ThinkTank – Dialog

Eine 29-jährige Mutter (M) zweier Kinder und einer der bedeutendsten Philosophen (P) des 21. Jahrhunderts treffen zufällig in der Fußgängerzone einer belebten Großstadt aufeinander. Sie befinden sich auf der Höhe eines, gerade neu eröffneten Lebensmittelgeschäftes, das damit wirbt, ausschließlich vegane Produkte zu vertreiben. Beide mustern mit ihren Blicken etwas irritiert das Schaufenster, hinter dessen verglaster Fassade ein schnittig-adrett gekleideter Nipster gerade der veführerisch anregend eingerichteten Garnitur den letzten Schliff verleiht. Es lässt sich ein Ausdruck des Ekels erkennen, im Gesicht jener Mutter eines 2 jährigen Sohnes, dessen Vater ein – nicht lange bevor sie von ihm schwanger geworden war in Deutschland angekommener – Syrer ohne jegliche Form einer tauglichen Berufsausbildung ist, den sie anfänglich im Rahmen der, durch öffentliche Gelder geförderten, Flüchtlingshilfe in ihrer Wohnung aufgenommen hatte, in der sie gemeinsam mit ihrer ersten Tochter wohnte, deren Vater ihr Ex-Freund ist – ein arbeitsloser Kiffer, welcher der Verwirklichung, der von ihm ausgetüftelten Zielsetzung, seinen privaten Haushalt durch eine mustergültige Umsetzung einer ebenso beispiellos wie außergewöhnlich ausgefuchsten Koordination seiner monatlichen Ausgaben, nachhaltig zu konsolidieren, beharrlich nachging, indem er es konsequent unterließ sein mühsam erhartztes Kapital, durch jene unzweckmäßigen, ja beinahe schon grotesk anmutenden Risikokapitalanlagen, deren wohl bekanntester Vertreter vermutlich die, im Zuge der Globalisierung, längst zu unberechenbaren und hoch spekulativen Anlageprodukten herangewachsenen Unterhaltszahlungen sein dürften, deren primäres Ziel von der durchweg skurrilen Wahnvorstellung getragen wird, dass es sich dabei um eine realistisch zumutbare Erwartungshaltung handeln würde, wenn der biologischen Vater jedes einzelnen – auf die tatkräftige, elterliche Versorgung in lebensnotwendiger Weise angewiesenen – Kindes, plötzlich der Anforderung gerecht werden müsste, über ein Mindestmaß an Verantwortungsbewusstsein zu verfügen. Die 29-jährige Mutter der beiden Kinder, die in ihrem eigenen Leben – ohne an dieser Stelle natürlich ihren leidenschaftlichen Einsatz unerwähnt zu lassen, mit dem sie als Teenager maßgeblich daran beteiligt war, einer auserwählten Runde von etwa zehn Männern im Alter von 18 bis etwa 50 Jahren, von denen sich die meisten wohl in psychopathologisch höchst bedenklichem Zustand befunden haben dürften, die ganz besonders charmante Ehre zuteil werden zu lassen, den ausgesprochen freudvollen Umstand ihrer Anwesenheit zum Zwecke der vergnüglichen Umsetzung einer heiter-frohsinnigen Gang Bang Party, in Anspruch nehmen zu können – selbst nie irgendwas Nennenswertes auf die Reihe bekommen hat und nun von dem überschaubaren Einkommen lebt, das ihr arabischer Arbeitssklave mit ausbeuterischen Gelegenheitsjobs verdient, eröffnet plötzlich das Gespräch.

M: Warum fallen eigentlich so viele gut gebildete Menschen auf diese Alternativszene herein? Das werde ich nie verstehen.

P: Was meinen Sie mit Alternativ Szene?

M: Ich meine Gesundheitsgurus. Krebs durch Handauflegen heilen.

P: Achso. Naja, ganz so einfach funktioniert es ja auch in der Alternativmedizin nicht. Warte mal ab. Ich befürchte fast, dass sich unser Weltbild in naher Zukunft grundlegend ändern wird.

M: Ich warte auch darauf.

P: Ja, aber es wird in eine Richtung gehen, die dir überhaupt nicht passt. Du vertrittst immer noch deine aufklärerische, rationalistische Ideologie.

M: Zumindest habe ich etwas gegen Dogmen.

P: Du hast doch längst deine eigenen Dogmen. Das was du vertrittst ist der dogmatischste Scheißdreck, den es aktuell überhaupt gibt. Dieser radikal rationalistisch fundierte atheismus ist in seinem Kern dogmatisch.

M: Ich behaupte nur, dass die bisherigen Ideologien und Religionen falsch waren bzw. sind. Einen Alternativvorschlag habe ich nicht wirklich.

P: Du lebst – wenn man es anhand deines philosophischen Weltbildes beurteilen müsste – 200 Jahre in der Vergangenheit. Davon mal abgesehen: In dem Augenblick wo du eine Religion als “falsch” bewertest, wirfst du doch schon mit dem ersten Dogma um dich.

M: Außerdem, dass die Menschheit irgendwann einsehen muss, dass nur eine komplette Zusammenarbeit uns in die Zukunft der Kolonisation des Weltraums bringen wird.

P: Toll. Du switchst also zwischen 200 Jahren in der Vergangenheit und 10,000 Jahre in der Zukunft. Ist die Gegenwart so beängstigend für dich?

M: Wenn man die Religionen betrachtet, erkennt man doch, dass sie aus rein menschlichem Verhalten entstanden sind und in ihrer jetzigen Form einfach nicht zukunftsweisend sind. Ganz davon abgesehen ist die Gegenwart dermaßen langweilig. Das ist das Problem.

P: Überhaupt nicht! Du kriegst nur nix mit in deinem Mikrokosmos. Zukunftsweisend sind natürlich nicht Religionen. Zukunftsweisend ist das, was wir Menschen aus ihnen machen. Der Koran ist nicht umsonst so vieldeutig formuliert. Man kann den Koran nicht leben, wenn man sich darüber nicht zuvor erst einmal Gedanken gemacht hat. Und ganz davon abgesehen ist der Islam sogar ganz ausdrücklich dafür bekannt, dass er so gut wie keine Dogmen kennt.

M: Du argumentierst jetzt wirklich für den zukünftigen Weg des Islam? Ich bin gespannt.

P: Du checkst es nicht. Es geht nie um den Islam. Es geht um die Menschheit.

M: Dann bring mich dazu es zu kapieren. Mach weiter.

P: Laut islamischer Vorstellung ist jeder Mensch erstmal Muslim. Ich erinnere mich an eine Geschichte aus dem Leben des Propheten Mohamed. Daran sieht man es perfekt. Aber ich weiß jetzt nicht, ob ich es alles richtig zusammenkriege.

Ich glaube da ging es um ne Vergewaltigung oder sowas… Irgendwas kriminelles jedenfalls. Und die kamen dann zu Mohammed, der da sowas wie ein Richter war, der die Strafen verhängen und Urteile fällen durfte. Und er verhängte über den Beschuldigten – nachdem er sich ein entsprechendes Urteil über den Sachverhalt hatte bilden können – dann die Todesstrafe. So. Was passierte? Allah meldete sich bei ihm und teilte ihm mit, dass es dafür keine Todesstrafe gibt.

M: Wie praktisch.

P: Ja haha. Nein aber daran merkst du doch, dass selbst der Prophet Mohammed immer noch ein fehlbarer Mensch war.

M: Ja.

P: Die apokalyptischen Szenarien die der Koran skizziert, sind verdammt verstörend. Es gibt überall Andeutungen, in denen man fast prophetische Weissagungen herauslesen kann. Nein, nicht nur fast. Das ist ja genau das. Das ist ja der Inbegriff der prophetischen Andeutung.

M: Damit man sich in seinem religiösen Wahn bestätigt sieht.

P: Vollkommen natürlich… ist ja in jedem buch so (mit ironischem Unterton)

Gut, man findet das schon auch an manchen Stellen in den Ausführungen von Nietzsche. Das stimmt. Zumindest an denjenigen Stellen, die er im Endstadium seiner Neurosyphilis verfasste.

M: Ich denke diese Endzeitgedanken traten immer auf, wenn sich konkrete Wandel der Gesellschaft vollzogen. Veränderungen verstören den Menschen in seiner Gewohnheit.

P: Naja. Es hat einen Anfang gegeben. Da ist es schon durchaus nicht jenseits jeglicher Logik wenn man dann in Erwägung zieht, dass es irgendwann eben auch ein Ende geben wird.

