Was versteckt sich also dahinter für eine Intention? Was könnte sie dazu veranlassen nicht einfach nur eine sexuelle Neigung auszuleben, sondern sogar eine ganze Ideologie auf (pseudo-) wissenschaftlichen Grundlagen zu konstruieren?

Und vor allem: ist das ein Einzelfall oder gibt / gab es des öfteren Fälle, in denen Feminismus und Eugenik zusammen eine gefährliche Kombination darstellten?

Die Antworten auf diese Fragen kommen – im nächsten Artikel.

Der Freiheitskämpfer

Der geneigte Leser wünscht sich ja gerne in den Werken, deren Inhalt er mit seiner begrenzten Auffassungsgabe zu erschließen versucht, immer öfter auch dass die literarischen Ergüsse des Autoren seiner Wahl eine gewisse Bindung zur Realität aufweisen. Um den Ansprüchen meiner Kundschaft und damit natürlich  all jener, die ihr sauer verdientes Geld investieren um mir meinen Luxusurlaub in Dubai im Kreise auserwählter, internationaler Edelnutten zu verbringen, gerecht werden zu können, sehe ich es als ein Gebot der Höflichkeit und des Respekts an, selbst (der ich mich als Anwalt der Menschlichkeit betrachte) ein Opfer zu erbringen um der versammelten Leserschaft meine Hingabe zu demonstrieren. Ich bin fest dazu entschlossen dem Beispiel des legendären Künstlers Vincent van Gogh, der dem gemeinen Kunstbanausen vielleicht entfernt ein Begriff sein mag und von dem diejenigen Leser, die ein Minimum an nennenswerter Schulbildung besitzen hoffentlich wenigstens wissen, dass er der Typ war, der sich ein Ohr abtrennte, zu folgen. Genauer gesagt war es ja so, dass Van Gogh einen etwas unorthodoxen Frauengeschmack hatte. Oder anders ausgedrückt: Er stand darauf verseuchte Straßenhuren zu vögeln. Und so gehört zur Vollständigkeit der Vita van Goghs auch die Tatsache dass er sich sein Ohr nicht etwa aus egoistischer Motivation heraus amputierte (so wie man es normalerweise erwarten würde). Nein, er war so selbstlos dieses abgetrennte und in der Folge dem biologischen Zerfall geweihte Körperteil einer Prostituierten zu vermachen. Nun wäre es für alle Nachahmer wie mich selbst oder Niki Lauda dieser Geste vermutlich dankbarer gewesen, hätte Vincent ein etwas entbehrlicheres Körperteil ausgewählt um es zu verschenken. Die Vorhaut, ein Weisheitszahn oder die Appendix vermiformis. Aber nein, eigensinnig wie er war musste es das Ohr sein.

Um nun jedoch zum Punkt zu kommen. Ich habe es ja bereits angesprochen, dass ich dem Vorbild des Mannes, der zu Lebzeiten auch als „Christ of the coalmines“ also in etwa übersetzt Messias der „Knappen“ (auch wenn dieser Terminus in den westlichen Armutsgebieten der Bundesrepublik Deutschland schon von Rudi Assauer in Anspruch genommen wird), Folge leisten will. Und aus diesem Anspruch heraus erwuchs auch mein Vorhaben auch mein Ohr zu opfern um es im Rahmen einer christlichen Geste der Nächstenliebe einer geistesgestörten Hure zukommen zu lassen. Nun gibt es derer ja unzählige, sodass ich beschloss ein weiteres Kriterium als Eigenschaft, die die glückliche Adressatin meiner Gutmütigkeit aufweisen sollte, vorauszusetzen. Ich wollte ja auch dass meine Tat verstanden wird. Also war es nur recht und billig eine Adressatin zu finden, von der ich annehmen konnte dass sie nicht nur gestört sondern darüber hinaus auch hochintelligent ist. Denn es liegt ja auf der Hand: nur ein extrem intellektuell begabtes Wesen würde mein Präsent auch gebührend wertzuschätzen wissen. Ich brauchte also aus dem gigantischen Pool der ganzen wahnsinnigen Nutten nur irgendeine herausfischen, die gemeinhin als hochbegabt eingestuft wird. Das klingt einfacher als es tatsächlich ist. Denn völlig unerwarteterweise verflüchtigte sich die anfangs schier unendliche Menge der geeigneten Empfängerinnen meiner charmanten Mitgift ganz plötzlich und zu meiner größten Überraschung auf eine verschwindend geringe Population.

Wo waren sie denn plötzlich die Bestseller schreibenden Bordsteinschwalben, die unser Land doch immer zu dem machten was es ist. Wo waren sie, die Dichter- und Denkerinnen im ultraknappen Miniröckchen, die ihren Verehrern in literarisch ästhetischer Prosaik den Abend versüßten. Es schien aussichtslos. Und vermutlich hätte ich die Hoffnung vollends verloren, hätte es der Zufall nicht so gewollt, dass mir eines Tages im Lichte der aufgehenden Sonne an einem dieser mit Erwartungen auf die großen Abenteuer, die er mit sich bringt, beseelten, typisch deutschen Sonntagmorgende die Süddeutsche in die Hände fällt. Gebannt fiel mein Blick sofort auf eine mitreißende Geschichte. Es handelte sich darin um die Lebensgeschichte einer jungen Frau, die als Kind über Jahre hinweg von einem ihrer Nachbarn sexuell missbraucht wurde um dann folgerichtig mit 21 Jahren in einem Bordell als Hure anzufangen, um dann wiederum nach reiflicher Überlegung über die Absicherung des Lebensabends in einer Gesellschaft, deren Zukunft durch den demographischen Wandel der Altersgruppen so unsicher ist wie die Antibabypille bei einer geistig eingeschränkten und alkoholabhängigen Teenieschlampe, den Beschluss zu fassen dem Sexgewerbe den Rücken zu kehren um das umfassende intellektuelle Potenzial das in ihr schlummerte endlich auszuschöpfen.

Ich rieb mir die Augen vor schierer Ungläubigkeit. Als ich nach etwa 27 Minuten wieder mein Augenlicht zurück erlangte und zunächst einmal feststellen musste, dass ich durch die mechanische Manipulation meines Augapfels einen Teil meiner Netzhaut zerstört hatte, wagte ich einen erneuten Versuch das unmöglich geglaubte auf seine wahrhaftige Existenz zu prüfen. Meine von der Gewalt der Natur geschädigten Augen schwenkten ihren Blick einmal mehr über dieses Meisterwerk journalistischer Schaffenskraft. Und tatsächlich! In großen Lettern prangte dort:

„Ein hochintelligentes, sprachbegabtes, körperlich und seelisch schwer geschädigtes Mädchen hat ein Buch über ein ebensolches Mädchen geschrieben. Es heißt Splitterfasernackt. Und es ist erschütternd.“

Ich hatte es also doch geschafft. Das was ich schon fast aufgegeben hatte. Es war plötzlich so nah. Von meinen Glücksgefühlen noch vollkommen überwältigt, taumelte ich durch das Zimmer, stolperte dabei über das Kabel der Beistellampe die ich mir am Tag zuvor gekauft hatte, wodurch die gesamte Steckerleiste aus dem Gemäuer herauskatapultiert wurde.

Ich hatte nicht geahnt dass eine einfache Zeitungsrecherche so viele Opfer mit sich bringen würde. Jedoch zweifelte ich zu keinem Zeitpunkt daran dass ich für die gesundheitlichen Schäden, die mir in diesem Prozess der gesellschaftlichen Horizonterweiterung durch höhere Gewalten zugefügt worden waren ebenso wie der entstandene Sachschaden, der sich mittlerweile auf knappe 5.000€ belief, durch das weit größere Geschenk – nämlich als freier Bürger die objektive, von politischen und wirtschaftlichen Interessen unabhängige und immer glaubwürdige Arbeit gewissenhafter Journalisten genießen zu dürfen – als unwesentliche Kollateralerscheinung weit mehr als entschädigt wurde. Viele Menschen gaben ihr Leben für das Recht auf freie Meinungsäußerung. Ich konnte mich also noch glücklich schätzen, nur einen erheblichen Teil meines Sehvermögens, eine 300€ Lampe und die Stromversorgung, verloren zu haben.

Die Abenddämmerung hatte sich inzwischen über den Dächern der Stadt erhoben. Als ich aus dem Fenster gen Horizont, in dessen Angesicht die funkelnden Sterne wie liebliche Engel, die uns behutsam in die Stille der Nacht begleiten, zu blicken versuchte versperrte mir die Straßenbahn die Sicht. Ich wurde allerdings mindestens gleichwertig entschädigt, und zwar mit einem Werbeaufdruck von Dunkin‘ Donuts der schillernd auf dem verdreckten Wagon über den gesundheitsschädlichen Elektrosmog der Innenstadt erhaben, empor strahlte.

Ich dachte mir: „Scheiß auf Lilly Lindner, was denkt sich diese gestörte Nutte überhaupt von mir verlangen zu können mir mein Ohr wegzuschneiden?!“ und begab mich gequält von der Anstrengung und den Schmerzen die mir der Kampf um mein Recht auf frei zugängliche Information durch die Printmedien abgerungen hatte, stolz und glücklich in dem Wissen die Demokratischen Grundprinzipien, auf deren Basis unsere Gesellschaft beruht, gegenüber den Bemühungen der islamischen Extremisten unsere gut funktionierende Demokratie in einen Gottesstaat umzuwandeln verteidigt zu haben, zu Bett. Und ich denke: Derartiges erreicht zu haben kann ein Vincent van Gogh wohl kaum von sich behaupten.

