„Ich fick deinen Gott“ – Der atheistische Terror

Der Konflikt der Konfessionen – seit (inzwischen) Jahren beherrscht dieses Thema immer wieder die Öffentlichkeit. Der theologische Dissens zwischen, in der Mitte unserer Gesellschaft sesshaft gewordenen, Anhängern des Islam und jenen, die sich dem christlichen Glauben zugehörig fühlen, befindet sich sowohl in der öffentlichen Debatte als auch in der alltäglichen Lebensrealität vieler Kulturhochburgen, am Siedepunkt. Und in der Tat lassen sich durchaus Aspekte ausfindig machen, über die islamische Gelehrte Standpunkte vertreten, die mit der christlichen Exegese inhaltlich in Widerspruch stehen. Befasst man sich mit diesem theologischen Diskurs zwischen islamischen und christlichen Gelehrten einmal tiefschürfender, so wird man zum Schluss kommen, dass es derer sogar zahlreiche gibt. Bis hierhin erzähle ich Ihnen vermutlich nichts Neues. Und vor dem Hintergrund dieses allgemein bekannten Wissens führen wir uns an dieser Stelle einfach mal ein YouTube-Video zu Gemüte, welches den Titel „Ich fick deinen Gott“ trägt, und auf einen WDR Beitrag aus dem Jahr 2012 zurück geht.

Ohne nun im Detail auf die Urheber des Beitrages eingehen wollen, möchte ich, um der zeitlichen sowie kognitiven Begrenztheit, welche Ihnen – werter Leser – als bedeutungsloses Zahnrädchen im übermächtigen Uhrwerk unseres Gesellschaftssystems zur Verfügung steht, entgegenzukommen, den wesentlichen Inhalt, der im Weiteren den Kern meiner Überlegungen darstellen wird, zusammenfassen.

Wir wurden nämlich Zeuge eines Berichtes, in dem es augenscheinlich zunächst einmal um Sachbeschädigungen geht, deren Urheber – dies ist zumindest den Aussagen der zu Wort kommenden Personen zu entnehmen – eine Gruppe ausländischer Jugendlicher gewesen zu sein scheint.

Diese Annahme wird untermauert durch das Statement des zuständigen Geistlichen der „katholischen Kirche Duisburg-Meiderich“, welcher von „einer Gruppe ausländischer Jugendlicher“ berichtet, die er beim Ballspiel – unter Einbeziehung der kirchlichen Infrastruktur – „freundlich“ gebeten habe, eben dieses zu unterlassen. Will man dem guten Mann – trotz der Tatsache, dass sein Erscheinungsbild diese Annahme durchaus zulassen würde – jetzt einmal nicht unterstellen, dass die von ihm dargelegte „freundliche Bitte“ in ihrem Wesensgehalt dem – inzwischen zu allgemeiner Bekanntheit gelangten – katholischen Prinzip klerikaler Nächstenliebe gegenüber Jugendlichen (was nichts anderes bezeichnet als jenen Tatbestand, den das Deutsche Strafrecht unter der Bezeichnung „Sexueller Missbrauch von Jugendlichen“ führt) folgte, so ist diesem Repräsentanten des Vatikans kaum vorzuwerfen, mit seinen Worten eine Eskalation provoziert zu haben. Umso kritischer ist die berichtete Reaktion der Jugendlichen zu betrachten, die der Kleriker unter anderem mit den Worten „Ich fick deinen Gott“ zitiert.

Man könnte nun natürlich – nähme man es ganz genau – auch fragen, welcher tiefere Sinn sich in der Formulierung finden lässt, in deren Rahmen der geschätzte Herr Rose davon spricht, dass die besagte Gruppe ausländischer Jugendlicher „gegen die Kirche Ball gespielt“ habe. Beinahe weckt eine solche Wortwahl ja die Vorstellung von einer Art Benefiz-Spiel unter dem Motto „Kicken gegen die Kirche!“. Wenn man so darüber nachdenkt eine durchaus vielversprechende Anregung, für deren Umsetzung sich mit großer Wahrscheinlichkeit zahlreiche Teilnehmer begeistern lassen könnten.

