Erfahrungsbericht Medizin – Das unterschätzte Dilemma

Ich hatte mit diesem Thema eigentlich längst schon abgeschlossen. Doch als ich – wie eigentlich jeden Morgen – die News der deutschen Presselandschaft auf meinem iPhone überflog, stockte mein Blick plötzlich.

Welche Meldung hatte so unerwartet mein Interesse auf sich gezogen?

Nein. Es war kein Terroranschlag, bei dem dutzende Menschen ihr Leben verloren. Denn so traurig und entmutigend es auch klingen mag – seien wir mal ehrlich: Derartige Meldungen nehmen wir doch schon längst nicht mehr als Ereignisse von Bedeutung wahr. Es war auch keine der, in trostloser Regelmäßigkeit zu belächelnden Entgleisungen des US-Amerikanischen Präsidenten. Hätte man einige, dieser inzwischen vertraut gewordenen Absurditäten aus dem Munde eines Repräsentanten einer solch erhabenen und einflussreichen Nation noch vor einigen Jahrzehnten zu Ohren bekommen, so hätte man sich vermutlich unverzüglich in Richtung des nächstgelegenen Atomschutzbunker begeben. Doch im Jahre 2017 ist auch dieses Glücksspiel um die globale Sicherheit – ausgetragen zwischen unzurechnungsfähigen Psychopathen, skrupellosen Mördern und perversen Gewaltverbrechern – nichts mehr weiter als eine Randnotiz.

Es war kein Terroranschlag, keine globale Sicherheitskrise und auch keine Vergewaltigung mit Todesfolge durch arabische Flüchtlinge.

Es war dieses Urteil des Bundesverfassungsgericht, in dem festgestellt wurde, dass die Vergabe von Studienplätzen medizinischer Fakultäten, nach der Abiturnote als alleinigem Auswahlkriterium (Numerus Clausus), wie sie seit inzwischen – man möchte fast sagen – Jahrhunderten erfolgte, ein in Teilen (so heißt es) verfassungswidriges Verfahren darstellt.

In der Pressemitteilung begründet der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts seine Entscheidung unter anderem damit, dass sich nach seiner Auffassung eine „gerechte“ Studienplatzvergabe – gemäß der höchstrichterlichen Auslegung des Grundgesetzes – an den Fähigkeiten, die im Studium und anschließend in der Ausübung des Berufes, zu orientieren habe. Heißt im Kern so viel wie: „Gerecht ist wenn derjenige, der für den Beruf am besten geeignet ist auch die Chance bekommen soll, diesen Beruf auszuüben zu können.“

Und selbstverständlich ist es vollkommen irrsinnig die Eignung eines Menschen für den Beruf des Mediziners ausschließlich am Notendurchschnitt seines Abiturzeugnisses zu messen. Und natürlich ist das auch nicht erst mit dem Urteil des Bundesverfassungsgericht schwachsinnig geworden. Man muss seinen gesunden Menschenverstand nicht einmal allzu intensiv bemühen um zur Erkenntnis zu gelangen, dass alleine schon der Gedanke, dass man auf der Basis eines Notendurchschnitts, in dessen Berechnung Schulleistungen aus Fächern wie Sport, Musik, Kunst, Geschichte, Sozialkunde, Französisch, Spanisch, Religion/Ethik oder auch Deutsch einfließen, eine Einschätzung darüber erlauben könnte, ob ein Studienplatzbewerber sich für einen Beruf eignet, dessen Hauptaufgabengebiet darin besteht Brustkörbe abzuhören, Bauchdecken zu beklopfen und Unterschriften unter Rezepte für Diabetes-Medikamente zu kritzeln, himmelschreiend einfältig ist.

Doch nach exakt diesem Auswahlverfahren, dessen Idiotie sich jedem Menschen, der über ein Mindestmaß an Denkvermögen verfügt, mühelos erschließt, werden seit Jahrhunderten die Bewerber für dasjenige Berufsfeld auserwählt, in dem die Eignung seiner Vertreter jeden Tag über Leben und Tod entscheidet.

Nun könnte man der angenehmen Versuchung erliegen, auf der Basis dieses Urteils des Bundesverfassungsgerichtes in einem Meer der Beruhigung zu baden. Beruhigung darüber, dass unser Rechtsstaat eine verlässliche Konstante darstellt, die im Zweifelsfall stets dazu in der Lage zu sein scheint, Rechtsbrüchen des Gesetzgebers gegenüber seinen Bürgern, gewissenhaft und unerschütterlich entgegen zu treten. Lässt man sich von diesem trügerischen Schein der vermeintlichen Geborgenheit des demokratischen Rechtsstaates, den zu hinterfragen und dessen Methoden unentwegt in Zweifel zu ziehen es nicht zu bedürfen scheint, aber verführen, so läuft man Gefahr seiner kritischen Mündigkeit – ohne es zu bemerken – enteignet zu werden.

Denn, auch wenn die Entscheidung des Gerichtes unzweifelhaft vernünftig ist – Liegt es nicht dennoch nahe sich die Frage zu stellen wie es möglich sein kann, dass eine Vorgehensweise mit derartiger Tragweite, deren fataler Konsequenzen sich kein Einziger von uns entziehen kann, von unserem Gesetzgeber so lange unberührt blieb, bis ein Gericht dagegen urteilen musste? Und muss man nicht auch mit Erschrecken feststellen, dass unser Gesetzgeber es sträflich versäumt zu haben scheint, ein Verfahren, dessen Irrsinn sich uns schon nach den ersten Gedankenzügen eröffnet, in eine, mit dem gesunden Menschenverstand vereinbare Form zu überführen?

Warum beschäftige ich mich so intensiv mit diesem Thema?

Ich finde, dass die Problematik rund um das Gerichtsurteil bzgl. des Numerus Clausus bei der Vergabe von Studienplätzen in der Humanmedizin zwar auf jeden Fall ein wichtiges Thema ist, über das es auch vollkommen legitim ist, öffentlich zu diskutieren. Es ist meiner Meinung nach allerdings nur die, durch dieses Urteil der breiten Öffentlichkeit sichtbar gewordene, Spitze eines Eisbergs zahlreicher grundlegender Missstände oder zumindest offener Fragen, die in der medizinischen Ausbildung sowie vor Allem auch in der alltäglichen, klinischen Ausübung (von der früher oder später wohl jeder von uns einmal abhängig sein wird) vorherrschen bzw. unter Einbeziehung der Öffentlichkeit zu diskutieren sind.

Um vielleicht einmal einen kleinen Einblick in die Tiefe der ganzen Problematik, die ich im Zusammenhang mit der Medizinischen Ausbilung/Ausübung sehe, zu geben, schildere ich an dieser Stelle einmal einige Erfahrungen, die ich persönlich im Zusammenhang mit der Universitätsmedizin bzw. der Medizin im Allgemeinen, gemacht habe.

Nach einem Abitur mit 1,3 und 10 Semestern Medizinstudium, bestandenem ersten Staatsexamen und einer fast fertigen Doktorarbeit habe ich nämlich auch die Reißleine gezogen, weil sich für mich immer klarer herauskristallisierte wie wenig ich als Mediziner wirklich bewirken kann. Mir ging es von Beginn meines Studiums der Humanmedizin an eigentlich immer nur darum, nach meiner Facharztausbildung zum FA für Psychiatrie derjenige zu sein, der den Menschen wirklich hilft. Nach 5 Jahren Medizinstudium war dann allerdings auch die letzte Blase meines Traumes zerplatzt und ich begrub meine Vision von einer Psychiatrie, die ihre Patienten wirklich heilt und nicht einfach nur auf der Basis pauschaler Diagnosen mit irgendwelchen Medikamenten vollstopft um mit möglichst geringem Aufwand möglichst viele Betten für die nächste „Lieferung“ frei zu schaufeln, unter einem Berg der Enttäuschung über die entmutigende Realität, die in den Psychiatrischen Kliniken vorherrscht und es den Psychiaterinnen und Psychiatern im Grunde vollkommen unmöglich macht, sich den Menschen, die bei uns/ihnen Hilfe suchen und uns/ihnen in diesem Rahmen Gesundheit und Leben anvertrauen, auch nur im Entferntesten intensiv genug widmen zu können, um auf ihre Probleme und v.A. auch ihre individuelle Persönlichkeit so gründlich und gewissenhaft einzugehen, dass sich eine stabile Vertrauensbasis als Grundlage einer erfolgreichen Therapie überhaupt erst entwickeln kann.