M: Als der Mensch Bewusstheit über die Endgültigkeit des Todes erlangte, bzw. das Gefühl Trauer bei der Mehrheit der damaligen Menschen entstand, musste man sich ja irgendwas ausdenken. Religion ist ein Schutzmechanismus gegenüber der Desintegration von Gefühlen in das menschliche Seelenheil.

P: Nochmal: deine Herangehensweise wird dem Anspruch den die Religion an eine Diskussion haben muss nicht gerecht. Jetzt mal ganz ehrlich: Das ist doch vom Prinzip genau derselbe ignorante Käse, den jeder andere auch quatscht. Einfach weil man aufgeklärt wirken will.

M: Ja, genau.

P: Deswegen flüchtet man sich in diesen Mainstream Materialismus. Das nächste, was dann im selben Atemzug immer kommt, sind solche Aussagen wie „Gefühle sind nur Chemie”. “Gedanken sind nur elektrische Impulse.” “Der Mensch ist eine Maschine” “Wir können alles berechnen.”

M: Das ist ja auch erstmal so.

P: Das Ding ist: Das ist das erkenntnistheoretische Weltbild, das sich ausgehend von den Überlegungen Descartes‘ irgendwann etabliert hat. Rationalismus. Und für uns Europäer klingt das alleine deswegen schon so überzeugend, weil es dieser naturwissenschaftlich fundierte Rationalismus bzw. mit ihm verwandte intellektuelle Strömungen waren, die daran mitwirkten, die katholische Kirche von ihrer allmächtigen Position zu verdrängen, in der sie sowohl politisch als auch gesellschaftlich über die absolute Kontrolle verfügte. Und nur mal ganz nebenbei angemerkt: Gerade vor dem Hintergrund dieses massiven historischen Einflusses, welcher durch das Aufkeimen und letztlich auch die Etablierung einer kritischen, vernunftorientierten Auseinandersetzung mit den Dogmen der katholischen Kirche, im europäischen Raum eine grundlegende gesellschaftliche Wende einleitete, konnte sich der Rationalismus in der westlichen Welt als Wegbereiter einer freiheitlich ausgerichteten Kultur profilieren. Oder anders gesagt: In unserer westlichen Ideologie wurden die Dogmen der katholischen Kirche durch die Dogmen des empirischen Positivismus ersetzt: Alles was nicht wissenschaftlich „erwiesen“ ist, wird als „unwahr“ abgestempelt. Und da man die Existenz Gottes nicht empirisch beweisen kann, wird man von denjenigen, die sich für ganz besonders aufgeklärte Verfechter der Vernunft halten, ausgelacht oder sogar für verrückt erklärt, wenn man öffentlich erwähnt, dass man an Gott glaubt. Man wird also dafür verachtet, dass man eine, von den Prinzipien des Mainstreams, abweichende Denkweise hat. Und genau dieser Konflikt ist meiner Meinung nach eines der Kernprobleme im Verhältnis von Islam und westlicher Kultur. Denn aufgrund der Tatsache, dass sich dieser – in unserer westlichen Weltanschauung als „unfehlbar“ geltende – positivistische Grundsatz, vor allem deswegen durchsetzte, weil mit ihm die Entmachtung der katholischen Kirche in Europa einherging. Einen solchen Umbruch hat es im Islam in dieser Form nie gegeben. Genau das ist auch immer damit gemeint, wenn Europäer dem Islam unterstellen, er würde der westlichen Kultur 300 Jahre hinterherhinken, und damit voraussetzen, dass es zur Entwicklung eines jeden Kulturkreises gehört, dass er genau dieselben Stationen durchläuft wie die europäischen Gesellschaften. Tatsächlich wäre es allerdings weitaus schlüssiger vom exakten Gegenteil (also davon, dass die christlichen Glaubensgrundsätze hinter den Islamischen zurückgeblieben sind) auszugehen. Immerhin ist der Islam ca. 500 Jahre jünger als das Christentum, was man durchaus als Anhaltspunkt für die Überlegung heranziehen könnte, ob der Islam dann nicht möglicherweise auch 500 Jahre moderner ist.

M: Also für mich sind rational denkende Menschen näher an Spiritualität als Religionsanhänger.

P: Okay… das muss man jetzt aber hoffentlich nicht zwangsläufig verstehen was das jetzt wieder bedeuten soll…

M: Nun. Gebet, Gottvertrauen und Geborgenheit, Erkenntnis, Weisheit und Einsicht, Transzendenz-Überzeugung, Mitgefühl, Großzügigkeit und Toleranz, bewusster Umgang mit anderen, sich selbst und der Umwelt (entspricht im weitesten Sinne einem achtsamen Umgang auf horizontaler Ebene), Ehrfurcht und Dankbarkeit. Gleichmut und Meditation.