Um nun allerdings einen gewissen Respekt gegenüber der frommen Kirchengemeinde bzw. deren Vertretern zu wahren, unterlasse ich es diesen Gedankengang fortzuführen und kehre den Fokus meiner Aufmerksamkeit lieber wieder dem theologisch-intellektuellen Diskurs, den zu führen ich ja eingangs angekündigt hatte, zu.

Dieser thematisiert die Differenzen, welche im Vergleich von christlicher und islamischer Glaubensauffassung, die Basis für divergierende Standpunkte in der Beurteilung religiöser Gegebenheiten, bilden. Um nur einige zu nennen: Entsprechend der Trinitätslehre wie sie im Christentum gelehrt wird, ist Jesus Christus der Sohn Gottes. Vereinfachend . Diesen Standpunkt wiederum lehnen Muslime ab, da sie Jesus Christus zwar als Propheten betrachten, es jedoch im Islam als „Schirk“ bezeichnet wird und damit als verboten (ḥarām) gilt, Gott einen Sohn beizugesellen (dies ist übrigens auch der Grund dafür, warum Sie gläubige Muslime nicht zu Heiligabend einzuladen brauchen). Mitnichten ist es jedoch der Fall, dass Jesus in den Augen gläubiger – und vor allem über ihre Religion informierter – Muslime, keine prophetische Bedeutung zukäme. Wie dem auch sei. Neben diesem Beispiel gibt es natürlich auch noch weitere. Diese betreffen die Ehe, das Zölibat (welches der Islam nicht kennt), sowie andere Punkte, deren Aufzählung aber nun den Rahmen sprengen würde.

Wie bereits gesagt: Es gibt eine ganze Liste von Auffassungen, in denen Christen und Muslime sich unterscheiden. Der – allerdings – essentiellste Aspekt – nämlich die Anerkennung des einen und einzigen, allmächtigen, allwissenden Gottes, der uns alle ebenso wie die Welt in der wir leben, erschaffen hat – gehört nicht dazu. Er gehört nicht nur nicht zu den Unterschieden, die diese Konfessionen voneinander abgrenzen, sondern dürfte sogar DIE grundlegende Gemeinsamkeit dieser beiden monotheistischen Religionen sein.

Würde also ein Muslim die Aussage tätigen „Ich fick deinen Gott“, so müsste er sich zunächst darüber versichert haben, was genau diesen Gott, an den er dem Adressaten seiner unflätigen Bemerkung, zu glauben unterstellt, von „seinem“ Gott unterscheidet. Mit Hinblick auf den „christlichen“ Gott (den es natürlich nicht gibt, da es selbstverständlich keinem Christen mit einem Restvermögen gesunden Menschenverstandes zustehen kann Gott für sich zu beanspruchen) müsste man schlicht und ergreifend feststellen, dass es diesen Unterschied zum „muslimischen“ Gott nicht gibt. Zwar muss ich zugeben, dass das Wort „Allah“ anders klingt – und auch anders geschrieben wird – als das Wort „Gott“. Dieser Umstand lässt sich jedoch ausschließlich aus der Tatsache herleiten, dass es einfach ein und dieselbe Bezeichnung für ein und dasselbe – nur in zwei verschiedenen Sprachen – ist.

Und da ich keinem Menschen unterstellen möchte, so dermaßen einfältig und an funktionierendem Hirngewebe verlustig zu sein, dass er außer Stande ist zu begreifen,  dass sich eine Bezeichnung für „Allah“ bzw. „Gott“, nicht alleine deswegen auf einen anderen Allah – wie auch immer dieser dann geartet sein soll – bzw. auf einen anderen Gott – auch hier wüsste ich nicht, wie man sich das vorzustellen hätte, da Gott allgegenwärtig ist – bezieht, nur weil sie in eine anderen Sprache übersetzt ist, ist für meine Begriffe alleine derjenige Schluss zulässig, nach dem es sich bei den besagten ballspielenden, ausländischen Jugendlichen – oder wenigstens demjenigen, aus dessen Mund diese Aussage stammte – um eine Horde atheistischer Rebellen handelte, deren heidnische Anfeindungen, jeden gläubigen Muslim ebenso beleidigen wie auch die Anhänger des Christentums.

Mit all diesem Wissen im Gepäck, bleibt schließlich nur noch folgende Erkenntnis festzuhalten: Der atheistische Terror ist in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen!