Die Wissenschaft der Erektion

1. Einführung

Das Verhalten des Menschen erscheint unendlich vielfältig zu sein, und das Verständnis seiner Komplexität eine Aufgabe, der selbst Naturwissenschaftler aus dem Weg gehen, und sie bevorzugt den Geisteswissenschaftlern, den Philosophen und Psychologen – kurzum den Empirikern- überlassen. Zurückzuführen sein mag dies zum einen auf die ungeahnte Vielfältigkeit der Erscheinungsformen, zum anderen aber auch auf die  generelle Unfähigkeit des Menschen sein eigenes Wesen zu hinterfragen. Dahinter vermute ich einen biologischen Mechanismus, demzufolge ein rationales Hinterfragen der eigenen Triebe im Sinne der Evolution, die ja gerade darauf beruht, dass der Mensch seinen Trieben unterworfen ist, und sich damit fortpflanzt ohne zugleich die rationale Dimension der Kohabitation zu erwägen, kontraproduktiv erscheinen würde, und daher von unserem Wesen (unserem Gehirn) strikt abgelehnt wird. Dies ist eine Auffälligkeit, welche dem geneigten Betrachter ohnehin auffallen sollte, wenn er das menschliche Wesen in seinen Seienszuständen analysiert.

Denn ebenso wie sich der Psychopath davor schützt seine Verletzlichkeit und seine emotionale Unsicherheit zu offenbaren, indem er sich selbst erfolgreich einredet und vorspielt, anderen Menschen überlegen zu sein, so scheint auch der Liebende nicht in der Lage zu sein, zu begreifen dass diese Neigung mit gewisser Wahrscheinlichkeit in einem Meer voller Leid und Trauer enden wird. Die Liebe, ebenso wie der Trieb, vernebelt also die Sinne, welches gerade für die Neurophysiologie eine attraktive Forschungsaufgabe darstellt. Die Ergebnisse unserer Forschungen werden interessante, aber auch vielfältige verstörende Aspekte zu Tage fördern.

2. Die Untersuchungsmethoden

Die Untersuchungen der menschlichen Sexualität und ihrer Ursachen, stellen nicht nur eine reine naturwissenschaftliche, sondern darüber hinaus auch eine philosophische und nicht zuletzt eine sozialpsychologische Hürde dar, die wir nehmen mussten. Keineswegs können wir uns anmaßen gerade den sozialen Anforderungen einer Diskussion um diese Komponente des menschlichen Wesens gerecht zu werden. Auf der andere Seite liegen die Stärken der von mir hier nun dargelegten Erörterungen in Bereichen der psychologischen, philosophischen und vor allem naturwissenschaftlichen Betrachtung dieser Erscheinungen.

Unsere Untersuchungen beruhen vornehmlich auch biochemischen Grundlagen, welche nur dazu befähigt sind, Zusammenhänge auf kalter naturwissenschaftlicher Ebene offen zu legen. Die reinen Zahlen und chemischen Zusammenhänge, welche uns allenfalls als Grundlage für eine nähere Betrachtung dienen konnten, mussten interpretiert werden. Diese Interpretation soll Gegenstand dieses Werkes sein. Aber auch die Tatsache, dass offenbar das was jeder von uns kennt wenn er verliebt ist, seine biochemischen und neurophysiologischen Grundlagen hat, soll im Folgenden thematisiert werden.

3. Die Ergebnisse

Nach all diesen einführenden Erläuterungen, soll nun die konkrete Komponente unserer Ergebnisse in den Fokus gerückt werden.

3.1 Vom Weibe zur Lust

Ohne nun die Homosexualität ausgrenzen zu wollen, welche jedoch in diesem Falle nicht das Ziel unserer Untersuchungen war, liegt mir in diesem Punkt etwas daran die Biochemie der Libido, also der sexuellen Lust in den Vordergrund zu rücken. Kann man ein solch überwältigendes Gefühl überhaupt rational fassen? Dies war die philosophisch geprägte Fragestellung, die ich mir zu Beginn dieser Forschungsreise stellen musste. Die Antwort lautet: „jain“. Wir können in gewisser Weise zwar durchaus unsere Kenntnisse in einen Zusammenhang, in eine kausale Kette stellen, die es uns ermöglicht einige zentrale und essenzielle Punkte auf dem Weg von Wahrnehmung zu Emotion zu verstehen. Bis ins letzte Detail befriedigend ist diese Anschauung allerdings nicht, was uns nun aber nicht daran hindern soll, eine Näherung zu wagen.

Wir orientieren uns an einem praktischen Beispiel. Man sieht eine großbusige Frau und in der Folge erleidet man eine Erektion. Offenbar ein simples Ereignis, dessen wissenschaftliche Komplexität man auf den ersten Blick nicht vermuten würde. An diesem Beispiel will ich nun in diesem Werk die tiefgreifende Komponente alltäglicher und scheinbar banaler Verhaltensmuster, über die man sich im Normalfall gar keine Gedanken macht, und die sogar darüber hinaus, insbesondere mit der Persönlichkeitsstruktur weniger komplexer menschlicher Wesen in Verbindung bringt. Ich werde nun also aufzeigen, dass man die Komplexität solcher Reaktionsbildungen verkennt, wenn man die sexuelle Erregbarkeit des männlichen Genitals auf konkrete evolutionär etablierte Sinnesreize, wie eben jene busige Frau einen darstellt, als simple, niederwertige Verhaltensantwort auffasst.

„Du siehst, mit diesem Trank im Leibe, Bald Helenen in jedem Weibe.“ oder „Nachts sind alle Brüste grau“

Der erste Prozess, der natürlich stattfinden muss um eine Reaktion auf das ästhetische Bild einer wohlbusigen Menschin zu bilden, muss die visuelle Wahrnehmung derselben sein. Dieser liege distinkte physikalische Prozesse zugrunde, die zunächst grob zu erläutern sind. Die untenstehende Abbildung soll dabei behilflich sein, sich vor allem die physikalische Komponente der Wahrnehmung besser vorstellen zu können.

Zunächst einmal ist eine Lichtquelle erforderlich, welche das betrachtete Objekt mit Photonen bombardiert. Diese Photonen, welche die Teilchen sind, die in ihrer Vielzahl wisserkt(1).pdf - Adobe Acrobat Pro.jpgdem Licht entsprechen, sind letztlich energetische Wellen, welche sich mit einer charakteristischen Wellenlänge und auch Frequenz von einer Quelle ausgehend im Raum ausbreiten. Natürlich ist anders als in dieser vereinfachten Zeichnung dargestellt, die Ausbreitungsrichtung des Lichtes nicht so anschaulich, sondern vielmehr gehen die Photonen von der Lichtquelle, welche hier mit der Zahl 3 versehen wurde in alle Richtungen des Raumes. Zur besseren Anschaulichkeit wurden hier allerdings nur zwei Strahlenverläufe dargestellt, um eine verständliche Erläuterung der Grundlagen für jedermann einigermaßen zu ermöglichen. Die Lichtquelle sendet nun also Licht aus, man sagt sie emittiert Licht. Und damit auch natürlich eine gewisse Energie.¹

Diese Lichtstrahlen besitzen nun eine bestimmte Wellenlänge und sind in der Abbildung schematisiert als Pfeile dargestellt, welche von den Lichtquellen ausgehen. Diese Lichtstrahlen treffen nun auf die Oberfläche der busigen Frau, und haben dort ganz bestimmte Effekte zur Folge. Die Oberfläche der Frau besteht nämlich aus Haut, diese wiederum in ihrer äußersten Schicht aus Horn bzw. Keratin. Dieses Keratin kommt dadurch zustande dass die Hautzellen, welche von tiefer gelegenen Schichten der Haut stammen, die auf ihrem Weg zur Oberfläche absterben und dabei das von ihnen gebildete Keratin, welches so etwas wie einen schützenden Panzer darstellt, ausschütten.