Nach den Erfahrungen, die ich jedoch im Laufe meiner Ausbildung aus dem klinischen Alltag gesammelt habe, ist in mir die unzweifelhafte Überzeugung herangereift, dass ich unter den Bedingungen, die in der klinischen Arbeit vorherrschen, eine erfolgreiche Therapie und in vielen Fällen sogar bereits die korrekte und gewissenhafte Diagnostik, zu der ich mich allerdings jedem einzelnen Patienten gegenüber stets verpflichtet fühlte, jedenfalls mit den Fähigkeiten, über die ich verfüge, nicht in dem Maße gewährleisten hätte können, wie es den Patienten nach meiner Überzeugung zugestanden hätte.

Und da meine einzige Motivation für dieses Studium der Wille war, Menschen zu helfen, sah ich nach 10 Semestern und einem eigentlich bis dahin eigentlich sogar relativ problemlos verlaufenen Medizinstudium, keinen Anlass mehr, meine Ausbildung zum Mediziner fortzusetzen.

Der Freiheitskämpfer

Der geneigte Leser wünscht sich ja gerne in den Werken, deren Inhalt er mit seiner begrenzten Auffassungsgabe zu erschließen versucht, immer öfter auch dass die literarischen Ergüsse des Autoren seiner Wahl eine gewisse Bindung zur Realität aufweisen. Um den Ansprüchen meiner Kundschaft und damit natürlich  all jener, die ihr sauer verdientes Geld investieren um mir meinen Luxusurlaub in Dubai im Kreise auserwählter, internationaler Edelnutten zu verbringen, gerecht werden zu können, sehe ich es als ein Gebot der Höflichkeit und des Respekts an, selbst (der ich mich als Anwalt der Menschlichkeit betrachte) ein Opfer zu erbringen um der versammelten Leserschaft meine Hingabe zu demonstrieren. Ich bin fest dazu entschlossen dem Beispiel des legendären Künstlers Vincent van Gogh, der dem gemeinen Kunstbanausen vielleicht entfernt ein Begriff sein mag und von dem diejenigen Leser, die ein Minimum an nennenswerter Schulbildung besitzen hoffentlich wenigstens wissen, dass er der Typ war, der sich ein Ohr abtrennte, zu folgen. Genauer gesagt war es ja so, dass Van Gogh einen etwas unorthodoxen Frauengeschmack hatte. Oder anders ausgedrückt: Er stand darauf verseuchte Straßenhuren zu vögeln. Und so gehört zur Vollständigkeit der Vita van Goghs auch die Tatsache dass er sich sein Ohr nicht etwa aus egoistischer Motivation heraus amputierte (so wie man es normalerweise erwarten würde). Nein, er war so selbstlos dieses abgetrennte und in der Folge dem biologischen Zerfall geweihte Körperteil einer Prostituierten zu vermachen. Nun wäre es für alle Nachahmer wie mich selbst oder Niki Lauda dieser Geste vermutlich dankbarer gewesen, hätte Vincent ein etwas entbehrlicheres Körperteil ausgewählt um es zu verschenken. Die Vorhaut, ein Weisheitszahn oder die Appendix vermiformis. Aber nein, eigensinnig wie er war musste es das Ohr sein.