Das zeichnet Spiritualität aus.

P: Das hat doch alles überhaupt nichts mit Rationalismus zu tun.

M: Bis auf Gebete und Gottvertrauen sind das alles Punkte, die ein friedliches Miteinander ermöglichen würden.

P: Und was ist mit Transzendenz-Überzeugung? Großzügigkeit und Toleranz sind im Rationalismus meiner Meinung nach auch nicht zwangsläufig immer enthalten. Und Meditation schon mal gar nicht. Das ist doch weitestgehend sogar so ziemlich das Gegenteil von dem, was uns unser Rationalismus wirklich gebracht hat.

M: Transzendenz in dem sinne, dass man auch immer das noch nicht Erfasste im Blick behält. Mitgefühl und Toleranz ergeben sich zwingend logisch, wenn man denn alle Menschen zusammen bringen will. Ressourcen – sprich: die Umwelt – zu achten ist ja wohl mehr als rational gegenüber der Ausbeutung des eigenen Lebensraumes.

P: Wir meinen aber doch hoffentlich schon dasselbe, wenn wir von Rationalismus reden?

Rationalismus bedeutet meiner Meinung nach eher so viel, wie die Weltanschauung, deren Anhänger davon überzeugt ist, dass die ganze Welt rein materiell und in der folge auch messbar bzw. in mathematischen Systemen quantifizierbar ist.

M: “Rational” bedeutet ja eigentlich nichts anderes, als vernünftig bzw. logisch zu denken.

P: Haha, ich weiß nicht ob du Dr. Axel Stoll noch kennst.

M: Muss man wissen!

P: Der hat es interessanterweise manchmal recht gut beschrieben, was den Rationalismus im Grunde vielleicht ganz grob umschreibt, wenn er sagte: „Im prinzip brauchen wir nur drei Wissenschaften um alles zu beschreiben: Physik, Mathematik, Philosophie”. Da kommt dieser Kernaspekt nämlich auch wieder vor: Die Grundannahme, man könne mit naturwissenschaftlichen Mitteln “Alles” beschreiben.

M: Meditation ist gesundheitsfördernd und würde so einigen helfen, weniger Medikamente zu schlucken.

P: Ja, und warum setzt sich das nicht durch? Du sprichst genau den richtigen Punkt an mit der Meditation. Aber dann frag dich mal im nächsten Gedankenschritt, warum du als eine esoterische Spinnerin bezeichnet wirst, wenn du sowas in der Öffentlichkeit von dir gibst.

M: Kapitalismus.

P: Quatsch!

M: Ich meine echt super, dass der medizinische Fortschritt uns einiges ermöglicht.

P: Jetzt hör aber mal auf! Die Punk-Zeiten sind vorbei.

M: Ok.

P: Klar, der Kapitalismus ist sicherlich eine Parallelentwicklung zum Rationalismus. Passt ja auch gut zusammen. Sowohl Kapitalismus, als auch Rationalismus quantifizieren gerne alles. Die haben beide gemeinsam, dass sie die Welt mit mathematischen Gleichungen und letzten Endes eben in Form von Zahlen beschreiben. Das alleine ist es aber noch nicht.

Nein, du wirst deswegen für ne Esospinnerin gehalten, weil man das was du da vertrittst nicht in Zahlen empirisch nachweisen kann. Du kannst es nicht messen, du kannst es nicht mit den Mitteln der Naturwissenschaften beweisen. Dann ist es wertlos. Und du bist dann eben eine Esospinnerin. Und genau das ist doch das beste Beispiel dafür, dass gerade der Rationalismus immer dann unbrauchbar ist, wenn mal etwas sich dem Dogma der Messbarkeit entzieht.

M: Naja. Du redest von objektiver Rationalität. Dabei kann man auch in einem geschlossenen Denkmodell rational sein, obwohl es von außen betrachtet möglicherweise bescheuert ist. Nehmen wir mal das Beispiel “Beschneidung”. Für viele Gläubige ist das eine absolut rationale Handlung.

P: Du hast auch immer die selben Themen. Deswegen ist es nervig und sinnlos mit Müttern über sowas zu diskutieren. Man landet immer wieder bei irgendwelchen Kinderthemen.

M: Okay. Dann eben: Prügelstrafe.

P: Prügelstrafe?

M: Komplett rational.

P: Nicht wirklich.

M: Wenn man sich sicher ist dadurch positive Verhaltensänderungen zu erzielen.

P: Nein, stimmt nicht. Kann man ja nicht sein. Weil die Studienlage dagegen spricht. Und zwar deutlich.

M: Richtig. Das ist objektiver Rationalismus.

P: Ja, warum sollte das dann rational sein, wenn die sogenannten “Fakten” doch eindeutig dagegen sprechen, dass es stimmt?

Mal ganz ehrlich: Wenn wir uns jetzt wirklich darauf einlassen würden, “subjektiven” und “objektiven” Rationalismus voneinander zu unterscheiden, und diese beiden Teilgebiete als rationalistisch bzw. von mir aus auch “rational” – wie du es ja nanntest – durchgehen lassen….

M: Ja, solange es in den eigenen Wertekontext passt und durch eigene Lebenserfashrung abgesichert ist.

P: Dann können wir uns die Verwendung des Wortes “rational” im Grunde auch gleich komplett schenken. Weil dann wäre ja alles Handeln immer rationalistisch/rational.

M: Du hast Recht. Es ist wohl einfacher beim objektiven Rationalismus zu bleiben.

P: Das macht überhaupt alles nur dann einen Sinn, wenn man Rationalismus generell einen objektivistischen Ansatz unterstellt. Und wenn wir ehrlich sind: Im Grunde ist unsere Vorstellung von Objektivität doch überhaupt erst aus diesem Gedankenkonzept der naturwissenschaftlichen Messbarkeit hervorgegangen. “Objektiv” ist doch eigentlich auch nur ein anderes Wort für messbar. Überprüfbar. Verifizierbar. Aber genau da sehe ich halt diese erkenntnistheoretische Sackgasse, in der wir uns befinden. Wir hängen immer noch an dem Wunschdenken, dass wir dazu in der Lage wären mit High End Technologien wirklich alles messen zu können. Alles zu quantifizieren. Und immer dann, wenn etwas nicht quantifizierbar ist, dann erklären wir es für unwissenschaftlichen Schwachsinn. Und wenn du mich fragst: ich glaube, dass wir mit diesem Modell in naher Zukunft nicht mehr weiter kommen werden. Und als jemand, der 5 Jahre lang in einer Medizinischen Fakultät studiert hat, kann ich dir genau davon ein Lied singen.

Es ist ein vollkommener Irrsinn!

Vollkommen hirnrissig…

Man wird komplett erschlagen von einer Lawine von empirischen Erhebungen. Und ganz besonders absurd wird es ja dort, wo sich die Forschung plötzlich zum Selbstzweck entwickelt. Es werden in Zukunft immer mehr Medikamente auf den Markt kommen, die ganz unzweifelhaft nachweisbar, effektiv dazu in der Lage sein werden Krankheiten vollständig zu kurieren, die bis dahin als unheilbar oder gar tödlich galten.

Und ich rede da gerade nicht von irgendwelchen one-in-a-billion-Krankheiten sondern von weltweit verbreiteten, bekannten Erkrankungen. Was weiß ich: Multiple Sklerose, Morbus Parkinson, Alzheimer Demenz, alle möglichen Krebserkrankungen, HIV/AIDS, usw.

Aber es wird sich nur noch ein winziger Teil der Menschen diese Medikamente leisten können.

Und in diese Welt hast du zwei Kinder gesetzt. Herzlichen Glückwunsch!

Nein… ich gebe es ja zu: ist natürlich auch Quatsch so zu denken.

Es ist eigentlich vielleicht sogar vielmehr das Gegenteil der Fall.

Ich finde dieses Geschwätz von wegen “Wir müssen uns darum kümmern, dass wir den nächsten Generationen eine perfekte Welt hinterlassen… bla bla bla” vollkommen dämlich.

Nein…

Deine beiden kleinen Hoffnungsschimmerchen mit ihrem ganzen Potenzial, das nur darauf wartet, dass es sich entfalten kann. Das sind diejenigen, das sind die frischen, unverbrauchten Köpfe, die mit der richtigen Unterstützung diejenigen sein werden, die die Welt wirklich verändern.