Letting the cat out of the bag

So, meine lieben. Das ist ein Thema ganz nach meinem Geschmack!

Und es gibt wirklich nicht viele zuverlässige Quellen, die sich mit diesem Thema seriös auseinander setzen. Das sogenannte Pozzing bzw. Bugchasing (so scheint man das im angloamerikanischen Sprachraum zu nennen; Quelle: wikipedia) beschreibt ja den Prozess bei dem sich HIV-negative absichtlich mit HIV infizieren. Ich würde in dem hier beschriebenen Fall eher von Bareback sex sprechen.

Gangbang-Partys, bei denen kein Kondom angewandt wird, gibt es bei heterosexuellen Menschen jedoch auch. Die Partys werden meist AO-Sex-Partys (AO = alles ohne) genannt und ab und zu wird ein Schnelltest vor dem Gangbang angewandt, der aber keine sichere Aussage über eine Infektion erbringen kann. Bareback-Portale für heterosexuelle Männer, die Bareback-Sex (oder auch AO-Sex genannt) mit Prostituierten suchen, gibt es viele in Deutschland. Mittlerweile gibt es in vielen Erotikportalen auch die Funktion, nach AO-Sex zu suchen. [1]

Nachdem ich jetzt 2 Stunden nach einer möglichen Erklärung für dieses Phänomen gesucht habe, bin ich endlich auf ein ausgesprochen aufschlussreiches Werk getroffen. Francisco Fernandez, Pedro Ruiz – Psychiatric Aspects of HIV/AIDS

Das Buch gibts leider nur in Englisch, aber hier werden interessante Erklärungsansätze dargeboten, die ich hier nicht vorenthalten will, da ich es für eine absolut geniale Herleitung halte.

Es wäre jetzt zu umfangreich hier alle Textabschnitte, die sich mit der Psychopathologie der HIV-Infektion auseinandersetzen, hier zu posten. Allerdings ist besonders das Folgende ausgesprochen paradox und faszinierend. Es geht dabei primär um die Motivation von Frauen, die heterosexuellen Verkehr mit HIV-Positiven Männern haben. Und besonders verwirrend mag es für einen Laien dann noch erscheinen, dass die Triebfeder für dieses Handeln eine narzisstische Befriedigung sein soll, die diese Frauen daraus ziehen.

The highest transmission category for women does not relate to intravenous drug use or same-sex sexual activity, but to heterosexual sexual activity. Women with narcissistic spectrum pathology who have low self-esteem sometimes try to bolster this low sense of self by adopting a rescuing role with drug-abusing HIV-positive males, which gives them a sense of narcissistic gratification (by feeling like heroic martyrs) and is a response to an extremely rigid and self- deprecating ego ideal. These factors are proposed to make sense of those seronegative women who sustain relationships with HIV-infected partners, placing themselves at high risk. [2]

Und noch ein weiterer von Fernandez und Ruiz gelieferter Aspekt ist in meinen Augen eine überaus scharfsinnige Analyse der Psychologie der „Bugchaser“ (also diejenigen die sich dem Risiko einer Infektion aussetzen obwohl sie selbst noch nicht infiziert sind):

The HIV infected patient can play out the persecutor-victim object-relational dyads common to patients with borderline personality organization and those with histories of severe trauma. HIV-positive patients can also experience themselves as persecutor because they can infect others and subsequently feel guilty. The potential stigma around HIV is one more element in a persecutory environment perceived by patients with the object-relations of borderline personality organization. [2]

Das bedeutet also, dass durch diese Infektion eine gewisse Kontrolle erlangt wird, der bei der narzisstischen Persönlichkeit eine große Bedeutung zukommt. Denn mit einer HIV-Infektion hat man Macht über andere Menschen. Man kann anderen Menschen schaden, indem man sie mit HIV infiziert. Auf der anderen Seite hat man aber auch die Kontrolle über sein eigenes Wohl oder Unwohl. Also auch hier spielen dann wieder die narzisstischen Kontrollzwänge eine entscheidende Rolle.

Viel Spaß beim Nachdenken.


Quellen

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Barebacking#Bareback-Partys

[2] Francisco Fernandez, Pedro Ruiz. “Psychiatric Aspects of HIV/AIDS, 1st Edition.”