Um nun jedoch zum Punkt zu kommen. Ich habe es ja bereits angesprochen, dass ich dem Vorbild des Mannes, der zu Lebzeiten auch als „Christ of the coalmines“ also in etwa übersetzt Messias der „Knappen“ (auch wenn dieser Terminus in den westlichen Armutsgebieten der Bundesrepublik Deutschland schon von Rudi Assauer in Anspruch genommen wird), Folge leisten will. Und aus diesem Anspruch heraus erwuchs auch mein Vorhaben auch mein Ohr zu opfern um es im Rahmen einer christlichen Geste der Nächstenliebe einer geistesgestörten Hure zukommen zu lassen. Nun gibt es derer ja unzählige, sodass ich beschloss ein weiteres Kriterium als Eigenschaft, die die glückliche Adressatin meiner Gutmütigkeit aufweisen sollte, vorauszusetzen. Ich wollte ja auch dass meine Tat verstanden wird. Also war es nur recht und billig eine Adressatin zu finden, von der ich annehmen konnte dass sie nicht nur gestört sondern darüber hinaus auch hochintelligent ist. Denn es liegt ja auf der Hand: nur ein extrem intellektuell begabtes Wesen würde mein Präsent auch gebührend wertzuschätzen wissen. Ich brauchte also aus dem gigantischen Pool der ganzen wahnsinnigen Nutten nur irgendeine herausfischen, die gemeinhin als hochbegabt eingestuft wird. Das klingt einfacher als es tatsächlich ist. Denn völlig unerwarteterweise verflüchtigte sich die anfangs schier unendliche Menge der geeigneten Empfängerinnen meiner charmanten Mitgift ganz plötzlich und zu meiner größten Überraschung auf eine verschwindend geringe Population.

Wo waren sie denn plötzlich die Bestseller schreibenden Bordsteinschwalben, die unser Land doch immer zu dem machten was es ist. Wo waren sie, die Dichter- und Denkerinnen im ultraknappen Miniröckchen, die ihren Verehrern in literarisch ästhetischer Prosaik den Abend versüßten. Es schien aussichtslos. Und vermutlich hätte ich die Hoffnung vollends verloren, hätte es der Zufall nicht so gewollt, dass mir eines Tages im Lichte der aufgehenden Sonne an einem dieser mit Erwartungen auf die großen Abenteuer, die er mit sich bringt, beseelten, typisch deutschen Sonntagmorgende die Süddeutsche in die Hände fällt. Gebannt fiel mein Blick sofort auf eine mitreißende Geschichte. Es handelte sich darin um die Lebensgeschichte einer jungen Frau, die als Kind über Jahre hinweg von einem ihrer Nachbarn sexuell missbraucht wurde um dann folgerichtig mit 21 Jahren in einem Bordell als Hure anzufangen, um dann wiederum nach reiflicher Überlegung über die Absicherung des Lebensabends in einer Gesellschaft, deren Zukunft durch den demographischen Wandel der Altersgruppen so unsicher ist wie die Antibabypille bei einer geistig eingeschränkten und alkoholabhängigen Teenieschlampe, den Beschluss zu fassen dem Sexgewerbe den Rücken zu kehren um das umfassende intellektuelle Potenzial das in ihr schlummerte endlich auszuschöpfen.

Ich rieb mir die Augen vor schierer Ungläubigkeit. Als ich nach etwa 27 Minuten wieder mein Augenlicht zurück erlangte und zunächst einmal feststellen musste, dass ich durch die mechanische Manipulation meines Augapfels einen Teil meiner Netzhaut zerstört hatte, wagte ich einen erneuten Versuch das unmöglich geglaubte auf seine wahrhaftige Existenz zu prüfen. Meine von der Gewalt der Natur geschädigten Augen schwenkten ihren Blick einmal mehr über dieses Meisterwerk journalistischer Schaffenskraft. Und tatsächlich! In großen Lettern prangte dort:

„Ein hochintelligentes, sprachbegabtes, körperlich und seelisch schwer geschädigtes Mädchen hat ein Buch über ein ebensolches Mädchen geschrieben. Es heißt Splitterfasernackt. Und es ist erschütternd.“

Ich hatte es also doch geschafft. Das was ich schon fast aufgegeben hatte. Es war plötzlich so nah. Von meinen Glücksgefühlen noch vollkommen überwältigt, taumelte ich durch das Zimmer, stolperte dabei über das Kabel der Beistellampe die ich mir am Tag zuvor gekauft hatte, wodurch die gesamte Steckerleiste aus dem Gemäuer herauskatapultiert wurde.