Kreatin ist ein Protein, welches sich aus der Zusammenlagerung von Aminosäuren zu einem Polypeptid bildet. Dabei werden Aminosäuren miteinander in einer chemischen wisserkt(1).pdf - Adobe Acrobat Pro.jpgReaktion, miteinander verknüpft. Sind viele Aminosäuren miteinander verknüpft, so spricht man von einem Polypeptid (Poly = viele) oder auch Protein. Je nach den intramolekularen Wechselwirkungen innerhalb eines Proteins, gestalten sich auch Funktion und vor allem im Fall des Keratins von Bedeutung, Stabilität desselben. Die Bausteine der Proteine sind also Aminosäuren, die Bausteine der Aminosäuren sind Atome wie wir auf der Abbildung auch erkennen können. Wir sehen C (steht für Kohlenstoffatome), H (für Wasserstoff), O (für Sauerstoff) und N (Stickstoff), welche am Aufbau beteiligt sind. R steht immer für variable Reste. R kann also verschieden sein, während die anderen Buchstaben für Atome stehen, welche charakteristisch und auch wesentlich für die Entstehung der Struktur der Proteine sind.

Trifft nun ein Photon und damit auch Energie auf diese Atome, so führt dies dazu dass die Atome, welche nach dem dargestellten Schalenmodell Bahnen besitzen, auf denen sich Elektronen wie die Planeten um die Sonne bewegen diese Energie erst einmal absorbieren, also aufsaugen. Das führt dann dazu dass ein Elektron von einer Schale, die es im Ruhezustand einnimmt auf eine andere Schale, in die es eigentlich nicht gehört, gedrückt wird. Man kann es sich also in etwa so vorstellen, dass ein Sportler in einem Stadion auf einer kreisförmigen Bahn seine Runden dreht und er wird dann von jemandem weiter nach außen gestoßen, sodass er auf die weiter außen liegende Bahn gedrängt wird und zunächst dort weiterläuft. Ebenso wie der Sportler dann bei der nächsten Gelegenheit wieder versuchen wird auf die innere Bahn zu kommen, weil er dort natürlich einen geringeren Weg nehmen muss als auf weiter außen liegenden Bahnen, versuchen auch Elektronen wieder auf diejenige Schale zu gelangen, die für sie den energetisch günstigsten Ort darstellen.

Dafür müssen sie jedoch die aufgenommene Energie wieder abgeben. Und genau diese Energie, die dadurch abgegeben wird, wird wiederum in Form von Licht frei. Und dabei ist die Wellenlänge des frei werdenden Lichtes, also die Farbe davon abhängig welche Atome es sind, die erregt wurden. Die Farbe eines Stoffes wird also durch die atomare Zusammensetzung seines Stoffes festgelegt.

Da das busige Weib außen aus Keratin besteht, setzt sich seine Farbe aus den Atomen zusammen, welche eben am Aufbau des Keratins beteiligt sind. In der Folge hat es eine ganz charakteristische Farbe, in der das Licht nun von der Person wiederum abgegeben wird und nun dazu in der Lage ist in das Auge photon.jpg eines Betrachters einzufallen.

Auch diese vom busigen Objekt ausgesendeten Photonen können als Strahlung angesehen werden, und diese Strahlung verhält sich identisch wie die Strahlung, die von der primären Lichtquelle ausgegangen war. Nun kommt das Auge ins Spiel, welches diese Strahlung detektieren und in erster Instanz verarbeiten muss. Dazu muss zunächst das reale Bild in ein virtuelles Bild auf der Netzhaut des betrachtenden Auges umgewandelt werden. Das betrachtete Objekt muss also so verkleinert werden, dass es als Abbildung auf die Netzhaut projiziert werden kann. Es entsteht dann ein kleines, auf dem Kopf stehendes Bild auf der Netzhaut. In der dargestellten Versuchskonstellation, in der das Auge seitlich auf einen weiblichen Busen blickt, entsteht die mit 5 nummerierte Wahrnehmung, wobei zu beachten ist, dass diese umgedreht auf der Netzhaut abgebildet wurde.

Licht ist wie bereits erörtert nichts anderes als Photonen, welche insgesamt bestimmte Welleneigenschaften aufweisen, und damit eine bestimmte Farbe (also Frequenz) haben. Diese fallen nun in das Auge ein und durchlaufen zunächst den Glaskörper, also eine gallertige Masse, welche das innere des Auges ausfüllt, und fallen dann auf die Netzhaut. Dort sitzen nun Rezeptorzellen, die auf diese Lichtreize in ganz spezifischer Art und Weise reagieren.

Es existieren zunächst einmal Zapfen und Stäbchen, welche einerseits die Farberkennung ermöglichen (Zapfen) und zum anderen die Unterscheidung von Hell und Dunkel (Stäbchen) möglich machen. Das Farbensehen basiert nun darauf, dass es unterschiedliche Zapfenzellen gibt, welche auf unterschiedliche Wellenlängen ansprechen.

Um das Grundprinzip des Sehens nun zu umreißen, müssen wir grob in die Biochemie eintauchen, welche uns den Sehvorgang besser als kausale Kette von chemischen Reaktionen erklärt.

In dieser Abbildung ist links der Aufbau solcher Rezeptorzellen dargestellt. Sie besitzen ein Außensegment mit sogenannten Disks, welche nichts anderes sind als in der Zelle liegende Moleküle, die sich organisiert haben und über eine Reihe von Schritten Lichtreize in chemische Reize umwandeln, ein inneres Segment in dem andere Zellbestandteile liegen, sowie Kern und synaptische Endigung, die dann den https://i2.wp.com/www.imgbox.de/users/Timoderdicke/wisserkt1pdf___Adobe_Acrobat_Pro_.jpgLichtreiz an das angebundene Nervensystem weiterleitet. Die entscheidenden Prozesse finden allerdings nun in der Membran dieser Disks statt. Dort sitzt nämlich ein Protein, welches als Rhodopsin bezeichnet wird, und aus Opsin (Proteinanteil) und Retinal (ein Vitamin A-Abkömmlung) besteht. Retinal liegt in unerregter Form in einer Ruhekonfiguration vor (11-cis-Retinal), bei der eine Doppelbindung zwischen C-Atom 11 und 12 eine cis-Doppelbindung vorliegt. Trifft nun ein Photon auf dieses Molekül, so wird auch in diesem Fall wieder diese Energie absorbiert und führt dazu dass die Elektronen sich umlagern. In diesem konkreten Fall hat das zur Folge, dass aus dem 11-cis-Retinal das all-trans-Retinal wird, welches dann in dieser Form ein gebundenes Protein (das Tranducin) aktiviert. Das Tranducin aktiviert dann eine bis dahin inaktive cGMP-spezifische Phosphodiesterase, welche cGMP in GMP umwandelt. Dadurch wird der cGMP-Spiegel in der Zelle gesenkt. Nun ist das Ruhepotenzial der Zelle (-40mV) jedoch davon abhängig, dass stets positive Teilchen einströmen können. Und nur wenn dieses Ruhepotenzial gehalten wird, wird der Neurotransmitter Glutamat an der synaptischen Endigung ausgeschüttet, welcher dann über Nervenzellen, die ins Gehirn führen, dem Gehirn mitteilt, dass gerade kein Lichtreiz an dieser Stelle wahrgenommen wird. Wird nun cGMP gesenkt, so schließen sich in der Zellmembran Kanäle, die im Ruhezustand positive Teilchen in die Zelle lassen würden, und das Zellinnere wird demnach negativer (weniger positiv). Dieses führt dann über weitere Kanäle, deren Öffnungswahrscheinlichkeit auch von der Membranspannung abhängig ist, dazu dass Glutamat nicht mehr ausgeschüttet wird. Und gerade dieses Nicht-Ausschütten von Glutamat aus der Zelle, ist dann ein Signal dafür, dass an dieser Stelle eine Lichtreizung stattgefunden haben muss.

Das Bedeutsame an diesem Vorgang ist jedoch nun, dass ein physikalischer Effekt – nämlich eine optische Erregung der Netzhaut – der die Beschaffenheit der Umgebung wiederspiegelt, in einen chemischen Reiz umgewandelt wurde, der vom Gehirn verarbeitet werden kann.

Das Bild kann also vom Auge in das Gehirn übermittelt werden, wo nun die Verarbeitung und Reaktionsbildung stattfindet. Wir gehen davon aus, dass das wahrgenommene Bild auch im Gehirn als Abbildung über die Erregung bestimmter Nervenzellen existiert, und dass bestimmte Erregungsmuster, die nur dann stattfinden, wenn ein bestimmtes Bild entsteht, zur Reaktionsbildung führen, während andere Formen keine neuronale Antwort hervorrufen. Wird nun also die Form einer Frau im Gehirn abgebildet, so ist dieses nichts anderes als eine Erregung bestimmter Neurone in einer ganz charakteristischen Art und Weise, die im Zusammenspiel die Aktivierung weiterer Neurone bewirkt, welche nun in Verbindung mit dem Hormonhaushalt stehen.

Neben der hormonellen Aktivierung durch den Hypothalamus und die entsprechende Auslösung einer Testosteronausschüttung, wird vor allem die Durchblutung des Genitals beeinflusst. Dies geschieht dann über die Aktivierung bestimmter parasympathischer Nervenzellen, die zur Gefäßwand der Arterien im Corpus cavernosum (Schwellkörper) des Penis führen, wo eine Vasodilatation hervorgerufen wird, was zu einer stärkeren Durchblutung und einer Volumenexpansion führt.

Die hormonelle Aktivierung beruht auf einem Gehirnbereich – dem Hypothalamus – der über Aktivierung der Hypophyse die Ausschüttung von Hormonen bewirkt, die dann letztlich über den Blutkreislauf zum Hoden gelangen um dort die Testosteron-Produktion in bestimmten Zelltypen anzuregen. Besonders beachtlich ist es, dass offenbar der Hypothalamus synaptischen Zustrom aus Gehirnbereichen erhält, die mit dem Sehen wie auch mit dem Geruch verbunden sind. Weit mehr noch: Der Hypothalamus liegt sogar in unmittelbarer Nähe des Bulbus olfactorius, welcher dasjenige Gehirnareal darstellt, in dem die Endigungen der Riechsinneszellen zusammenlaufen!

Die von Psychologen schon vor einer Weile vermutete Verbindung von Geruch und sexueller Anziehung, lässt sich also offenbar auch in der anatomischen Struktur des Gehirnes wiederfinden.

4. Fazit

Die menschliche Erregung, wie sie wohl jeder männliche Leser kennen sollte, ist also ein Produkt komplexer, und zahlreicher sogar noch unverstandener physiologischer Prozesse, deren Grundrisse nur mithilfe von Atomphysik, Biochemie, Neuroanatomie sowie Physiologie verstanden werden können. Von der Entstehung des optischen Bildes, über die Weiterleitung desselben bis ins Gehirn, und die dortige Verarbeitung, der Abgleich des Bildes mit Erinnerungen (auf diesen Vorgang wurde noch gar nicht eingegangen), und die daraus resultierende Reaktionsbildung, erscheinen prinzipiell als kausale Kette, an deren Unvollständigkeit noch zu arbeiten sein wird. Bis dahin sollten wir jedoch die Erkenntnis verinnerlichen, dass die Erektion in ihrem simplen Erscheinungswesen, ebenso wie der restliche Körper des Menschen, ein Wunder der Natur ist.

¹Dass Licht Energie enthält können wir auch daran erkennen, dass gerade die UV-Strahlung, welche gerade im Sonnenlicht enthalten ist, aufgrund der enthaltenen Energie dazu in der Lage ist die DNA von Hautzellen in der Art und Weise zu beschädigen, dass es zu Hautkrebs kommen kann.

Der Freiheitskämpfer

Der geneigte Leser wünscht sich ja gerne in den Werken, deren Inhalt er mit seiner begrenzten Auffassungsgabe zu erschließen versucht, immer öfter auch dass die literarischen Ergüsse des Autoren seiner Wahl eine gewisse Bindung zur Realität aufweisen. Um den Ansprüchen meiner Kundschaft und damit natürlich  all jener, die ihr sauer verdientes Geld investieren um mir meinen Luxusurlaub in Dubai im Kreise auserwählter, internationaler Edelnutten zu verbringen, gerecht werden zu können, sehe ich es als ein Gebot der Höflichkeit und des Respekts an, selbst (der ich mich als Anwalt der Menschlichkeit betrachte) ein Opfer zu erbringen um der versammelten Leserschaft meine Hingabe zu demonstrieren. Ich bin fest dazu entschlossen dem Beispiel des legendären Künstlers Vincent van Gogh, der dem gemeinen Kunstbanausen vielleicht entfernt ein Begriff sein mag und von dem diejenigen Leser, die ein Minimum an nennenswerter Schulbildung besitzen hoffentlich wenigstens wissen, dass er der Typ war, der sich ein Ohr abtrennte, zu folgen. Genauer gesagt war es ja so, dass Van Gogh einen etwas unorthodoxen Frauengeschmack hatte. Oder anders ausgedrückt: Er stand darauf verseuchte Straßenhuren zu vögeln. Und so gehört zur Vollständigkeit der Vita van Goghs auch die Tatsache dass er sich sein Ohr nicht etwa aus egoistischer Motivation heraus amputierte (so wie man es normalerweise erwarten würde). Nein, er war so selbstlos dieses abgetrennte und in der Folge dem biologischen Zerfall geweihte Körperteil einer Prostituierten zu vermachen. Nun wäre es für alle Nachahmer wie mich selbst oder Niki Lauda dieser Geste vermutlich dankbarer gewesen, hätte Vincent ein etwas entbehrlicheres Körperteil ausgewählt um es zu verschenken. Die Vorhaut, ein Weisheitszahn oder die Appendix vermiformis. Aber nein, eigensinnig wie er war musste es das Ohr sein.

Um nun jedoch zum Punkt zu kommen. Ich habe es ja bereits angesprochen, dass ich dem Vorbild des Mannes, der zu Lebzeiten auch als „Christ of the coalmines“ also in etwa übersetzt Messias der „Knappen“ (auch wenn dieser Terminus in den westlichen Armutsgebieten der Bundesrepublik Deutschland schon von Rudi Assauer in Anspruch genommen wird), Folge leisten will. Und aus diesem Anspruch heraus erwuchs auch mein Vorhaben auch mein Ohr zu opfern um es im Rahmen einer christlichen Geste der Nächstenliebe einer geistesgestörten Hure zukommen zu lassen. Nun gibt es derer ja unzählige, sodass ich beschloss ein weiteres Kriterium als Eigenschaft, die die glückliche Adressatin meiner Gutmütigkeit aufweisen sollte, vorauszusetzen. Ich wollte ja auch dass meine Tat verstanden wird. Also war es nur recht und billig eine Adressatin zu finden, von der ich annehmen konnte dass sie nicht nur gestört sondern darüber hinaus auch hochintelligent ist. Denn es liegt ja auf der Hand: nur ein extrem intellektuell begabtes Wesen würde mein Präsent auch gebührend wertzuschätzen wissen. Ich brauchte also aus dem gigantischen Pool der ganzen wahnsinnigen Nutten nur irgendeine herausfischen, die gemeinhin als hochbegabt eingestuft wird. Das klingt einfacher als es tatsächlich ist. Denn völlig unerwarteterweise verflüchtigte sich die anfangs schier unendliche Menge der geeigneten Empfängerinnen meiner charmanten Mitgift ganz plötzlich und zu meiner größten Überraschung auf eine verschwindend geringe Population.

Wo waren sie denn plötzlich die Bestseller schreibenden Bordsteinschwalben, die unser Land doch immer zu dem machten was es ist. Wo waren sie, die Dichter- und Denkerinnen im ultraknappen Miniröckchen, die ihren Verehrern in literarisch ästhetischer Prosaik den Abend versüßten. Es schien aussichtslos. Und vermutlich hätte ich die Hoffnung vollends verloren, hätte es der Zufall nicht so gewollt, dass mir eines Tages im Lichte der aufgehenden Sonne an einem dieser mit Erwartungen auf die großen Abenteuer, die er mit sich bringt, beseelten, typisch deutschen Sonntagmorgende die Süddeutsche in die Hände fällt. Gebannt fiel mein Blick sofort auf eine mitreißende Geschichte. Es handelte sich darin um die Lebensgeschichte einer jungen Frau, die als Kind über Jahre hinweg von einem ihrer Nachbarn sexuell missbraucht wurde um dann folgerichtig mit 21 Jahren in einem Bordell als Hure anzufangen, um dann wiederum nach reiflicher Überlegung über die Absicherung des Lebensabends in einer Gesellschaft, deren Zukunft durch den demographischen Wandel der Altersgruppen so unsicher ist wie die Antibabypille bei einer geistig eingeschränkten und alkoholabhängigen Teenieschlampe, den Beschluss zu fassen dem Sexgewerbe den Rücken zu kehren um das umfassende intellektuelle Potenzial das in ihr schlummerte endlich auszuschöpfen.

Ich rieb mir die Augen vor schierer Ungläubigkeit. Als ich nach etwa 27 Minuten wieder mein Augenlicht zurück erlangte und zunächst einmal feststellen musste, dass ich durch die mechanische Manipulation meines Augapfels einen Teil meiner Netzhaut zerstört hatte, wagte ich einen erneuten Versuch das unmöglich geglaubte auf seine wahrhaftige Existenz zu prüfen. Meine von der Gewalt der Natur geschädigten Augen schwenkten ihren Blick einmal mehr über dieses Meisterwerk journalistischer Schaffenskraft. Und tatsächlich! In großen Lettern prangte dort:

„Ein hochintelligentes, sprachbegabtes, körperlich und seelisch schwer geschädigtes Mädchen hat ein Buch über ein ebensolches Mädchen geschrieben. Es heißt Splitterfasernackt. Und es ist erschütternd.“

Ich hatte es also doch geschafft. Das was ich schon fast aufgegeben hatte. Es war plötzlich so nah. Von meinen Glücksgefühlen noch vollkommen überwältigt, taumelte ich durch das Zimmer, stolperte dabei über das Kabel der Beistellampe die ich mir am Tag zuvor gekauft hatte, wodurch die gesamte Steckerleiste aus dem Gemäuer herauskatapultiert wurde.

Ich hatte nicht geahnt dass eine einfache Zeitungsrecherche so viele Opfer mit sich bringen würde. Jedoch zweifelte ich zu keinem Zeitpunkt daran dass ich für die gesundheitlichen Schäden, die mir in diesem Prozess der gesellschaftlichen Horizonterweiterung durch höhere Gewalten zugefügt worden waren ebenso wie der entstandene Sachschaden, der sich mittlerweile auf knappe 5.000€ belief, durch das weit größere Geschenk – nämlich als freier Bürger die objektive, von politischen und wirtschaftlichen Interessen unabhängige und immer glaubwürdige Arbeit gewissenhafter Journalisten genießen zu dürfen – als unwesentliche Kollateralerscheinung weit mehr als entschädigt wurde. Viele Menschen gaben ihr Leben für das Recht auf freie Meinungsäußerung. Ich konnte mich also noch glücklich schätzen, nur einen erheblichen Teil meines Sehvermögens, eine 300€ Lampe und die Stromversorgung, verloren zu haben.

Die Abenddämmerung hatte sich inzwischen über den Dächern der Stadt erhoben. Als ich aus dem Fenster gen Horizont, in dessen Angesicht die funkelnden Sterne wie liebliche Engel, die uns behutsam in die Stille der Nacht begleiten, zu blicken versuchte versperrte mir die Straßenbahn die Sicht. Ich wurde allerdings mindestens gleichwertig entschädigt, und zwar mit einem Werbeaufdruck von Dunkin‘ Donuts der schillernd auf dem verdreckten Wagon über den gesundheitsschädlichen Elektrosmog der Innenstadt erhaben, empor strahlte.

Ich dachte mir: „Scheiß auf Lilly Lindner, was denkt sich diese gestörte Nutte überhaupt von mir verlangen zu können mir mein Ohr wegzuschneiden?!“ und begab mich gequält von der Anstrengung und den Schmerzen die mir der Kampf um mein Recht auf frei zugängliche Information durch die Printmedien abgerungen hatte, stolz und glücklich in dem Wissen die Demokratischen Grundprinzipien, auf deren Basis unsere Gesellschaft beruht, gegenüber den Bemühungen der islamischen Extremisten unsere gut funktionierende Demokratie in einen Gottesstaat umzuwandeln verteidigt zu haben, zu Bett. Und ich denke: Derartiges erreicht zu haben kann ein Vincent van Gogh wohl kaum von sich behaupten.

Kunst und Kultur

Nachdem ich bereits die Tragik des Lebens eines Van Goghs thematisiert (→ siehe „Der Freiheitskämpfer“), und damit einen Blick in Richtung Malerei und Kunst gewagt habe, will ich auch einem anderen Künstler die Gelegenheit geben, hier Erwähnung zu finden. Die Rede ist dieses mal von Peter Paul Rubens, der von 1577 bis 1640 lebte, und sich zeitlebens mit seinen ergreifenden Werken ästhetischer Schaffenskraft in der Kunstgeschichte verewigte. Der Barockmaler flämischer Herkunft erlangte nicht zuletzt durch Gemälde Bekanntheit, auf denen er die Sinnlichkeit menschlicher Nacktheit in den Vordergrund rückte. Vor allem der Begriff der “Rubens-Frau”, den Frauenrechtler*Innen zuweilen gerne heranziehen um damit eine weibliche Pommestonne feministisch eloquent zu umschreiben, hat im Zusammenhang mit der BDSM- und Fetisch-Gesellschaft, in der zu leben wir uns so glücklich schätzen können, eine Renaissance erlebt.

Zwar beabsichtige ich mich mit dem Feminist*Innen-Bashing zu diesem Zeitpunkt noch etwas zurück zu halten (diesem sind dann spätere Kapitel gewidmet). Jedoch ist es anlässlich des kulturhistorischen Exkurses in die Epoche des künstlerischen Barock (und um eine Verbindung zu unserer modernen Lebensrealität herzustellen) in meinen Augen angebracht meinen Lesern den Begriff der “Rubensfrau” bildhaft vor Augen zu führen. Aus der Gegenwart herausgegriffen würde man z.B. die von dem feministischen Magazin “Emma” hoch geschätzte Stand-Up Komikerin Cindy aus Marzahn unter einer solchen Rubensfigur verstehen. Nicht zuletzt ihr hat der Berliner Ortsteil Marzahn auch seinen einzigartigen Ruf als deutsche Kulturhochburg zu verdanken.

Nach dieser kleinen Einführung in die Welt der barocken Ästhetik rund um Peter Paul Rubens, will ich den Fokus nun jedoch etwas von der Rubensfrau weg in Richtung eines anderen großen Werks dieses Künstlers schwenken. Und zwar handelt es sich dabei um das eindrucksvolle Gemälde mit dem Titel “Das Massaker der Unschuldigen” (Massacre of the innocent).

Es handelt sich dabei um eine ebenso eindrucksvolle wie auch beängstigende Szene, die die Tötung männlicher Kleinkinder in Betlehem darstellt.

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Bei der längeren Betrachtung eines solchen Gemäldes ist es ausgesprochen nachvollziehbar, wenn einen ein mulmiges Gefühl beschleicht. Unschuldige Säuglinge werden in der Gegenwart ihrer weinenden Mütter getötet. Wenn man seinen Blick von diesem Bild dann schließlich abwendet, schätzt man sich umso glücklicher in einer Zeit zu leben, in der derartige Grausamkeiten längst der Vergangenheit angehören. Die Probleme, die uns heute plagen sind vollkommen andere. Das Essen ist zu teuer, die Mieten sind zu hoch… achja, und diese ganzen Flüchtlinge, die unser Land überfluten.

Bei einigen dieser Flüchtlinge wird der Anblick dieser von Rubens dargestellten Szenerie hingegen allerdings eher Heimatgefühle wecken.

Auf die heutige Zeit angewandt würde das “Massaker der Unschuldigen” wohl weniger auf Betlehem zutreffen als vielmehr auf andere sonnige Städtchen Nordafrikas, in denen „Dschihadisten“ (so nennen die Medien mittlerweile schizophrene Psychopathen im psychotischen/religiösen Wahn) ihre Vorstellungen von Nächstenliebe fröhlich in die Tat umsetzen.

Ich habe mir deshalb die Mühe gemacht das “Massaker der Unschuldigen” etwas der heutigen Zeit anzupassen, und mit Inhalten zu füllen, die uns ein realitätsnahes Abbild des Massakers zeigen soll, wie es gegenwärtig tatsächlich stattfindet.

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Um nun allerdings nicht zu sehr in die triste Welt der internationalen Machtpolitik bzw. extremistischen Religiosität abzudriften, schlage ich vor, dass Sie, geschätzter Leser – nachdem Sie sich das gezeigte Bild genau angesehen und sich um eine Interpretation vor dem Hintergrund Ihrer geopolitischen Vorbildung bemüht haben – einen Augenblick inne halten um sich dem Geiste, der diesem Meisterwerk innewohnt, vollkommen widmen zu können.