Kunst und Kultur

Nachdem ich bereits die Tragik des Lebens eines Van Goghs thematisiert (→ siehe „Der Freiheitskämpfer“), und damit einen Blick in Richtung Malerei und Kunst gewagt habe, will ich auch einem anderen Künstler die Gelegenheit geben, hier Erwähnung zu finden. Die Rede ist dieses mal von Peter Paul Rubens, der von 1577 bis 1640 lebte, und sich zeitlebens mit seinen ergreifenden Werken ästhetischer Schaffenskraft in der Kunstgeschichte verewigte. Der Barockmaler flämischer Herkunft erlangte nicht zuletzt durch Gemälde Bekanntheit, auf denen er die Sinnlichkeit menschlicher Nacktheit in den Vordergrund rückte. Vor allem der Begriff der “Rubens-Frau”, den Frauenrechtler*Innen zuweilen gerne heranziehen um damit eine weibliche Pommestonne feministisch eloquent zu umschreiben, hat im Zusammenhang mit der BDSM- und Fetisch-Gesellschaft, in der zu leben wir uns so glücklich schätzen können, eine Renaissance erlebt.

Zwar beabsichtige ich mich mit dem Feminist*Innen-Bashing zu diesem Zeitpunkt noch etwas zurück zu halten (diesem sind dann spätere Kapitel gewidmet). Jedoch ist es anlässlich des kulturhistorischen Exkurses in die Epoche des künstlerischen Barock (und um eine Verbindung zu unserer modernen Lebensrealität herzustellen) in meinen Augen angebracht meinen Lesern den Begriff der “Rubensfrau” bildhaft vor Augen zu führen. Aus der Gegenwart herausgegriffen würde man z.B. die von dem feministischen Magazin “Emma” hoch geschätzte Stand-Up Komikerin Cindy aus Marzahn unter einer solchen Rubensfigur verstehen. Nicht zuletzt ihr hat der Berliner Ortsteil Marzahn auch seinen einzigartigen Ruf als deutsche Kulturhochburg zu verdanken.

Nach dieser kleinen Einführung in die Welt der barocken Ästhetik rund um Peter Paul Rubens, will ich den Fokus nun jedoch etwas von der Rubensfrau weg in Richtung eines anderen großen Werks dieses Künstlers schwenken. Und zwar handelt es sich dabei um das eindrucksvolle Gemälde mit dem Titel “Das Massaker der Unschuldigen” (Massacre of the innocent).

Es handelt sich dabei um eine ebenso eindrucksvolle wie auch beängstigende Szene, die die Tötung männlicher Kleinkinder in Betlehem darstellt.

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Bei der längeren Betrachtung eines solchen Gemäldes ist es ausgesprochen nachvollziehbar, wenn einen ein mulmiges Gefühl beschleicht. Unschuldige Säuglinge werden in der Gegenwart ihrer weinenden Mütter getötet. Wenn man seinen Blick von diesem Bild dann schließlich abwendet, schätzt man sich umso glücklicher in einer Zeit zu leben, in der derartige Grausamkeiten längst der Vergangenheit angehören. Die Probleme, die uns heute plagen sind vollkommen andere. Das Essen ist zu teuer, die Mieten sind zu hoch… achja, und diese ganzen Flüchtlinge, die unser Land überfluten.

Bei einigen dieser Flüchtlinge wird der Anblick dieser von Rubens dargestellten Szenerie hingegen allerdings eher Heimatgefühle wecken.

Auf die heutige Zeit angewandt würde das “Massaker der Unschuldigen” wohl weniger auf Betlehem zutreffen als vielmehr auf andere sonnige Städtchen Nordafrikas, in denen „Dschihadisten“ (so nennen die Medien mittlerweile schizophrene Psychopathen im psychotischen/religiösen Wahn) ihre Vorstellungen von Nächstenliebe fröhlich in die Tat umsetzen.

Ich habe mir deshalb die Mühe gemacht das “Massaker der Unschuldigen” etwas der heutigen Zeit anzupassen, und mit Inhalten zu füllen, die uns ein realitätsnahes Abbild des Massakers zeigen soll, wie es gegenwärtig tatsächlich stattfindet.

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Um nun allerdings nicht zu sehr in die triste Welt der internationalen Machtpolitik bzw. extremistischen Religiosität abzudriften, schlage ich vor, dass Sie, geschätzter Leser – nachdem Sie sich das gezeigte Bild genau angesehen und sich um eine Interpretation vor dem Hintergrund Ihrer geopolitischen Vorbildung bemüht haben – einen Augenblick inne halten um sich dem Geiste, der diesem Meisterwerk innewohnt, vollkommen widmen zu können.

Erziehungsbiologie der Neuzeit – Erziehung vor dem Hintergrund der Biologie

1. Einführung in den modernen Waisenbegriff

2. Biologische Grundlagen – Menschliche „Brutpflege“
3. Verhaltensphysiologie und Verhaltensbiologische Theorie 4. Schlusswort

Einführung in den modernen Waisenbegriff

Ähnlich wie mein dionyscher Kollege Prof. Dr. Richard von Rüdenberg, der in seiner Masterarbeit „Erziehung im Kontext zum antiken Dionysos“ (aus dem Jahre 1997) das antike Bild der Erziehung von Kindern mit der gegenwärtigen Handhabe verglich, will auch ich mich mit den Hintergründen der Eltern-Kind-Beziehung auseinandersetzen. Diese Arbeit von Rüdenbergs war es auch erst, die mich inspirierte dieses Gebiet, das bislang in erster Linie im wissenschaftlichen Zentrum soziologischer und psychologischer (und damit tendenziell geisteswissenschaftlichen) Fakultäten stand, nun auch physiologisch bzw. biologisch anzugehen. Grundlage für meine Erläuterungen werden Forschungen sein, die ich entweder selbst betreut oder aus mir wohl vertrauten wissenschaftlich zuverlässigen Studien entnommen habe. Diese werden sich nicht etwa auf einzelne Teilbereiche beschränken, sondern das Verhältnis zwischen Kind und Eltern, welches ja normalerweise mit der Erziehung gleichzusetzen ist, unter verschiedenartigen Gesichtspunkten erörtern. Von zentraler Bedeutung sind diese Erkenntnisse insbesondere im Bezug auf die Arbeit von Kinderhilfswerken wie dem Firmamento.

Gerade die psychologische bzw. psychiatrische Betreuung der Kinder, die teilweise oder komplett ohne Eltern aufgewachsen sind, ist nur dann wirklich möglich wenn man versteht, welche Bedeutung eine intakte Eltern-Kind-Beziehung eigentlich einnimmt. Therapien können nämlich nur dann entwickelt werden, wenn man weiß, welche Defizite man überhaupt durch diese Therapien aufzufüllen versucht. Und um das herauszufinden, ist es Voraussetzung zu verstehen, was diese Beziehung überhaupt so unentbehrlich für eine normale Entwicklung macht.

Um das Verständnis des verwendeten Begriffes des „Waisen“ oder auch „Waisenkindes“ zu schaffen, erläutere ich jedoch zunächst was wir darunter im Folgenden alles verstehen. Grob gesagt gibt es Vollwaisen, die ohne jeglichen Kontakt zu beiden Elternteilen aufgewachsen sind und Halbwaisen, die lediglich Kontakt zu einem Elternteil hatten. Diese Kategorisierung betrifft also die Frage der Quantität, nämlich ob ein Elternteil oder eben beide keinen Kontakt zum Kind hatten. Eine Einstufung nach der Qualität ist aber ebenfalls möglich. Hierbei stellt sich die zentrale Frage „warum“ die Kinder ohne Eltern aufgewachsen sind. Sprich: Sind es Kriegswaisen, also Kinder, deren Eltern bzw. Elternteil, im Rahmen militärischer Interventionen umgekommen sind?

 

Sind es soziale Waisen, deren Eltern eigentlich noch am Leben, allerdings als Folge sozialer Probleme nicht dazu in der Lage sind, ihre Kinder zu erziehen? In jedem Fall ist zu klären, unter welchen Umständen die Trennung der Kinder von ihren Eltern stattgefunden hat, um gegebenenfalls weitere traumatische Folgeerkrankungen, welche eklatant wichtig für die biologische Betrachtung sein können, erklären zu können. In der allgemeinen Betrachtung, wie ich sie pflegen werde, ist darauf zu

achten, dass unter „Waisen“ generell Kinder zu

verstehen sind, die kurz nach ihrer Geburt von einem beziehungsweise beiden Elternteilen getrennt wurden. Auf die spezifischen Qualitäten der Waisen werde ich nicht mehr eingehen, da dies für meine Betrachtungen irrelevant ist.

Der Vollständigkeit halber erachte ich es allerdings als notwendig diese Differenzierung zwischen den verschiedenen Kategorien der Ausprägung der Verwaisung, aufgeführt zu haben, da es im Hinblick auf die häufig verallgemeinernde wissenschaftliche Betrachtung, passieren kann dass man hinter all den biologischen Fakten vergisst, dass es sich um vielfältige menschliche Individuen handelt, deren persönliches Schicksal und Charakter weitaus zu komplex wäre, als dass man es wissenschaftlich erfassen und in strikte biologische Schemata einordnen könnte. Ich will zudem dazu raten, sehr vorsichtig damit zu sein, die Erkenntnisse, die gegebenenfalls aus unseren Forschungen zu ziehen sind, verallgemeinernd auf Menschen anzuwenden, die einen Großteil ihrer Jugend ohne elterliche Fürsorge verbracht haben. Alle Untersuchungen, die wir durchführten und derer ich mich bediene, bezogen sich auf Kinder, die nicht die Wahl hatten, ob sie von ihren Eltern erzogen werden wollen oder nicht. Dieser Faktor ist ein entscheidender um zu verstehen, dass die von mir vorgebrachten Ergebnisse nicht auf Kinder anwendbar sind, die gemeinhin als Straßenkinder verstanden werden – also solche Kinder und Jugendliche, die von Zuhause weggelaufen sind um sich der elterlichen Fürsorge zu entziehen.