Ich hatte nicht geahnt dass eine einfache Zeitungsrecherche so viele Opfer mit sich bringen würde. Jedoch zweifelte ich zu keinem Zeitpunkt daran dass ich für die gesundheitlichen Schäden, die mir in diesem Prozess der gesellschaftlichen Horizonterweiterung durch höhere Gewalten zugefügt worden waren ebenso wie der entstandene Sachschaden, der sich mittlerweile auf knappe 5.000€ belief, durch das weit größere Geschenk – nämlich als freier Bürger die objektive, von politischen und wirtschaftlichen Interessen unabhängige und immer glaubwürdige Arbeit gewissenhafter Journalisten genießen zu dürfen – als unwesentliche Kollateralerscheinung weit mehr als entschädigt wurde. Viele Menschen gaben ihr Leben für das Recht auf freie Meinungsäußerung. Ich konnte mich also noch glücklich schätzen, nur einen erheblichen Teil meines Sehvermögens, eine 300€ Lampe und die Stromversorgung, verloren zu haben.

Die Abenddämmerung hatte sich inzwischen über den Dächern der Stadt erhoben. Als ich aus dem Fenster gen Horizont, in dessen Angesicht die funkelnden Sterne wie liebliche Engel, die uns behutsam in die Stille der Nacht begleiten, zu blicken versuchte versperrte mir die Straßenbahn die Sicht. Ich wurde allerdings mindestens gleichwertig entschädigt, und zwar mit einem Werbeaufdruck von Dunkin‘ Donuts der schillernd auf dem verdreckten Wagon über den gesundheitsschädlichen Elektrosmog der Innenstadt erhaben, empor strahlte.

Ich dachte mir: „Scheiß auf Lilly Lindner, was denkt sich diese gestörte Nutte überhaupt von mir verlangen zu können mir mein Ohr wegzuschneiden?!“ und begab mich gequält von der Anstrengung und den Schmerzen die mir der Kampf um mein Recht auf frei zugängliche Information durch die Printmedien abgerungen hatte, stolz und glücklich in dem Wissen die Demokratischen Grundprinzipien, auf deren Basis unsere Gesellschaft beruht, gegenüber den Bemühungen der islamischen Extremisten unsere gut funktionierende Demokratie in einen Gottesstaat umzuwandeln verteidigt zu haben, zu Bett. Und ich denke: Derartiges erreicht zu haben kann ein Vincent van Gogh wohl kaum von sich behaupten.

Letting the cat out of the bag

So, meine lieben. Das ist ein Thema ganz nach meinem Geschmack!

Und es gibt wirklich nicht viele zuverlässige Quellen, die sich mit diesem Thema seriös auseinander setzen. Das sogenannte Pozzing bzw. Bugchasing (so scheint man das im angloamerikanischen Sprachraum zu nennen; Quelle: wikipedia) beschreibt ja den Prozess bei dem sich HIV-negative absichtlich mit HIV infizieren. Ich würde in dem hier beschriebenen Fall eher von Bareback sex sprechen.

Gangbang-Partys, bei denen kein Kondom angewandt wird, gibt es bei heterosexuellen Menschen jedoch auch. Die Partys werden meist AO-Sex-Partys (AO = alles ohne) genannt und ab und zu wird ein Schnelltest vor dem Gangbang angewandt, der aber keine sichere Aussage über eine Infektion erbringen kann. Bareback-Portale für heterosexuelle Männer, die Bareback-Sex (oder auch AO-Sex genannt) mit Prostituierten suchen, gibt es viele in Deutschland. Mittlerweile gibt es in vielen Erotikportalen auch die Funktion, nach AO-Sex zu suchen. [1]

Nachdem ich jetzt 2 Stunden nach einer möglichen Erklärung für dieses Phänomen gesucht habe, bin ich endlich auf ein ausgesprochen aufschlussreiches Werk getroffen. Francisco Fernandez, Pedro Ruiz – Psychiatric Aspects of HIV/AIDS

Das Buch gibts leider nur in Englisch, aber hier werden interessante Erklärungsansätze dargeboten, die ich hier nicht vorenthalten will, da ich es für eine absolut geniale Herleitung halte.

Es wäre jetzt zu umfangreich hier alle Textabschnitte, die sich mit der Psychopathologie der HIV-Infektion auseinandersetzen, hier zu posten. Allerdings ist besonders das Folgende ausgesprochen paradox und faszinierend. Es geht dabei primär um die Motivation von Frauen, die heterosexuellen Verkehr mit HIV-Positiven Männern haben. Und besonders verwirrend mag es für einen Laien dann noch erscheinen, dass die Triebfeder für dieses Handeln eine narzisstische Befriedigung sein soll, die diese Frauen daraus ziehen.

The highest transmission category for women does not relate to intravenous drug use or same-sex sexual activity, but to heterosexual sexual activity. Women with narcissistic spectrum pathology who have low self-esteem sometimes try to bolster this low sense of self by adopting a rescuing role with drug-abusing HIV-positive males, which gives them a sense of narcissistic gratification (by feeling like heroic martyrs) and is a response to an extremely rigid and self- deprecating ego ideal. These factors are proposed to make sense of those seronegative women who sustain relationships with HIV-infected partners, placing themselves at high risk. [2]

Und noch ein weiterer von Fernandez und Ruiz gelieferter Aspekt ist in meinen Augen eine überaus scharfsinnige Analyse der Psychologie der „Bugchaser“ (also diejenigen die sich dem Risiko einer Infektion aussetzen obwohl sie selbst noch nicht infiziert sind):

The HIV infected patient can play out the persecutor-victim object-relational dyads common to patients with borderline personality organization and those with histories of severe trauma. HIV-positive patients can also experience themselves as persecutor because they can infect others and subsequently feel guilty. The potential stigma around HIV is one more element in a persecutory environment perceived by patients with the object-relations of borderline personality organization. [2]

Das bedeutet also, dass durch diese Infektion eine gewisse Kontrolle erlangt wird, der bei der narzisstischen Persönlichkeit eine große Bedeutung zukommt. Denn mit einer HIV-Infektion hat man Macht über andere Menschen. Man kann anderen Menschen schaden, indem man sie mit HIV infiziert. Auf der anderen Seite hat man aber auch die Kontrolle über sein eigenes Wohl oder Unwohl. Also auch hier spielen dann wieder die narzisstischen Kontrollzwänge eine entscheidende Rolle.

Viel Spaß beim Nachdenken.


Quellen

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Barebacking#Bareback-Partys

[2] Francisco Fernandez, Pedro Ruiz. “Psychiatric Aspects of HIV/AIDS, 1st Edition.”

Kunst und Kultur

Nachdem ich bereits die Tragik des Lebens eines Van Goghs thematisiert (→ siehe „Der Freiheitskämpfer“), und damit einen Blick in Richtung Malerei und Kunst gewagt habe, will ich auch einem anderen Künstler die Gelegenheit geben, hier Erwähnung zu finden. Die Rede ist dieses mal von Peter Paul Rubens, der von 1577 bis 1640 lebte, und sich zeitlebens mit seinen ergreifenden Werken ästhetischer Schaffenskraft in der Kunstgeschichte verewigte. Der Barockmaler flämischer Herkunft erlangte nicht zuletzt durch Gemälde Bekanntheit, auf denen er die Sinnlichkeit menschlicher Nacktheit in den Vordergrund rückte. Vor allem der Begriff der “Rubens-Frau”, den Frauenrechtler*Innen zuweilen gerne heranziehen um damit eine weibliche Pommestonne feministisch eloquent zu umschreiben, hat im Zusammenhang mit der BDSM- und Fetisch-Gesellschaft, in der zu leben wir uns so glücklich schätzen können, eine Renaissance erlebt.