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„Ich fick deinen Gott“ – Der atheistische Terror

Der Konflikt der Konfessionen – seit (inzwischen) Jahren beherrscht dieses Thema immer wieder die Öffentlichkeit. Der theologische Dissens zwischen, in der Mitte unserer Gesellschaft sesshaft gewordenen, Anhängern des Islam und jenen, die sich dem christlichen Glauben zugehörig fühlen, befindet sich sowohl in der öffentlichen Debatte als auch in der alltäglichen Lebensrealität vieler Kulturhochburgen, am Siedepunkt. Und in der Tat lassen sich durchaus Aspekte ausfindig machen, über die islamische Gelehrte Standpunkte vertreten, die mit der christlichen Exegese inhaltlich in Widerspruch stehen. Befasst man sich mit diesem theologischen Diskurs zwischen islamischen und christlichen Gelehrten einmal tiefschürfender, so wird man zum Schluss kommen, dass es derer sogar zahlreiche gibt. Bis hierhin erzähle ich Ihnen vermutlich nichts Neues. Und vor dem Hintergrund dieses allgemein bekannten Wissens führen wir uns an dieser Stelle einfach mal ein YouTube-Video zu Gemüte, welches den Titel „Ich fick deinen Gott“ trägt, und auf einen WDR Beitrag aus dem Jahr 2012 zurück geht.

Ohne nun im Detail auf die Urheber des Beitrages eingehen wollen, möchte ich, um der zeitlichen sowie kognitiven Begrenztheit, welche Ihnen – werter Leser – als bedeutungsloses Zahnrädchen im übermächtigen Uhrwerk unseres Gesellschaftssystems zur Verfügung steht, entgegenzukommen, den wesentlichen Inhalt, der im Weiteren den Kern meiner Überlegungen darstellen wird, zusammenfassen.

Wir wurden nämlich Zeuge eines Berichtes, in dem es augenscheinlich zunächst einmal um Sachbeschädigungen geht, deren Urheber – dies ist zumindest den Aussagen der zu Wort kommenden Personen zu entnehmen – eine Gruppe ausländischer Jugendlicher gewesen zu sein scheint.

Diese Annahme wird untermauert durch das Statement des zuständigen Geistlichen der „katholischen Kirche Duisburg-Meiderich“, welcher von „einer Gruppe ausländischer Jugendlicher“ berichtet, die er beim Ballspiel – unter Einbeziehung der kirchlichen Infrastruktur – „freundlich“ gebeten habe, eben dieses zu unterlassen. Will man dem guten Mann – trotz der Tatsache, dass sein Erscheinungsbild diese Annahme durchaus zulassen würde – jetzt einmal nicht unterstellen, dass die von ihm dargelegte „freundliche Bitte“ in ihrem Wesensgehalt dem – inzwischen zu allgemeiner Bekanntheit gelangten – katholischen Prinzip klerikaler Nächstenliebe gegenüber Jugendlichen (was nichts anderes bezeichnet als jenen Tatbestand, den das Deutsche Strafrecht unter der Bezeichnung „Sexueller Missbrauch von Jugendlichen“ führt) folgte, so ist diesem Repräsentanten des Vatikans kaum vorzuwerfen, mit seinen Worten eine Eskalation provoziert zu haben. Umso kritischer ist die berichtete Reaktion der Jugendlichen zu betrachten, die der Kleriker unter anderem mit den Worten „Ich fick deinen Gott“ zitiert.

Man könnte nun natürlich – nähme man es ganz genau – auch fragen, welcher tiefere Sinn sich in der Formulierung finden lässt, in deren Rahmen der geschätzte Herr Rose davon spricht, dass die besagte Gruppe ausländischer Jugendlicher „gegen die Kirche Ball gespielt“ habe. Beinahe weckt eine solche Wortwahl ja die Vorstellung von einer Art Benefiz-Spiel unter dem Motto „Kicken gegen die Kirche!“. Wenn man so darüber nachdenkt eine durchaus vielversprechende Anregung, für deren Umsetzung sich mit großer Wahrscheinlichkeit zahlreiche Teilnehmer begeistern lassen könnten.

Um nun allerdings einen gewissen Respekt gegenüber der frommen Kirchengemeinde bzw. deren Vertretern zu wahren, unterlasse ich es diesen Gedankengang fortzuführen und kehre den Fokus meiner Aufmerksamkeit lieber wieder dem theologisch-intellektuellen Diskurs, den zu führen ich ja eingangs angekündigt hatte, zu.

Dieser thematisiert die Differenzen, welche im Vergleich von christlicher und islamischer Glaubensauffassung, die Basis für divergierende Standpunkte in der Beurteilung religiöser Gegebenheiten, bilden. Um nur einige zu nennen: Entsprechend der Trinitätslehre wie sie im Christentum gelehrt wird, ist Jesus Christus der Sohn Gottes. Vereinfachend . Diesen Standpunkt wiederum lehnen Muslime ab, da sie Jesus Christus zwar als Propheten betrachten, es jedoch im Islam als „Schirk“ bezeichnet wird und damit als verboten (ḥarām) gilt, Gott einen Sohn beizugesellen (dies ist übrigens auch der Grund dafür, warum Sie gläubige Muslime nicht zu Heiligabend einzuladen brauchen). Mitnichten ist es jedoch der Fall, dass Jesus in den Augen gläubiger – und vor allem über ihre Religion informierter – Muslime, keine prophetische Bedeutung zukäme. Wie dem auch sei. Neben diesem Beispiel gibt es natürlich auch noch weitere. Diese betreffen die Ehe, das Zölibat (welches der Islam nicht kennt), sowie andere Punkte, deren Aufzählung aber nun den Rahmen sprengen würde.

Wie bereits gesagt: Es gibt eine ganze Liste von Auffassungen, in denen Christen und Muslime sich unterscheiden. Der – allerdings – essentiellste Aspekt – nämlich die Anerkennung des einen und einzigen, allmächtigen, allwissenden Gottes, der uns alle ebenso wie die Welt in der wir leben, erschaffen hat – gehört nicht dazu. Er gehört nicht nur nicht zu den Unterschieden, die diese Konfessionen voneinander abgrenzen, sondern dürfte sogar DIE grundlegende Gemeinsamkeit dieser beiden monotheistischen Religionen sein.

Würde also ein Muslim die Aussage tätigen „Ich fick deinen Gott“, so müsste er sich zunächst darüber versichert haben, was genau diesen Gott, an den er dem Adressaten seiner unflätigen Bemerkung, zu glauben unterstellt, von „seinem“ Gott unterscheidet. Mit Hinblick auf den „christlichen“ Gott (den es natürlich nicht gibt, da es selbstverständlich keinem Christen mit einem Restvermögen gesunden Menschenverstandes zustehen kann Gott für sich zu beanspruchen) müsste man schlicht und ergreifend feststellen, dass es diesen Unterschied zum „muslimischen“ Gott nicht gibt. Zwar muss ich zugeben, dass das Wort „Allah“ anders klingt – und auch anders geschrieben wird – als das Wort „Gott“. Dieser Umstand lässt sich jedoch ausschließlich aus der Tatsache herleiten, dass es einfach ein und dieselbe Bezeichnung für ein und dasselbe – nur in zwei verschiedenen Sprachen – ist.

Und da ich keinem Menschen unterstellen möchte, so dermaßen einfältig und an funktionierendem Hirngewebe verlustig zu sein, dass er außer Stande ist zu begreifen,  dass sich eine Bezeichnung für „Allah“ bzw. „Gott“, nicht alleine deswegen auf einen anderen Allah – wie auch immer dieser dann geartet sein soll – bzw. auf einen anderen Gott – auch hier wüsste ich nicht, wie man sich das vorzustellen hätte, da Gott allgegenwärtig ist – bezieht, nur weil sie in eine anderen Sprache übersetzt ist, ist für meine Begriffe alleine derjenige Schluss zulässig, nach dem es sich bei den besagten ballspielenden, ausländischen Jugendlichen – oder wenigstens demjenigen, aus dessen Mund diese Aussage stammte – um eine Horde atheistischer Rebellen handelte, deren heidnische Anfeindungen, jeden gläubigen Muslim ebenso beleidigen wie auch die Anhänger des Christentums.

Mit all diesem Wissen im Gepäck, bleibt schließlich nur noch folgende Erkenntnis festzuhalten: Der atheistische Terror ist in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen!

Kunst und Kultur

Nachdem ich bereits die Tragik des Lebens eines Van Goghs thematisiert (→ siehe „Der Freiheitskämpfer“), und damit einen Blick in Richtung Malerei und Kunst gewagt habe, will ich auch einem anderen Künstler die Gelegenheit geben, hier Erwähnung zu finden. Die Rede ist dieses mal von Peter Paul Rubens, der von 1577 bis 1640 lebte, und sich zeitlebens mit seinen ergreifenden Werken ästhetischer Schaffenskraft in der Kunstgeschichte verewigte. Der Barockmaler flämischer Herkunft erlangte nicht zuletzt durch Gemälde Bekanntheit, auf denen er die Sinnlichkeit menschlicher Nacktheit in den Vordergrund rückte. Vor allem der Begriff der “Rubens-Frau”, den Frauenrechtler*Innen zuweilen gerne heranziehen um damit eine weibliche Pommestonne feministisch eloquent zu umschreiben, hat im Zusammenhang mit der BDSM- und Fetisch-Gesellschaft, in der zu leben wir uns so glücklich schätzen können, eine Renaissance erlebt.

Zwar beabsichtige ich mich mit dem Feminist*Innen-Bashing zu diesem Zeitpunkt noch etwas zurück zu halten (diesem sind dann spätere Kapitel gewidmet). Jedoch ist es anlässlich des kulturhistorischen Exkurses in die Epoche des künstlerischen Barock (und um eine Verbindung zu unserer modernen Lebensrealität herzustellen) in meinen Augen angebracht meinen Lesern den Begriff der “Rubensfrau” bildhaft vor Augen zu führen. Aus der Gegenwart herausgegriffen würde man z.B. die von dem feministischen Magazin “Emma” hoch geschätzte Stand-Up Komikerin Cindy aus Marzahn unter einer solchen Rubensfigur verstehen. Nicht zuletzt ihr hat der Berliner Ortsteil Marzahn auch seinen einzigartigen Ruf als deutsche Kulturhochburg zu verdanken.

Nach dieser kleinen Einführung in die Welt der barocken Ästhetik rund um Peter Paul Rubens, will ich den Fokus nun jedoch etwas von der Rubensfrau weg in Richtung eines anderen großen Werks dieses Künstlers schwenken. Und zwar handelt es sich dabei um das eindrucksvolle Gemälde mit dem Titel “Das Massaker der Unschuldigen” (Massacre of the innocent).

Es handelt sich dabei um eine ebenso eindrucksvolle wie auch beängstigende Szene, die die Tötung männlicher Kleinkinder in Betlehem darstellt.

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Bei der längeren Betrachtung eines solchen Gemäldes ist es ausgesprochen nachvollziehbar, wenn einen ein mulmiges Gefühl beschleicht. Unschuldige Säuglinge werden in der Gegenwart ihrer weinenden Mütter getötet. Wenn man seinen Blick von diesem Bild dann schließlich abwendet, schätzt man sich umso glücklicher in einer Zeit zu leben, in der derartige Grausamkeiten längst der Vergangenheit angehören. Die Probleme, die uns heute plagen sind vollkommen andere. Das Essen ist zu teuer, die Mieten sind zu hoch… achja, und diese ganzen Flüchtlinge, die unser Land überfluten.

Bei einigen dieser Flüchtlinge wird der Anblick dieser von Rubens dargestellten Szenerie hingegen allerdings eher Heimatgefühle wecken.

Auf die heutige Zeit angewandt würde das “Massaker der Unschuldigen” wohl weniger auf Betlehem zutreffen als vielmehr auf andere sonnige Städtchen Nordafrikas, in denen „Dschihadisten“ (so nennen die Medien mittlerweile schizophrene Psychopathen im psychotischen/religiösen Wahn) ihre Vorstellungen von Nächstenliebe fröhlich in die Tat umsetzen.

Ich habe mir deshalb die Mühe gemacht das “Massaker der Unschuldigen” etwas der heutigen Zeit anzupassen, und mit Inhalten zu füllen, die uns ein realitätsnahes Abbild des Massakers zeigen soll, wie es gegenwärtig tatsächlich stattfindet.

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Um nun allerdings nicht zu sehr in die triste Welt der internationalen Machtpolitik bzw. extremistischen Religiosität abzudriften, schlage ich vor, dass Sie, geschätzter Leser – nachdem Sie sich das gezeigte Bild genau angesehen und sich um eine Interpretation vor dem Hintergrund Ihrer geopolitischen Vorbildung bemüht haben – einen Augenblick inne halten um sich dem Geiste, der diesem Meisterwerk innewohnt, vollkommen widmen zu können.