Biologische Grundlagen – Menschliche „Brutpflege“

Doch wollen wir biologisch im Kleinen anfangen bevor wir versuchen einige der vielen komplexen Mechanismen unseres Verhaltens zu verstehen. Grundlage für die Entstehung von Eltern-Kind- Bindungen ist zunächst ja erst einmal die Tatsache, dass der Mensch und dem Menschen nah verwandte Lebewesen, sich um ihren Nachwuchs sorgen. Anders als beispielsweise Fliegen, die ihre Eier ablegen und dann „das Weite suchen“ können, sind die Eltern von Menschen und Hominiden genötigt ihre Nachkommen zu umsorgen, da diese andernfalls nicht überleben könnten. Diese Variante der Brutpflege ist aber naturgemäß auch mit einem äußerst hohen Energieaufwand der Eltern verbunden, der einzig und allein dazu dient, die Überlebenschancen des Nachwuchses und damit der eigenen Gene, zu erhöhen. Bei solchen Arten, die bereits als Jungtiere sich selbst überlassen sind, sind entsprechend auch die Raten der Sterblichkeit der Jungtiere weitaus höher. Dies wird jedoch eben durch die Tatsache ausgeglichen, dass solche Arten weitaus zahlreichere

Nachkommen haben. Es lässt sich also generell festhalten: Je stärker die Brutpflege einer Art ausgeprägt ist, desto weniger Nachkommen werden von ihr in der Regel gezeugt. Aber auch in diesem Punkt lassen sich innerhalb einer Art Unterschiede feststellen. In jeder Population zeugen jene Lebewesen mehr Nachkommen denen genügend Ressourcen wie z.B. Nahrung zur Verfügung stehen, welche erforderlich sind um die Nachkommen ernähren zu können.

Wir finden hier also eine generelle und natürliche Wirtschaftlichkeit vor. Die Bilanz lautet zusammengefasst: Arten, die sich um ihre Nachkommen sorgen und intensive Brutpflege betreiben, gleichen den dadurch entstandenen Nachteil durch verbrauchten Energieaufwand dadurch aus, dass sie damit gewährleisten, dass die Überlebenschancen der Träger ihrer Gene durch die Fürsorge erhöht werden. Man nennt solche Lebewesen, die also tendenziell wenige Nachkommen zeugen, dafür aber sehr hohe Energie aufwenden um für diese Nachkommen zu sorgen, K-Strategen. Lebewesen, die auf hohe Nachkommenzahlen setzen und auf Brutpflege weitestgehend oder ganz verzichten, bezeichnet man als r-Strategen.

Setzen wir diese Erkenntnisse nun in Beziehung zum Menschen. Bei diesem handelt es sich ganz eindeutig um einen typischen K-Strategen mit überaus intensiver Brutpflege.

Diese Brutpflege beinhaltet unter anderem die Erziehung. Betrachten wir die Untersuchungen, die wir an verschiedensten K-Strategen gemacht haben, so gelangen wir stets zu einem Ergebnis. Egal ob man Primaten, Löwen, Bären, Biber oder Elefanten untersuchte, wurde deutlich, dass die Fürsorge der Eltern zu ihren eigenen Nachkommen immer stärker ausgeprägt war als zu Jungtieren anderer Herkunft.

Man führte das auf die Verwandtschaft zurück, und damit darauf, dass das Interesse der Elterntiere die Träger der Teile ihres eigenen Erbgutes zu erhalten

weitaus größer war als das Interesse daran „fremden“ Jungtieren zu helfen. Gewiss finden sich auch Beispiele, die man als kooperative Aufzucht bezeichnet, bei denen Löwinnen unter bestimmten Bedingungen auch Junge fremder Weibchen säugten. Dennoch bestehen keine ernsthaften Zweifel daran, dass die Fürsorge für eigene Kinder in aller Regel auch bei diesen Löwenarten weitaus stärker ausgeprägt ist, als diejenige, die den fremden Jungen gilt. Das würde bedeuten, dass im Konfliktfall stets die eigenen Jungen den Vorzug erhalten würden. Solche Entwicklungen wie die der kooperativen Aufzucht sind vermutlich speziellen Bedingungen geschuldet wie beispielsweise die Tatsache, dass einige Individuen überflüssige Nahrung mit Angehörigen ihrer Art teilen, die selbst möglicherweise keine Möglichkeit haben an Nahrung zu gelangen um die Gesamtfitness der eigenen Art aufrecht zu erhalten. Hier findet erstaunlicherweise eine scheinbar höchst rationale Abwägung statt. Hat ein Löwenweibchen genug Nahrung um ausreichend Milch für ihre Jungtiere zu produzieren, und zugleich trifft es auf ein weiteres fremdes Jungtier, welches möglicherweise hungert, so ist das Weibchen bereit auch das fremde Jungtier zu säugen. Denn obwohl es genetisch nur weit entfernt dem Weibchen gleicht, ist das Jungtier allerdings doch noch näher mit dem Weibchen verwandt als beispielsweise Individuen anderer Arten. Und insofern ist es überaus klug im Sinne des Artenerhalts altruistisch zu handeln und das fremde Jungtier zu säugen.