Zwar beabsichtige ich mich mit dem Feminist*Innen-Bashing zu diesem Zeitpunkt noch etwas zurück zu halten (diesem sind dann spätere Kapitel gewidmet). Jedoch ist es anlässlich des kulturhistorischen Exkurses in die Epoche des künstlerischen Barock (und um eine Verbindung zu unserer modernen Lebensrealität herzustellen) in meinen Augen angebracht meinen Lesern den Begriff der “Rubensfrau” bildhaft vor Augen zu führen. Aus der Gegenwart herausgegriffen würde man z.B. die von dem feministischen Magazin “Emma” hoch geschätzte Stand-Up Komikerin Cindy aus Marzahn unter einer solchen Rubensfigur verstehen. Nicht zuletzt ihr hat der Berliner Ortsteil Marzahn auch seinen einzigartigen Ruf als deutsche Kulturhochburg zu verdanken.

Nach dieser kleinen Einführung in die Welt der barocken Ästhetik rund um Peter Paul Rubens, will ich den Fokus nun jedoch etwas von der Rubensfrau weg in Richtung eines anderen großen Werks dieses Künstlers schwenken. Und zwar handelt es sich dabei um das eindrucksvolle Gemälde mit dem Titel “Das Massaker der Unschuldigen” (Massacre of the innocent).

Es handelt sich dabei um eine ebenso eindrucksvolle wie auch beängstigende Szene, die die Tötung männlicher Kleinkinder in Betlehem darstellt.

Screen Shot 2017-04-20 at 05.23.43.png

Bei der längeren Betrachtung eines solchen Gemäldes ist es ausgesprochen nachvollziehbar, wenn einen ein mulmiges Gefühl beschleicht. Unschuldige Säuglinge werden in der Gegenwart ihrer weinenden Mütter getötet. Wenn man seinen Blick von diesem Bild dann schließlich abwendet, schätzt man sich umso glücklicher in einer Zeit zu leben, in der derartige Grausamkeiten längst der Vergangenheit angehören. Die Probleme, die uns heute plagen sind vollkommen andere. Das Essen ist zu teuer, die Mieten sind zu hoch… achja, und diese ganzen Flüchtlinge, die unser Land überfluten.

Bei einigen dieser Flüchtlinge wird der Anblick dieser von Rubens dargestellten Szenerie hingegen allerdings eher Heimatgefühle wecken.

Auf die heutige Zeit angewandt würde das “Massaker der Unschuldigen” wohl weniger auf Betlehem zutreffen als vielmehr auf andere sonnige Städtchen Nordafrikas, in denen „Dschihadisten“ (so nennen die Medien mittlerweile schizophrene Psychopathen im psychotischen/religiösen Wahn) ihre Vorstellungen von Nächstenliebe fröhlich in die Tat umsetzen.

Ich habe mir deshalb die Mühe gemacht das “Massaker der Unschuldigen” etwas der heutigen Zeit anzupassen, und mit Inhalten zu füllen, die uns ein realitätsnahes Abbild des Massakers zeigen soll, wie es gegenwärtig tatsächlich stattfindet.

Screen Shot 2017-04-20 at 05.25.09.png

Um nun allerdings nicht zu sehr in die triste Welt der internationalen Machtpolitik bzw. extremistischen Religiosität abzudriften, schlage ich vor, dass Sie, geschätzter Leser – nachdem Sie sich das gezeigte Bild genau angesehen und sich um eine Interpretation vor dem Hintergrund Ihrer geopolitischen Vorbildung bemüht haben – einen Augenblick inne halten um sich dem Geiste, der diesem Meisterwerk innewohnt, vollkommen widmen zu können.