Ähnliche Strukturen finden wir beim Menschen vor. Insbesondere in den Reihen besser Betuchter finden wir häufig die Bereitschaft zur kooperativen Aufzucht, was sich in Form von Adoptionen oder der Gründung von Kinderhilfswerken zeigt. Dies sind biologisch betrachtet Maßnahmen zur Arterhaltung.

Logischerweise stellt sich nun die Frage, weshalb unter all diesen Umständen dann eigentlich nicht Mutter und Vater in gleichem Maße an der Aufzucht der Jungen beteiligt sind. Denn wenn das Interesse an der Erhaltung der eigenen Gene der treibende Motor der elterlichen Fürsorge ist, dann müssten Väter und Mütter sich ja gleichermaßen um ihre Nachkommen sorgen, da bekanntermaßen ja mütterliche und väterliche Erbinformationen zu gleichen Teilen in dem Genom der Nachkommen enthalten sind. Das ist aber gerade im Hinblick auf den Menschen, wie wir wissen, überhaupt nicht der Fall. Es ist in den Erziehungs- und Sozialwissenschaften sowie in der Psychologie eine angenommene Tatsache, dass die mütterliche Fürsorge für Nachkommen weitaus größer ist als die väterliche. Aber woran liegt das nun?

Die Erklärung liegt in der Art und Weise der menschlichen Befruchtung. Dabei handelt es sich nämlich um eine sogenannte innere Befruchtung. Das bedeutet, dass die Befruchtung innerhalb des Körpers eines der beiden Elternteile stattfindet. Beim Menschen geschieht die Befruchtung der Eizelle innerhalb des weiblichen Körpers. Gebärt eine Mutter also ein Kind, so kann sie sich 100%ig sicher sein, dass das Kind ihre Erbinformationen trägt. Es bildet sich also eine sehr enge Bindung aus, was auch die Ursache für die enorme Bedeutung der Mutter-Kind-Beziehung ist. Die Vater-Kind- Beziehung ist in der Regel weitaus weniger stark ausgeprägt. Und das liegt daran, dass der Vater sich eben nicht sicher sein kann, dass das Kind seines Partners nicht vielleicht das Ergebnis der Paarung des Weibchens mit einem anderen Männchen ist. Diese Vaterschaftsunsicherheit, die völlig typisch für die Verhaltensweisen von Arten ist, die sich mithilfe der inneren Befruchtung fortpflanzen, führt dazu dass die Vater-Kind-Beziehung naturgemäß weniger stark ausgeprägt ist, als die Mutter-Kind- Beziehung. Hinweise darauf dass dies auch beim Menschen der Fall ist, geben uns Forschungen, nach denen das Kindchenschemas, also die menschlichen Reaktion auf Säuglinge (man findet Babies süß), bei Männern weitaus schwächer ausgeprägt sind als bei Frauen. Dieses Verhaltensmuster wird als zentraler Auslöser von elterlicher Fürsorge angesehen.

Verhaltensphysiologie

Insbesondere dieser Angeborene Auslösemechanismus, der den Anblick von Säuglingen (und insbesondere solcher, die dem eigenen Aussehen ähneln, also morphologische Ähnlichkeiten mit dem Selbstbild aufweisen) als Schlüsselreiz für die Ausschüttung von Oxytocin, einem Hormon, welches ein Wohlgefühl auslöst, darstellt, gibt uns Hinweise darauf, wie wichtig es sein muss, dass Säuglinge von ihren Eltern betreut werden. Und in der Tat, auch verhaltensbiologisch lässt sich diese These experimentell belegen.

 

Harry Harlow, ein US-amerikanischer Psychologe und Verhaltensforscher, trennte ein Jungtier der Art Macaca mulatta von seinen Eltern und zog es in Anwesenheit einer Ersatzmutter, die nichts anderes war als ein Drahtgestell, das in der Form sehr grob einem Affenweibchen glich, auf. Das Junge wurde darauf geprägt, dass es annahm diese künstliche Mutter wäre seine leibliche Mutter. Dieser Versuch wurde an verschiedenen Versuchstieren vollzogen. Bei allen untersuchten Tieren traten in der Folge der Experimente schwere gesundheitliche Probleme und schwerwiegende Verhaltensstörungen auf. Man bezeichnet dies als Hospitalismus. Solche Verhaltensstörungen wurden später auch bei Waisenkindern festgestellt.

Man führte diese psychischen Anomalien auf die fehlende Mutter-Kind- Bindung zurück. Das zeigt eindrucksvoll, wie wichtig die Mutter-Kind- Beziehung ist, und welche Folgen ein Fehlen haben kann. Früher wechselten die Bezugspersonen der Waisen sehr häufig, sodass sie auch nicht die Möglichkeit hatten eine Ersatzbeziehung aufzubauen, die an die Stelle der natürlichen Mutter-Kind-Beziehung treten konnte.

Insbesondere dem Geruch des Säuglings wird bei der Bildung einer solchen Bindung eine zentrale Rolle beigemessen. Entsprechend unserer Untersuchungen reagierten frisch gebackene Mütter auf den spezifischen Geruch ihres eigenen Kindes mit starken Ausschüttungen von Glückshormonen, während auf den Geruch fremder Kinder keine solche Reaktion folgte. Da der Ausschüttung solcher Glückshormone eine zentrale Rolle zur Bildung der Mutter-Kind-Beziehung zugesprochen wird, ist davon auszugehen, dass eine vollwertige Mutter-Kind-Beziehung nur zwischen einer Mutter und ihren biologischen Nachkommen möglich ist. Folge einer zwangsläufig aus der fehlenden Mutter- Kind-Beziehung resultierenden Vernachlässigung adoptierter bzw. genetisch fremder Kinder, sind ähnlich wie beim Hospitalismus psychische Störungen der Kinder im späteren Leben. Dieses Problem ist besonders problematisch bei Säuglingen, deren Mütter bei der Geburt sterben. Abgeschwächt ist es allerdings auch vorzufinden wenn die Verwaisung im Laufe der Kindheitsentwicklung auftritt.

Zwar bewirkt Verwaisung im Kindheitsalter nicht mehr die Entstehung akuter gesundheitlicher Probleme. Allerdings kann insbesondere die sexuelle Prägung in diesem Zeitraum beeinflusst werden. In der Verhaltensbiologie gilt es als erwiesen, dass in der Kindheit zahlreicher Lebewesen auch die sexuelle Prägung stattfindet. Das bedeutet: In der Kindheit lernen Kinder die arttypischen Merkmale künftiger Sexualpartner kennen. In der Theorie bedeutete dies nun jedoch: Fehlt einem weiblichen Säugling mangels einer Vaterfigur während dieser sensiblen Phase, in der es auf künftige Sexualpartner geprägt wird, der Kontakt zu einer männlichen Bezugsperson, so verschiebt sich die sexuelle Prägung auf weibliche Artgenossen. Es entstünde Homosexualität. Dies ist nur eine Möglichkeit, sich entwicklungspsychologische Abweichungen von der Verhaltensnorm zu erklären. Anzunehmen ist trotz allem jedoch, dass ein gestörtes Verhältnis der Kinder zu ihren Eltern oder das Fehlen von Elternteilen, nach den heute gängigen Theorien Auswirkungen auf die Individualentwicklung haben.

Die tatsächlichen Physiologischen Schlussfolgerungen jedoch können aus dieser Hypothese noch nicht letztendlich gezogen werden. Und so wird es Gegenstand meiner künftigen wissenschaftlichen Bemühungen sein, welche Folgen auf die verhaltensbiologische Entwicklung des Individuums der Einfluss von Geschlechtshormonen der Eltern auf die Kinder hat.

Schlusswort

Mein Versuch menschliches Verhalten zur erklären, und Abweichungen desselben von der Norm biologisch aufzuschlüsseln, führte uns von der Begriffsbeschreibung einiger notwendiger Termini im Hinblick auf dieses Gebiet, über die evolutions- und ökologietheoretischen Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte bis hin zu den modernsten Forschungsergebnissen und darüber hinaus auch zu Fragestellungen, deren Beantwortung und Aufschlüsselung eine Aufgabe sind, die die Naturwissenschaften noch zu bewerkstelligen haben werden. Trotz der Tatsache, dass wir in verhaltensphysiologischen Fragen über weite Strecken noch viele Erklärungsprobleme haben, ist es mittlerweile, auch dank neuer mutiger Hypothesen möglich, Therapiekonzepte für Waisenkinder zu erarbeiten. Und zuletzt ist es gerade in Anbetracht dieses Punktes in meinen Augen erwähnenswert, dass Forschung hier mitnichten um ihrer selbst willen sondern ausschließlich im Dienste des lebenswerten menschlichen Daseins stehen.